Der Streit um die Laufzeiten

In Deutschland sind zurzeit noch 17 Atomkraftwerke am Netz. Nach dem von der damaligen rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 mit der Energiewirtschaft beschlossenen Atomausstieg sollten die Werke nach der Produktion einer festen Strommenge stillgelegt werden. Diese Strommenge bestimmt, wie lange ein Kraftwerk noch am Netz bleiben darf. Hintergrund ist, dass die Anlagen nicht kontinuierlich die gleiche Menge Strom produzieren, sondern wegen Wartung oder Störfällen zeitweise stillstehen.

Daraus ergeben sich durchschnittliche Laufzeiten von 32 Jahren seit Inbetriebnahme der Kraftwerke. Die Meiler in Stade und Obrigheim gingen nach dem Atomkonsens planmäßig 2003 und 2005 vom Netz. Von den jetzt noch produzierenden 17 Atomkraftwerken dürfte das letzte nach dieser Berechnungsgrundlage etwa 2021 vom Netz gehen. Die Betreiber können nach dem Gesetz über den Atomausstieg versuchen, die Abschaltung eines AKWs hinauszuzögern, indem Strommengen von einem Meiler auf einen anderen übertragen werden. Mit Genehmigung der Bundesregierung geht dies auch von einem modernen Kraftwerk auf ein altes. Dies bedarf der Zustimmung des Umweltministeriums "im Einvernehmen" mit Kanzleramt und Wirtschaftsministerium. In diesem und im vergangenen Jahr gab es Anträge von Energieversorgern, die Laufzeiten der drei ältesten Reaktoren Biblis A, Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel durch Übertragung von Reststrommengen zu verlängern. Einer dieser Anträge wurde im Mai abgelehnt, über die anderen ist noch nicht endgültig entschieden.

( HA )

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