Hitlers Plan: Holocaust in Palästina

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Enthüllt: Nach einem Sieg Rommels sollte ein Todeskommando ins Heilige Land. Neue Forschungen ergaben, daß die Nazis und der Großmufti den Genozid in Jerusalem planten.

Berlin/Hamburg. Das Wort Holocaust stammt aus dem Griechischen und bedeutet "vollständig verbrennen". Und genau das hatten die Nazis mit den Juden vor - bis zu sechs Millionen Juden fielen dem mörderischen Rassenwahn zwischen 1933 und 1945 zum Opfer, die meisten von ihnen endeten in den Öfen der polnischen Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka, Belzec oder Sobibor. Einer halben Million Juden gelang jedoch auf abenteuerlichen Wegen die Flucht aus Europa - nach Palästina, wo einst jüdische Reiche bestanden hatten und wo die 2000jährige Zeit der Diaspora 1948 mit der Gründung des Staates Israel enden sollte.

Doch die Nazi-Führung in ihrem lodernden Rassenhaß hatte längst Pläne geschmiedet, die jüdischen Flüchtlinge selbst in ihrer Urheimat aufzuspüren und zu vernichten. Wie neue Forschungen des Leiters der renommierten NS-Forschungsstelle Ludwigsburg, Klaus-Michael Mallmann, und seines Mitarbeiters Martin Cüppers ergaben, hielt sich zur Ermordung der rund 500 000 nach Palästina geflohenen Juden ab Sommer 1942 ein Einsatzkommando in Athen in Bereitschaft, das dem Afrika-Korps General Erwin Rommels unterstellt war.

Nur die Niederlage des "Wüstenfuchses" gegen die britische Armee in der Entscheidungsschlacht um El Alamein Ende Oktober/Anfang November 1942 habe den Massenmord verhindert, heißt es in der jetzt veröffentlichten Studie "Deutsche, Juden, Völkermord", die in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschien. Rommels Niederlage, dessen 100 000 Soldaten den 230 000 Mann General Bernard Law Montgomerys materiell erbarmungswürdig unterlegen waren, gilt neben Stalingrad als die Wende des Krieges.

Den Recherchen der Historiker nach sollte das "Einsatzkommando Ägypten" nach dem Muster der berüchtigten NS-Einsatzgruppen in Osteuropa vorgehen, die Hunderttausende Menschen erschossen oder mit mobilen Gaskammern erstickten. "Zentrales geplantes Betätigungsfeld der Truppe war die Realisierung der Shoah (des Holocaust) in Palästina", schreiben die Autoren. Als Kommandeur sei SS-Obersturmbannführer Walter Rauff benannt worden, berichten die Wissenschaftler, die sich auf Dokumente aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes stützen.

Die "mobile Todesschwadron" mit zunächst 24 Mitgliedern habe den Auftrag gehabt, palästinensische Kollaborateure anzuwerben und sicherzustellen, daß der "von den Deutschen in Gang gebrachte Massenmord fortan lediglich unter deutscher Anleitung reibungslos weiter realisiert werden konnte", schreiben Mallmann und Cüppers.

Die Deutschen konnten sich dabei auf den Judenhaß des palästinensischen Muftis von Jerusalem, Amin al-Husseini, verlassen. Husseini, ein Verwandter des späteren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, intervenierte im deutschen Außenministerium, um "die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina" zu verhindern. Im November 1917 hatte der britische Außenminister Arthur James Balfour in einem Brief die Bereitschaft Londons erklärt, eine "nationale Heimstätte" für das jüdische Volk zu errichten. Zwischen 1882 und 1939 waren Hunderttausende Juden in fünf großen Einwanderungswellen, den Alijas, nach Palästina gekommen. Die Spannungen mit den Arabern wuchsen bedrohlich.

Um den Judenstaat gewaltsam zu verhindern, beriet sich Husseini mehrfach mit dem Hauptorganisator der Judenvernichtung, SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann vom Berliner Reichssicherheitshauptamt. (Der nach dem Krieg nach Israel entführt und dort hingerichtet wurde.)

Husseini, der 1974 in Beirut starb, hielt sich von 1941 bis 1945 in Berlin auf und bezeichnete sich als "Führer von 400 Millionen Arabern". Er schürte den Haß gegen die Juden im Nahen Osten und initiierte die Aufstellung von muslimischen Waffen-SS-Divisionen im Balkan-Krieg. Auf seine Intervention hin sollen 4000 jüdische Kinder, die eigentlich von der SS verschont werden sollten, doch noch ermordet worden sein.

Weil die Briten wegen der Israel-Frage die Araber nicht zusätzlich erzürnen wollten, durften im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß keine Beweise gegen Husseini vorgelegt werden. Der Fanatiker floh schließlich nach Kairo, wurde Finanzier der 1959 gegründeten Fatah und setzte 1968 Jassir Arafat inoffiziell als seinen Nachfolger als Führer des anti-jüdischen Kampfes ein.

Wie die Forscher ermittelten, wartete das Mordkommando von Walter Rauff ab Ende Juli 1942 in Athen auf seinen Einsatz. "Die Geschichte des Nahen Ostens wäre völlig anders verlaufen und ein jüdischer Staat hätte dort wohl nie gegründet werden können, wenn das Vorhaben von Deutschen und Arabern gemeinsam in die Tat umgesetzt worden wäre", urteilen die Historiker.