Holocaust-Leugnung

Zentralrat der Juden weist Erklärung Williamsons zurück

Als „durch und durch verkorkst“ hat Dieter Graumann, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, die Erklärung Richard Williamsons zu dessen vorangegangener Holocaust-Leugnung bezeichnet. Auch die Katholische Kirche kritisiert den Bischof. Die europäischen Justiminister erwägen rechtliche Schritte gegen ihn. Bilder von Richard Williamson.

Berlin. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat die Entschuldigung des Tradionalistenbischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson als "halbherzig" zurückgewiesen. Sich lediglich für zugefügte Schmerzen zu entschuldigen, sei "völlig ungenügend", sagte Kramer.

Damit seien Williamsons Äußerungen über den Holocaust nicht auszuräumen. Er müsse sie widerrufen. Der Bischof der ultrakonservativen katholischen Pius-Bruderschaft wolle sich "nur wieder wichtig machen", sagte Kramer. Auch sei Williamson mit seinem Antijudaismus nicht allein, die Pius-Brüder insgesamt verträten eine antijudaistische Haltung.

Dieter Graumann, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, bezeichnete Williamsons Einlassung als ein "Bedauern dritter Klasse". "Williamson zieht seine verlogenen Thesen zum Holocaust und dessen Leugnung ja auch keineswegs zurück, er bedauert doch nur, dass seine Worte schädlich gewirkt haben", sagte er.Williamson habe zudem erklärt, seine Meinung sei vor 20 Jahren aufgrund der damals vorhandenen Beweise gebildet worden. "Als ob vor 20 Jahren die Existenz des Holocaust in Zweifel gestanden habe", empörte sich Graumann und fügte hinzu: "Nein: Diese durch und durch verkorkste Erklärung von Williamson nimmt leider überhaupt nichts zurück, sie lässt vielmehr den Schluss zu, er halte die Holocaust-Leugnung, die er ja schon seit Jahrzehnten pathologisch auslebt, weiter aufrecht. "Für Graumann ist das Thema damit "keineswegs vom Tisch, sondern aktueller als je zuvor". Er äußerte in diesem Zusammenhang abermals scharfe Kritik an Papst Benedikt XVI., der die Exkommunikation von Williamson trotz der Holocaust-Leugnung wie auch die von drei weiteren traditionalistischen Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft zurückgenommen hatte. "Diese fatale Fehlentscheidung des Vatikan hat bedauerlicherweise weiter Bestand", sagte Graumann. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hält die Erklärung des umstrittenen katholischen Geistlichen Richard Williamson zu seinen Äußerungen über den Holocaust für unzureichend. Die Entschuldigung sei "in keiner Weise befriedigend", sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer dem Berliner "Tagesspiegel". Selbst wenn Williamson seine Aussagen über den Holocaust eindeutig widerrufen hätte, müsse man sich fragen, wie ein erwachsener Mensch sich so leichtfertig in einer so fundamentalen Frage wie der Existenz von Gaskammern in Auschwitz äußern könne.

Derweil muss Williamson nach seiner Rückkehr nach Europa mit juristischer Verfolgung rechnen. Der europäische Rahmenbeschluss gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit könnte eine Handhabe gegen den Priester der katholischen Pius-Bruderschaft bieten, meinte der EU-Ratsvorsitzende und tschechische Justizminister Jiri Pospisil vor Beratungen mit seinen Amtskollegen. "Persönlich halte ich das für möglich, aber darüber muss diskutiert werden", sagte Pospisil.