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Schufa wehrt sich gegen Schnüffel-Verdacht

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Die von Hamburgs Ex-Finanzsenator geführte Auskunftei erwägt, Daten aus sozialen Netzwerken zu verwerten. Entsetzen bei Verbraucherschützern.

Hamburg. Die Schufa, die Creditreform und die Hamburger Auskunftei Bürgel sind die ersten Adressen für Banken, Versicherungen und Handelsfirmen, wenn sie prüfen wollen, ob ihre Kunden auch tatsächlich zahlen können. Wer schon mal eine Rate ausfallen ließ, die Handyrechnung nicht bezahlte, für Tausende Euro ohne gedecktes Kreditkonto im Internet bestellte, der hat künftig schlechte Karten. Schufa und Co. wägen das Ausfallrisiko ab.

+++ Das Daten-Dilemma +++

+++ Schufa will Nutzer von Facebook durchleuchten +++

Das hat mitunter die Konsequenz, dass man nur noch gegen Vorkasse etwas geliefert bekommt, keinen Leasingvertrag für ein Auto erhält oder eine Versicherung einen Kunden ablehnt. Dabei häufen die Schufa und ähnliche Dienstleister immense Datenmengen an. Und Datenberge wecken Begehrlichkeiten. Anders als bei streng reglementierten Verfahren, wie etwa in der Kriminalitätsbekämpfung, können Unternehmen aus frei verfügbaren Informationen und ihnen zur Verfügung gestellten Daten ihre eigenen Schlüsse ziehen. Mit ihrer Unterschrift auch unter das Kleingedruckte von Kreditverträgen und Liefervereinbarungen geben Kunden häufig - ohne genau hinzusehen - ihre Einwilligung für den Austausch von Daten.

Nun will die Schufa auch Daten aus sozialen Netzwerken wie etwa Facebook nutzen. Das mögliche Zusammenspiel empört die Kundenanwälte: "Ich kann nur hoffen, dass die Schufa an ihren vielen neuen Daten erstickt", sagte Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg dem Abendblatt. Die Kritik müsse sich auf Schufa und Facebook konzentrieren, denn: "Die Vorstellung ist naiv, man könne die Menschen dazu bringen, auf sozialen Netzwerken wie Facebook künftig weniger private Daten preiszugeben. Das funktioniert nicht."

+++ Die Schufa ist privat +++

Die Schufa spricht im Zusammenhang mit ihrem Facebook-Projekt von einer "Zusammenarbeit im Bereich der technischen Datenverarbeitung" mit dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut. Ihren eigenen Verbraucherbeirat, dem auch Verbraucherschützer, Wissenschaftler und Journalisten angehören, informierte die Schufa offenbar nicht. "Wir sehen es mit Befremden, dass über Inhalt und Ziel dieses Projekts mit dem Beirat vorher nicht gesprochen worden ist", schrieben einige Beiratsmitglieder gestern in einer E-Mail an den Schufa-Vorstandsvorsitzenden Michael Freytag. Der frühere Hamburger Finanzsenator führt das Unternehmen seit November 2010.

Das Hasso-Plattner-Institut, gegründet vom früheren SAP-Vorstandssprecher Plattner, verteidigt sich: "Es geht nicht etwa um das Ausspionieren von Geheimdaten, sondern um das Auffinden öffentlicher Informationen, die im Netz stehen, weil sie jemand dort bewusst hinein- und damit zur Verfügung gestellt hat. Die meisten dieser Daten sind für jeden Internetnutzer durch normale Suchmaschinenabfragen manuell recherchierbar."

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte die Schufa auf, die Pläne auf Eis zu legen, bis die Hintergründe des Forschungsauftrags vollständig aufgeklärt sind. Es könne nicht sein, dass soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast werden, die dann in Bonitätsbewertungen von Kunden einfließen.

Hamburgs Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) warnt die Bürger: "Gerade Eltern sollten auch darauf achten, was ihre Kinder veröffentlichen, und mit ihnen über die Risiken reden." Die Behörde hat eine Broschüre zum Thema herausgegeben: "Ich suche dich. Wer bist du?"

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach von "unternehmerischer Kaffeesatzleserei mit unabsehbaren Folgen". Die Bundesregierung müsse beim Datenschutz per Gesetz rote Linien ziehen, statt nur medienwirksame Auftritte bei Facebook zu absolvieren.

Seit Jahren durchsuchen Headhunter und Personalmanager das Internet, wenn sie Bewerber abseits ihrer Mappen beurteilen wollen. Dabei spielen soziale Netzwerke wie Facebook, aber auch das Business-Portal Xing eine große Rolle. Das ist legal, führt aber nicht immer zu den gewünschten Informationen. Im Ranking von Suchmaschinen wie Google tauchen oft alte Einträge an den ersten Stellen auf. Banken legen bei der Kreditvergabe eine ganze Reihe von Kriterien an. Sie sind allerdings meist nicht transparent für den Kunden. Dazu gehören Einkommen, bestehende Verpflichtungen, Sicherheiten, Wohnort und Beruf ebenso wie der Familienstand und andere Faktoren. Sie beeinflussen etwa, zu welchen Konditionen (Zinsen, Laufzeit) ein Kunde einen Kredit erhält. Bei einem Hauskredit kann davon abhängen, ob der Kunde am Ende Zehntausende Euro mehr oder weniger bezahlt.

Im November 2010 war die Haspa in die Kritik geraten, weil sie "Psycho-Profile" ihrer Kunden erstellt haben soll. Ob dazu Informationen aus dem Internet genutzt wurden und inwieweit diese Profile zur Kreditwürdigkeit beigetragen haben, ist unklar.