Finanzauskunft

Verbraucherschützer kritisieren Schufa-System als irreführend

Foto: Schufa

Statistische Auswertungen führten zu falschen Schlüssen. Die Schufa wehrt sich: Das System entspreche gesetzlichen Anforderungen.

Berlin. Verbraucherschützer sehen bei der seit neun Monaten kostenlos abrufbaren Schufa-Auskunft erheblichen Nachbesserungsbedarf. Wer Informationen über von der Auskunftei gesammelte persönliche Daten anfordere, erhalte eine Übersicht, die schwer lesbar, unverständlich und irreführend sei, sagte Frank-Christian Pauli, Bankenreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. „Den meisten Verbrauchern wird nicht schlüssig, warum sie so bewertet wurden, wie sie bewertet wurden.“ Die Schufa wies die Kritik zurück: Die Auskunft entspreche den gesetzlichen Anforderungen und sei mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt.

Kostenloser Service zur Datenspeicherung gelobt

Pauli sagte, positiv sei allein, dass die Auskunftei seit April 2010 einmal im Jahr kostenlos offenlegen müsse, welche personenbezogenen Daten und Werte sie in den vergangenen zwölf Monaten erhoben, übermittelt und erstmalig gespeichert hat. Verbraucher haben seitdem das Recht, unentgeltlich zu erfahren, welche Daten – sei es die Anzahl von Girokonten, laufenden Krediten und Hypotheken oder Informationen zu Wohnortwechsel und Alter – für die Berechnung der Bonitätseinstufung verwendet wurden und wie sie in diesem sogenannten Scoring abschnitten.

Wie diese Daten letztlich aber in die übermittelte Bonitätsauskunft, also das Scoring, hineinspielten, werde nicht deutlich, sagte Pauli. Die Informationsdarstellung in Tabellenform mit Angaben wie „überdurchschnittliches Risiko“ oder „deutlich unterdurchschnittliches Risiko“ werfe viele Fragen auf. Schlimmer noch: Die Aussagen beruhten immer auf statistischen Werten und seien nie individuell begründet.

„Das, was da bewertet wird, ist nur ein Schatten von mir“, sagte Pauli. Es handle sich um Annahmen, die auf in einer bestimmten Gruppe mit gleichen Daten gewonnenen Erfahrungswerten basierten. „Besagt die Statistik beispielsweise, dass Menschen, die häufig die Adresse wechseln, ihre Schulden nicht begleichen, heißt das noch lange nicht, dass auch ich – trotz häufiger Umzüge – meinen Zahlungen nicht nachkomme“, sagte der Verbraucherschützer weiter. „Möglich ist ja, dass ich aus beruflichen Gründen häufig den Wohnort wechsle und nicht, weil ich vor Gläubigern fliehe.“ Diese persönlichen Umstände berücksichtige die Schufa-Bewertung nicht. Dazu zählten auch andere wichtige Daten wie fester Job und hohes Einkommen. „Der Mensch ist mehr als sein Datenschatten“, sagte Pauli.

Schufa: „Wir entscheiden nicht über Kreditvergabe“

Schufa-Sprecher Christian Seidenabel verteidigte die Art der Bonitätsermittlung. „Das Schufa-Verfahren ist ein sehr genaues statistisches Verfahren“, sagte er. Dessen Zuverlässigkeit sei einfach zu überprüfen und werde auch regelmäßig überprüft. Scoring-Verfahren spielten heute außerdem in vielen anderen Lebensbereichen eine wichtige Rolle, ergänzte der Sprecher. Beim Abschluss einer Kfz-Versicherung beispielsweise werde das Risiko bewertet durch Fragen nach dem Kilometerstand oder der Möglichkeit eines Garagenstellplatzes. Auch hier werde sich aus der Statistik bedient.

Wichtig zu betonen sei auch, dass sich beispielsweise Banken bei der Entscheidung über die Vergabe eines Kredits nie allein an der Schufa-Auskunft orientierten, sagte Seidenabel weiter. Für die Betrachtung des Einzelfalls sei der Kreditgeber zuständig, der dabei seine entsprechenden Geschäftskriterien anwende.

„Selbsterfüllende Prophezeiung“

Pauli ging in seiner Kritik noch weiter. Das Fehlen von Informationen und eine daraus resultierende Falscheinschätzung könnten zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden, sagte der Verbraucherschützer. „Werde ich in einer Risikogruppe geführt, obwohl ich ein stabiles Einkommen habe, komme ich gar nicht an Kredite oder muss horrende Zinsen zahlen“, sagte der Bankenexperte. „In diesem Fall könnten mich normale Belastungen tatsächlich an den Rand meiner finanziellen Möglichkeiten bringen.“

Auch hier verwies der Schufa-Sprecher abermals darauf, dass die Kreditprüfung nicht bei der Schufa, sondern deren Vertragspartnern - also Banken, Versandhandels- oder Telekommunikationsunternehmen - stattfinde. Diese prüften die individuelle Situation, so auch Einkommen und Vermögen.