"Urbi et orbi"

Papst Benedikt XVI. spendet Segen und ruft zu Frieden auf

Vor dem traditionellen Segen "urbi et orbi" hat Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom ein Ende der Gewalt im Nahen Osten gefordert.

Rom. Vor seinem traditionellen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom das Ende der Gewalt im Nahen Osten gefordert. In der Weihnachtsbotschaft mahnte der Papst dringend zu einer Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen in Israel. Zudem forderte der 84-Jährige eindringlich ein Ende der Gewalt in Syrien, "wo schon so viel Blut vergossen worden ist“. Anschließend übermittelte das Kirchenoberhaupt Weihnachtsglückwünsche in 65 Sprachen.

In Israel, wo mit der Geburt Jesu Christi das Weihnachtsgeschehen angesiedelt ist, sind nach den Worten des Pontifex vermehrte Anstrengungen für Frieden und Stabilität erforderlich. Hoffnung auf Versöhnung und Stabilität äußerte der Papst insbesondere auch für den Irak und Afghanistan. Im Hinblick auf die Revolten in der arabischen Welt bat er um „neue Kraft beim Aufbau des Allgemeinwohls“

Vor Zehntausenden Pilgern aus aller Welt auf dem Petersplatz würdigte der Papst die demokratischen Entwicklungen im südostasiatischen Birma (Myanmar). Dialog und Zusammenarbeit müssten dort zu „gemeinsam getragenen Lösungen“ führen, mahnte er an die Adresse des Militärregimes und der Opposition. Die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist nach insgesamt 15 Jahren Hausarrest seit rund einem Jahr wieder auf freiem Fuß.

Mit Blick auf anhaltende Konflikte in Afrika äußerte sich Benedikt besorgt über mangelnde Stabilität in der Region der Großen Seen zwischen Ruanda, Burundi, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Besonderes Augenmerk richtete er überdies auf Konflikte zwischen dem Sudan und dem erst im Juli unabhängig gewordenen Südsudan. Auch im jüngsten Staat der Welt müssen nach den Worten des Papstes die Rechte aller Bürger gewahrt werden.

Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. am Heiligabend in seiner traditionellen Christmette im Petersdom in Rom die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes beklagt. Er rief die Gläubigen auf, "durch die glänzenden Fassaden dieser Zeit hindurchzuschauen bis zu dem Kind im Stall von Bethlehem, um so die wahre Freude und das wirkliche Licht zu erkennen“.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche zog zur Feier der Christmette erstmals auf einer beweglichen Plattform in den mit Hunderten Gläubigen gefüllten Petersdom ein – eine Neuerung, um dem 84-Jährigen den Fußmarsch entlang des langen Ganges zum Hauptaltar zu ersparen. Angesichts des strapaziösen Programms des Papstes am Ersten Weihnachtsfeiertag wurde die Messe bereits vor einigen Jahren von Mitternacht auf 22.00 Uhr vorverlegt. Am Ende der Mette wirkte der Papst erschöpft, ein trockener Husten hatte zudem immer wieder seine Predigt unterbrochen.

Am Heiligen Abend 2008 und 2009 war der Papst während seines Einzugs in den Petersdom von einer psychisch kranken Frau angegriffen worden. 2008 konnten die Leibwächter sie stoppen, aber im Jahr darauf riss sie Papst Benedikt XVI. zu Boden. Das Kirchenoberhaupt blieb dabei unverletzt, ein Kardinal hingegen stürzte und brach sich die Hüfte. Seither gelten verschärfte Sicherheitsbestimmungen. (abendblatt.de/epd/dapd)