Abhörskandal um Rupert Murdoch

Rücktrittsforderungen: Für Premier Cameron wird es ernst

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Die Rücktrittsforderungen an den "zwielichtigen" Premierminister David Cameron werden immer lauter. Kritik auch aus den eigenen Reihen.

Vor der mit Spannung erwarteten Anhörung Rupert Murdochs in der britischen Abhöraffäre sind Rücktrittsforderungen an Premierminister David Cameron laut geworden. Nachdem der Chef der renommierten Londoner Metropolitan Police bei seinem Rücktritt auch die Abdankung Camerons gefordert hatte, werden nun Stimmen aus der Opposition laut. „Wann tut der zwielichtige Dave endlich das, was sich gehört, und tritt zurück?“, sagte der Labour-Parlamentarier Dennis Skinner. Sein Parteifreund Gerald Kaufman fragte: „Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?“ Oppositionsführer Ed Miliband sagte am Montag, Cameron sei in seinen Entscheidungen „gelähmt“. Auch in der eigenen Partei wurde Kritik laut. Am Nachmittag sollen Rupert Murdoch, sein Sohn James und die Ex-Chefin von News International, Rebekah Brooks, vor dem Medienauschuss des britischen Unterhauses aussagen.

Die konservative Partei von David Cameron kritisierte, dass er trotz der Affäre seine geplante Reise nach Südafrika antrat. Der Regierungschef musste den Besuch nun verkürzen und sollte bereits am Dienstagnachmittag nach London zurückkehren. An diesem Mittwoch will er im Parlament sprechen. Die Parlamentsferien wurden eigens um einen Tag hinausgezögert. Am Montag hatte Innenministerin Theresa May für Cameron in die Bresche springen müssen.

Paul Stephenson, ehemaliger Chef von Scotland Yard, forderte in seinem Abschiedstatement den Rücktritt des Premiers. "Wenn ich gehen muss, dann musst du eigentlich erst recht gehen." Stephenson spielte auch auf Camerons enges Verhältnis zu dessen früheren Regierungssprecher Coulson an. Cameron stellte den ehemaligen "News of the World"-Chefredakteur ein, obwohl dieser bereits 2007 wegen des Abhörskandals zurücktreten musste. "Zweite Chance", nannte Cameron das. Im Januar musste Cameron seinen Spindoktor fallen lassen, als die Affäre zu heiß wurde.

Am Montag starb überraschend der Hauptbelastungszeuge gegen Coulson. Der Journalist Sean Hoare wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Zeichen für ein Verbrechen gebe es nicht, teilte die Polizei mit. Hoare hatte im vergangenen Jahr in einem Interview der „New York Times“ erklärt, Coulson habe vom Anzapfen der Telefone nicht nur gewusst, sondern ihn persönlich sogar angestiftet, „die schwarzen Künste“ zu nutzen.

Cameron geriet am Dienstag weiter unter Druck, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks als Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es ist die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.

Rebekah Brooks, die heute ebenfalls vor Parlamentariern aussagen soll, war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Blatts „News of the World“. Dessen Reporter hatten die Telefone von 4000 Prominenten, Verbrechensopfern, Hinterbliebenen und Soldatenwitwen illegal abgehört.

Der Aufsichtsrat des Medienunternehmens News Corp. hat sich hinter den unter Druck geratenen Vorstandsvorsitzenden Rupert Murdoch gestellt. Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkins wies am Montag Berichte über eine Nachfolgeregelung für den Unternehmensgründer zurück. Murdoch habe die volle Unterstützung des Aufsichtsrats und es gebe keine Pläne, ihn wegen des Abhörskandals in Großbritannien zu ersetzen, sagte Perkins in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Aufsichtsrat von News Corp. stellt sich hinter ihren Chef

Der Aufsichtsrat des Medienunternehmens News Corp. hat sich hinter den unter Druck geratenen Vorstandsvorsitzenden Rupert Murdoch gestellt. Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkins wies am Montag Berichte über eine Nachfolgeregelung für den Unternehmensgründer zurück. Murdoch habe die volle Unterstützung des Aufsichtsrats und es gebe keine Pläne, ihn wegen des Abhörskandals in Großbritannien zu ersetzen, sagte Perkins in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, der Aufsichtsrat habe einen Plan für die Nachfolge Murdochs erarbeitet, nach dem der Vorstand für das operative Geschäft, Chase Carey, neuer Vorstandsvorsitzender werden solle.

Ausschlaggebend für einen möglichen Personalwechsel an der Spitze von News Corp. sei, wie sich Murdoch bei der Anhörung vor dem britischen Parlament am Dienstag verhalte, zitierte Bloomberg eine Gewährsperson. Auch Murdochs Sohn James und die ehemalige Chefin der britischen Zeitungssparte von News Corp., Rebekah Brooks, sollten von den Abgeordneten befragt werden.

Perkins räumte zwar ein, dass er bereits seit längerem eine grundsätzliche Nachfolgeregelung für die Konzernspitze von News Corp. gebe. Der Abhörskandal um die mittlerweile eingestellte Boulevardzeitung „News of the World“ habe an den Plänen jedoch nichts geändert.

„Ich kann Ihnen versichern, dass es auf Aufsichtsratsebene keine Diskussionen über einen Wechsel im Zusammenhang mit dem aktuellen Skandal gegeben hat. Der Aufsichtsrat unterstützt das Topmanagement vollkommen“, sagte Perkins. „Der Aufsichtsrat und der Vorstand sind von sehr schlechten Menschen aus den unteren Ebenen der Organisation in die Irre geführt worden.“

Mit Material von dpa/dapd/reuters