Afghanistan

Tumulte um Koranverbrennung und Angst vor der Wahl

Foto: AP / AP/DAPD

Dramatische Sicherheitslage in Kabul und neue Spekulationen: Waren deutsche Soldaten an der gezielten Tötung von Taliban beteiligt?

Kabul/Berlin. Die geplante Koranverbrennung in den USA erhitzt auch nach dem 11. September die Gemüter in der muslimischen Welt. In Afghanistan, wo am Sonnabend ein neues Parlament gewählt werden soll, trieb die Polizei in der Hauptstadt Kabul mit Warnschüssen eine wütende Menschenmenge auseinander, die gegen die USA protestierte . Es gab einen Toten und Dutzende Verletzte. Zwei Polizisten hätten Kopfschüsse erlitten und schwebten in Lebensgefahr, sagte der Chefermittler der Kabuler Kriminalpolizei, Abdul Sahir. Fünf bewaffnete Demonstranten seien festgenommen worden.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden benutzt die radikalislamische Taliban den anhaltenden Ärger vieler Muslime über die angedrohte Koranverbrennung , um vor der Parlamentswahl Stimmung gegen die mit den USA verbündete Regierung in Kabul zu machen.

Papst Benedikt XVI. äußerte sich besorgt über die Gewalt bei den Protesten in Afghanistan und Kaschmir. Er bete dafür, dass die Religionsfreiheit respektiert werde und „die Logik des Friedens und der Aussöhnung über Hass und Gewalt siegt“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Afghanische und ausländische Sicherheitskräfte haben nach Militärangaben einen geplanten Angriff in Kabul während der bevorstehenden Parlamentswahl vereitelt. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, drei Angehörige einer „Aufständischen- Zelle“ seien am Mittwoch festgenommen worden. Sie hätten einen Panzerfaust-Angriff auf ein Ausbildungszentrum des Militärs während der Wahl geplant.

Unterdessen wurde bekannt, dass deutsche Elitesoldaten in Afghanistan in den vergangenen drei Jahren mehr als 50 Aufständische festgenommen und an die afghanischen Behörden übergeben haben. Die Spezialkräfte der „Task Force 47“ der Bundeswehr habe bei ihren Operationen auch mehrfach Unterstützung aus der Luft bekommen, heißt es in einer Antwort des Staatssekretärs Thomas Kossendey auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Sie liegt der Nachrichtenagentur dpa vor. Zweimal sei es zu Bombardements gekommen.

Die „Task Force 47“ ist seit Oktober 2007 mit bis zu 120 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, gezielt gegen Taliban-Kämpfer vorzugehen, die auf einer Liste der internationalen Schutztruppe Isaf stehen. Gezielte Tötungen sind der Bundeswehr in Afghanistan im Gegensatz zu anderen Nationen nicht erlaubt. Laut Kossendey waren deutsche Soldaten auch „weder an der Vorbereitung und Planung noch an der Durchführung“ von Tötungsaktionen der US-Spezialkräfte beteiligt.

Für den Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele ist damit jedoch eine indirekte Beteiligung der Bundeswehr an gezielten Tötungen belegt. „Ich halte diese Praxis für einen Verstoß gegen Grundgesetz, Völkerrecht und Menschenrechtskonvention“, erklärte er.