Historische Rede an der Universität Kairo

Obama reicht den Muslimen die Hand

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Der amerikanische Präsident lobt die Friedensbemühungen in der muslimischen Welt. Der Terror müsse gemeinsam bekämpft werden. Obama befürwortet einen Palästinenserstaat.

Kairo/Hamburg. Er kam mit dem Frieden im Herzen: US-Präsident Barack Obama begrüßte die Zuhörer seiner Rede an der Universität Kairo mit dem arabischen Friedensgruß – und hatte schon während seiner historischen Worte immer wieder pausieren müssen. So oft wurde zwischendurch geklatscht. Obama hat den 1,3 Milliarden Muslimen der Welt einen „neuen Anfang“ in den Beziehungen zum Westen versprochen. „Der Islam ist nicht Teil des Problems, wenn es darum geht, den gewalttätigen Extremismus zu bekämpfen, er ist ein wichtiger Bestandteil der Förderung des Friedens“, sagte Obama vor 2500 geladenen Gästen. Der US-Präsident, der Zitate aus dem Koran in seine Rede einfließen ließ, rief die Muslime auf, sich mit den USA gegen die Extremisten des Terrornetzwerks al-Qaida zu verbünden.

In Bezug auf den Nahost-Konflikt sagte er, die islamistische Palästinenserorganisation Hamas müsse Israel anerkennen und der Gewalt abschwören. Israel müsse den Ausbau seiner jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten beenden. Zuvor hatte Obama den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak getroffen, dem er versprach, sich ernsthaft für einen umfassenden Frieden in Nahost einzusetzen. Beobachter sagten, Mubarak und seine Berater hätten nach dem Treffen mit Obama „erleichtert“ gewirkt. Das Gespräch sei sehr positiv verlaufen.

Obama hat die islamischen Welt auch vor „groben Stereotypen“ über die USA gewarnt. Die USA seien keineswegs eine „eigennützige Imperialmacht“. Amerika sei eine der „großartigsten Quellen des Fortschritts in der Welt“, die es je gegeben habe. Die USA seien dem Ideal der Gleichheit der Menschen verpflichtet, für das Amerika in den Jahrhunderten viel gekämpft und Kriege geführt habe. Die Gültigkeit der amerikanischen Beziehungen zeige sich in der Tatsache, dass ein Afro-Amerikaner mit dem Namen Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt werden konnte. Dieser amerikanische Traum der unbegrenzten Möglichkeiten gelte auch für die fast sieben Millionen Muslime in den USA.

Der Krieg im Irak hat nach den Worten von Obama auch die Versäumnisse der US-Politik demonstriert. Auch wenn er glaube, dass der Irak ohne die Tyrannei von Saddam Hussein besser dran sei, habe der Krieg auch gezeigt, dass es wichtig sei, Diplomatie und internationalen Konsens zur Lösung von Problemen zu nutzen, sagte Obama. Er hat außerdem den Iran erneut aufgefordert, die Probleme wegen der Nuklearpläne in Verhandlungen zu lösen. Beide Seiten dürften nicht in der „Falle der Vergangenheit“ gefangen bleiben. Die USA suchten einen Neubeginn, jetzt müsse auch Teheran dazu seine Bereitschaft zeigen. Allerdings sei in der Frage der Nuklearwaffen „ein entscheidender Punkt“ erreicht. Eine Atommacht Iran würde nicht nur die Stabilität der Region, sondern der ganzen Welt bedrohen.

Obamas Rede ist auch über soziale Netzwerke und den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet worden. Praktisch im Minutentakt verbreitete das Weiße Haus über Twitter Auszüge der Rede. Ein Ziel war es, auf diese Weise möglichst viele jugendliche Muslime einzubinden.

( HA )