Berlin. Der Ministerpräsident der autonomen Gebiete will ein Aufbauprogramm für Gaza – und warnt Israel vor der Vertreibung von Menschen.

Am 5. Juni 1947 präsentiert der damalige amerikanische Außenminister George C. Marshall das „European Recovery Program“. Der sogenannte „Marshallplan“ soll Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine helfen, vor allem wirtschaftlich. Diese Hilfe hat sich nun auch Mohammed Schtaje, Ministerpräsident der Palästinensischen Autonomiegebiete, im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz gewünscht.

„Wir brauchen einen Marshallplan für den Gazastreifen“, teilte Schtaje der Deutschen Presse-Agentur in München mit – und sich damit an die internationale Gemeinschaft gewandt. Der neue Marshallplan brauche drei Komponenten: Nothilfe, Rekonstruktion und eine Wiederbelebung der Wirtschaft. „Wir wissen aus Satellitenaufnahmen, dass 45 Prozent des Gazastreifens zerstört sind. Das bedeutet 281 000 Wohneinheiten, die vollständig oder teilweise zerstört sind.“

Eine Reparatur könne teils schon in Wochen oder Monaten möglich sein, glaubt Schtaje. „Wir brauchen dafür viel Geld.“ Mit den Vereinten Nationen laufe eine Untersuchung, wie man der größten Not im schwer zerstörten Gazastreifen begegnen könne. Katastrophal sei die Situation in

Rafah

Ein israelischer Hubschrauber fliegt über Chan Junis. Bei einem Einsatz der israelischen Armee in der Stadt seien Dutzende Tatverdächtige festgenommen worden.
Ein israelischer Hubschrauber fliegt über Chan Junis. Bei einem Einsatz der israelischen Armee in der Stadt seien Dutzende Tatverdächtige festgenommen worden. © Mohammed Dahman/AP/dpa
Zerstörte Gebäude in Rafah.
Zerstörte Gebäude in Rafah. © Yasser Qudih/XinHua/dpa
Palästinenser suchen nach einem israelischen Luftangriff im Flüchtlingslager Nusseirat nach Überlebenden.
Palästinenser suchen nach einem israelischen Luftangriff im Flüchtlingslager Nusseirat nach Überlebenden. © Adel Hana/AP/dpa
Ein israelischer Panzer an der Grenze zum Gazastreifen.
Ein israelischer Panzer an der Grenze zum Gazastreifen. © Leo Correa/AP/dpa
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, im südlichen Gazastreifen an der Grenze zu Ägypten. „Keine Nahrung, kein Wasser, kein Strom, der Lebensmittelnachschub ist sehr begrenzt. Nur acht Prozent des Bedarfs kommen über Rafah in den Gazastreifen“, so Schtaje. Die Menschen dort seien „extrem wütend“ und verängstigt.

Palästinensischer Ministerpräsident fordert: Israel soll die Menschen zurückkehren lassen

Der palästinensische Ministerpräsident sitzt einer autonomen Behörde vor, die im Westjordanland liegt und keine tatsächliche Kontrolle über den Gazastreifen hat. Der wird von der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas beherrscht. Dennoch wird Schtaje nicht müde, Israel davor zu warnen, die in den Süden geflüchteten Palästinenser mit einer Militäroffensive nach Ägypten zu vertreiben. Israel solle die Menschen zurück in ihre Häuser lassen und Hilfslieferungen in den nördlichen Gazastreifen erlauben.

Ob dies in naher Zukunft möglich ist, bleibt abzuwarten. Für das Gelingen des Marshallplans gab es 1947 übrigens nur eine Bedingung. Die europäischen Nationen sollten sich auf eine gemeinsame Wirtschaftsordnung verständigen. Das gelang durch die osteuropäischen Länder, die der Marshallplan-Konferenz auf Druck der UdSSR fernbleiben, nur teilweise. Ein Problem, das auch im Gazastreifen drohen könnte. Der Nahe Osten ist vielleicht noch geteilter als Europa während des Kalten Krieges.

mit dpa

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