Berlin. Die heftigsten Kämpfe an der gesamten Front toben um Bachmut. Gerade hier würde ein Erfolg der Ukraine Kremlchef Putin hart treffen.

Die Gegenoffensive der Ukraine ist eine zähe Angelegenheit. In der vergangenen Woche will sie 14 Quadratkilometer zurückerobert haben. Sie braucht Erfolge, zumal jetzt: im Vorfeld des Nato-Gipfels. Ihre Unterstützer sollen sehen, dass ihre Waffenlieferungen sich lohnen.

Ukraine-Krieg: In Bachmut hat Russland viel zu verlieren

Größere Geländegewinne erzielen die ukrainischen Soldaten in der Region um Bachmut. Einen Verlust der Stadt in der Ost-Ukraine muss Kreml-Chef Wladimir Putin um jeden Preis verhindern. Denn:

  • Die Russen hatten sie erst im Mai nach einer zehnmonatigen Schlacht erobert. Die Stadt gehört zu den wenigen Gebietsgewinnen. Sie wieder zu verlieren, wäre ein Prestigeverlust.
  • Die damit verbundenen Opfer wären umsonst gewesen. Wie US-Präsident Joe Biden auf dem G-7-Gipfel in Hiroshima erzählte, soll Russland ohnehin mehr als 100.000 Soldaten verloren haben: getötet, verletzt, gefangen genommen.
  • Bachmut war gerade ein Erfolg der Gruppe Wagner, die zum 1. Juni wieder abzog. Es wäre für die russische Armee eine Blamage, wenn sie anders als die berüchtigte Söldnertruppe das Gebiet nicht halten könnte.

Indes sind die Probleme der Russen gewaltig. Jetzt rächt sich der Zermürbungskrieg, den die Ukraine erzwungen hat. Laut dem britischen Geheimdienst hat Russland kaum Reserven, um nachzulegen.

Gegen die Verteidiger sprächen die geringe Moral und die beschränkten Fähigkeiten, sich erfolgreich gegen die ukrainische Artillerie zu wehren. Was bei den zusammengewürfelten Einheiten, die sich notgedrungen neu formieren mussten, keine Überraschung ist.

Die Russen sollen eingekesselt und zermürbt werden

Die Ukrainer haben zuletzt mehrere strategisch bedeutsame Hügel erobert und die Kreml-Einheiten aus der Siedlung Klschtschijiwka vertrieben, wie auch russische Militärblogger bestätigen. Das Ziel des Befehlshabers der ukrainischen Bodenstreitkräfte, Oleksandr Syrskyi, liegt auf der Hand: Die Einkessellung.

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Die Verteidiger wären auf sich allein gestellt und vom Nachschub abgeschnitten. In Bachmut toben denn auch momentan die schwersten Gefechte. Bachmut ist wieder ein Angriffsschwerpunkt.

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Mit einem Frontalangriff ist nicht zu rechnen. Mit vergleichbar geringem Aufwand sollen die Russen aufgerieben und nicht zuletzt daran gehindert werden, Truppen in eine andere Region zu entsenden – zum Beispiel an die Südfront. Das amerikanische Institute for the Study of Wars geht davon aus, dass das Tempo der Offensiven strategisch darauf angelegt ist, die Kampfkraft der Ukraine zu erhalten und die Russen zu zermürben. Das könnte Sie auch interessieren: Schockierendes Video: Putin lässt auf eigene Leute schießen

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt