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14 Staaten erkennen Taiwan an: Der Klub der Unerschrockenen

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Miguel Sanches
China hält großes Militärmanöver nahe Taiwan ab

China hält großes Militärmanöver nahe Taiwan ab

Nach dem umstrittenen Besuch der US-Spitzenpolitikerini Nancy Pelosi in Taiwan hält China ein Militärmanöver nahe der Insel ab. Die kommunistische Führung in Peking reagierte erbost auf Pelosis Besuch im demokratisch regierten Taiwan. Sie sieht Taiwan als Teil Chinas an.

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Wer Taiwan als unabhängigen Staat anerkennt, bekommt Ärger: mit China. Aber es gibt ihn, den Klub der Unerschrockenen. Wer dazugehört.

Berlin. Belize ist keine Weltmacht. Aber politisch sehr eigen. Einer von 14 Unerschrockenen. So viele Staaten – nur so viele – unterhalten diplomatische Beziehungen zu Taiwan und bieten damit einer Weltmacht die Stirn: China.

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Die Regierung in Peking betrachtet den Inselstaat mit rund 23 Millionen Einwohnern als Teil Chinas. Sie hat Taiwan aus der UNO herausgedrängt und fast alle Staaten zu einer "Ein-China-Politik" gebracht. Aber nur: fast.

Taiwan: Viele Inselstaaten als diplomatische Verbündete

Wer auf die Internetseite des Außenministeriums in Taipeh geht, findet sie leicht: die "diplomatischen Verbündeten", eine Liste mit viel Luft nach oben.

Es sind zumeist kleine Länder wie das mittelamerikanische Belize, vielen aus People-Magazinen bekannt, weil Stars wie Heidi Klum oder Cameron Diaz dort gern ausspannen. Es sind auffällig viele Inselstaaten darunter, so wie Nauru, das Wladimir Putin trotz Ukraine-Krieg die Stange hält.

Neben Nauru unterhalten im asiatisch-pazifischen Raum Palau, Tuvalu und die Marshall-Inseln diplomatische Beziehungen zu Taiwan, in Afrika das kleine Königreich Eswatini (ehemals Swasiland), in Südamerika außer Belize noch Guatemala, Haiti, Honduras, Paraguay, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen sowie St. Christopher und Nevis.

Taiwan: Segen auch vom Vatikan

Wer mitgezählt hat, vermisst noch einen Staat, auf seinem Gebiet sogar eine Weltmacht.: der heilige Stuhl, der Vatikan.

Ohne göttlichen Beistand machen sich die meisten Staaten klein und pflegen nur verhohlen Beziehungen zu Taiwan. Deutschland ist in Taipeh nicht mit einer Botschaft vertreten, sondern mit einem "Institut".

Indes sind dort viele Institutionen angesiedelt, die typischerweise zu einer Außenrepräsentanz dazu gehören: Deutsche Schule, Goethe-Institut, Akademischer Auslandsdienst, Wirtschaftsbüro. Und auch im Bundestag bildete sich ein Freundeskreis "Berlin-Taipei". Zuletzt war eine Delegation vom 24. Februar bis 3. März 2019 auf der Insel vor dem chinesischen Festland. Schon für Ende Oktober plant der Menschenrechtsausschuss des Bundestags eine Taiwan-Reise, wie dpa von mehreren Abgeordneten erfuhr.

Taiwan: Selbst für die USA ein Balanceakt

Taiwan beizustehen, ohne China gegen sich aufzubringen, ist für viele Staaten ein Balanceakt. Die Stiftung Wissenschaft und Politik bescheinigt etwa Singapur "viel Diplomatie ohne diplomatische Beziehungen". Das könnte man erst recht von den USA behaupten.

Einerseits sicherte Präsident Joe Biden dem Inselstaat militärische Unterstützung bei einem möglichen Angriff Chinas zu. Andererseits hält auch die Regierung in Washington an der "Ein-China-Politik" fest.

Joe Biden – Mehr Infos zum US-Präsidenten

Längst ist in Vergessenheit geraten, dass Taiwan als "Republik China" sogar Gründungsmitglied der UNO war. Erst 1971 verlor die Insel ihren Sitz. Peking hatte das Ein-China-Prinzip weitgehend durchgesetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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