Krieg

Ukraine: Sind Putins Hyperschallwaffen ein Game-Changer?

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Miguel Sanches
FUNKE-Reportage aus Ukraine: Bachmut in Trümmern

FUNKE-Reportage aus Ukraine: Bachmut in Trümmern

Bachmut ist eine Stadt in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine. FUNKE-Reporter Jan Jessen spricht mit Einwohnern vor Ort. Während er vor Ort ist, hört er immer wieder Artilleriegefechte.

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Kreml-Chef Putin prahlt mit seinen Hyperschallwaffen. Viele Experten fragen sich, ob die Technologie militärisch zum Game-Changer wird.

Berlin. Wenn er von Hyperschallwaffen redet, gerät Kremlchef Wladimir Putin ins Schwärmen. Zum einen stellen sie eine Bedrohung dar, zum anderen gilt Russland als Technologieführer. China verfügt ebenfalls über solche Superwaffen. Solche bahnbrechenden Raketen, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können, sind in den USA indes noch in der Testphase. Der Westen hinkt technologisch hinterher.

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Am Wochenende hat der russische Präsident der Marine eine neue Doktrin verpasst und versprochen, die Hyperschall-Seerakete "Zirkon" in den Dienst zu stellen. Die Ankündigung ist ein Propagandaerfolg.

Hyperschall-Raketen: So gefährlich sind Putins Superwaffen

Denn so lenkt Putin von Rückschlägen im Ukraine-Krieg ab. Gleichzeitig ist es eine Drohung an die Nato. Schon zu Beginn der Invasion der Ukraine will Putin solche Superwaffen eingesetzt haben, damals eine Kinschal-Rakete. Rein physikalisch sind Hyperschallraketen überaus beeindruckend:

  • Sie sind extrem schnell, bis zu zehn Mal schneller als der Schall.
  • Sie haben eine flache Flugbahn und können ihren Kurs selbst auch in der oberen Atmosphäre ändern.
  • Sie sind schwer zu orten, dem angegriffenen Staat bleibt wenig Reaktionszeit.
  • Sie haben eine beängstigendes Eskalationspotenzial. Es ist nicht erkennbar, ob sie mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstet sind, was potenziell zu fatalen Gegenreaktionen führen kann.

Als das "German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS) im November 2021 zur Fachtagung nach Hamburg einlud, sah man lauter dunkelblaue Luftwaffenuniformen. Vor allem eine Frage trieb die Militärs um: Ob die neue Technologie zum „Game-Changer“ wird.

Unbestritten ist, dass solche Raketen schnell fliegen. Der springende Punkt ist, ob sie auch präzise einsetzbar sind. Schon beim Einsatz der Kinschal-Rakete in der Ukraine äußerten westliche Experte Zweifel; ein von den Russen veröffentlichtes Video wies Ungereimtheiten auf.

Ukraine-Krieg: Kommt Putins Superwaffe zu spät?

Man unterscheidet zwischen ballistischen Flugkörpern, die schnell sind, aber auf einer berechenbaren Flugbahn bleiben, und lenkbaren Raketen, die freilich langsamer sind. Hyperschallraketen sind im Vergleich: Extrem schnell, extrem manövrierbar, extrem schwer zu orten.Und extrem gehypt?

Klar ist, dass sie aktuell den Kriegsverlauf kaum beeinflussen können. Klar ist aber auch, dass die Hyperschall-Technik als der größte Fortschritt der Raketentechnologie der letzte Jahre gilt. Sie hat definitiv das Potenzial, die globale strategische Stabilität zu verringern.

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Indes steckt der Teufel im Detail: Durch extreme Reibung und Temperaturen bei hohen Geschwindigkeiten entsteht eine Spur von ionisiertem Gas. Das kann Navigationssignale stören sowie die Präzision beeinträchtigen. Und so rätseln viele, ob Putins Superwaffe präzise und schwer zu orten ist oder nur eines zweifelsfrei verursacht: Unsicherheit.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de

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