Machtwechsel

Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz kämpfen um CDU-Vorsitz

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Minister Spahn und Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer wollen an die Spitze der CDU. Und noch einer hebt die Hand: Friedrich Merz.

Berlin.  Wann immer sein Name auftaucht, geht ein Raunen durch das politische Berlin. Jetzt aber scheint es Friedrich Merz ernst zu meinen. Der frühere Unionsfraktionschef will CDU-Vorsitzender werden, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Es wäre eine Pointe der CDU-Geschichte. Schließlich war es die Noch-Chefin der Christdemokraten, Angela Merkel, die Merz einst den Fraktionsvorsitz abnahm. Anfang Dezember will die CDU auf ihrem Parteitag in Hamburg entscheiden.

Doch nicht nur Merz – auch andere haben jetzt die Hand gehoben: Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet denkt über eine Kandidatur nach. Seine Entscheidung steht aber noch aus: Die CDU müsse die Lage zunächst analy­sieren. Abgewunken hat bereits sein schleswig-holsteinischer Kollege Daniel Günther. Wer hat welche Chancen auf den Parteivorsitz?

Merz könnte eine konservative Ära der CDU glaubhaft einläuten

Es war 2003, der Kapitalismus war noch nicht in der Krise. Und Friedrich Merz stand wie kaum ein anderer für einen wirtschaftsfreundlichen Liberalismus, gepaart mit Leitkultur-Konservatismus. Er war der Erste, der den umstrittenen Begriff in die Debatte einführte. Merz präsentierte damals sein Steuerkonzept. Dessen Eckpunkte mit drei Stufen sollten auf einem Bierdeckel erklärbar sein. Es kam anders. Die Steuer blieb kompliziert – und Merkel setzte sich durch.

Merz gab 2004 seinen Posten als stellvertretender Fraktionschef auf. 2009 verließ er enttäuscht die Politik. Der Ex-Richter und Vater von drei Kindern wechselte zu einer großen Anwaltskanzlei, saß im Beirat großer Konzerne, setzt sich für ein enges Bündnis mit den USA ein. Die NRW-Landesregierung berät der 62-Jährige zudem zu den Folgen des Brexit.

Und noch immer steht Merz für das, was ein wachsender Teil der Christdemokraten unter Merkel vermisst hat: ein scharfes Profil. Was spricht noch für Merz? Eine konservative Ära der CDU nach Merkel könnte er zumindest glaubhaft einläuten. Erste Merkel-Kritiker wie der Alt-CDUler Wolfgang Bosbach haben sich schon für Merz ausgesprochen. Auch der Rechtspopulist und AfD-Chef Alexander Gauland nennt Merz „einen klugen Mann“. Doch auch in der CDU äußert manch einer Kritik. „Es gehe nun nicht darum, wer als Erstes die Hand hebe“, sagte Hamburgs CDU-Chef Roland Heintze.

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als Favoritin

Als Favoritin auf die Merkel-Nachfolge gilt aber Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK genannt. Sie ist Merkels erste Wahl. 2017 gewann sie überraschend die Wahl im Saarland, zumal mit einem Ausnahme­ergebnis von mehr als 40 Prozent. Seitdem hat sie einen starken Rückhalt in der Union.

Auch unter vielen Abgeordneten im Bundestag genießt sie Respekt für ihre bisher kurze Arbeit als Generalsekretärin. Es gelingt ihr offenbar, die konservativen und linken Strömungen der Partei zu vereinen: Die 57-Jährige kritisiert die Homo-Ehe, fordert aber zugleich den Mindestlohn. Kramp-Karrenbauers Nähe zu Merkel ist ihre Stärke – gleichzeitig auch ihre größte Last.

Spahn polarisiert mit scharfen Äußerungen, fällt oft als Polterer auf

Kandidieren will auch Gesundheitsminister Jens Spahn. Er hat sich in der Flüchtlingspolitik klar gegen Merkels Kurs positioniert. Spahn polarisiert mit scharfen Äußerungen, fällt oft als Polterer auf. Manche in der Partei stört das, doch gerade den Konservativen gefällt Spahns Haltung. Doch er hat keinen Applaus in der internen Sitzung des CDU-Präsidiums für seine Kandidatur bekommen – anders als AKK. Zugleich hat Spahn eine bisher gute Bilanz im Gesundheitsministerium vorzuweisen, was sogar von der Opposition beachtet wird. Gute Regierungsarbeit – vielleicht ist das Spahns größtes Plus. Da Spahn und Merz aber ähnliche politische Ansichten haben, könnten sie sich gegenseitig Stimmen wegnehmen.

Als chancenlos gelten der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff, der am Montagabend bereits eine Urabstimmung forderte, und der Berliner Student Jan-Philipp Knoop. Beide hatten bereits vor Wochen angekündigt, auf dem Parteitag in Hamburg kandidieren zu wollen.