US-Politik

Dritte Frau belastet Trumps Richter-Kandidaten Kavanaugh

Anhörung Kavanaughs vor dem Justizausschuss.

Anhörung Kavanaughs vor dem Justizausschuss.

Foto: Jim Bourg / REUTERS

Am Donnerstag ist die Anhörung Brett Kavanaughs wegen sexueller Nötigung vor dem Justizausschuss. Noch hält Trump zu seinem Kandidaten.

New York/Washington.  Noch hält US-Präsident Donald Trump seinem Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh die Treue. Auf der anderen Seite will er eine Abkehr von dessen Nominierung am Freitag nicht mehr ausschließen. Mehrere Frauen hatten dem erzkonservativen Richter sexuelle Nötigung, in einem Fall versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Am Mittwoch erhob mit Julie Swetnick eine dritte Frau öffentlich Anschuldigungen gegen Kavanaugh.

Trump sagte, falls er Kavanaugh für schuldig halte, einen sexuellen Übergriff begangen zu haben, könne er seine Meinung zu der Nominierung ändern. Kavanaugh sei ein herausragender Mann mit großem Talent und großem Intellekt, betonte Trump. Mit Blick auf die Missbrauchsvorwürfe sagte er zugleich: „Ich könnte überzeugt werden.“

Die Anhörung von Kavanaugh vor dem Justizausschuss des US-Senats ist für den heutigen Donnerstag angesetzt. In dem Versuch, die Anschuldigungen als fälschlich zu enttarnen, legte Kavanaugh vor der Anhörung seinen Taschenkalender aus dem Jahr 1982 vor, in dem sich die Vorfälle ereignet haben sollen. Die Partys, um die es bei der Untersuchung geht, sind in seinem Kalender nicht aufgeführt.

Bei der Anhörung wird auch die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford aussagen, die Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vor rund 30 Jahren vorwirft. „Ich glaube, das wird ein sehr, sehr wichtiger Tag in der Geschichte unseres Landes“, sagte Trump dazu.

Kavanaughs Zeit an der Elite-Universität Yale

Er selbst sei in der Vergangenheit ebenfalls mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert gewesen, die sich alle als falsch herausgestellt hätten, behauptete der Präsident. Im Fall Kavanaugh wähnt Trump eine politische Kampagne der oppositionellen Demokraten. Er warf ihnen erneut vor, sie betrieben hier ein „betrügerisches Spiel“. Bei den anstehenden Kongresswahlen Anfang November werde sich das niederschlagen. Die Demokraten zerstörten Kavanaughs Ruf.

In den vergangenen Tagen hatte sich die liberale Presse der USA minutiös mit der Vergangenheit Kavanaughs beschäftigt. Demnach war Kavanaugh an der Elite-Universität Yale Mitglied in der für ihr sexistisches Verhalten bekannten Verbindung „Delta Kappa Epsilon“. Auch gehörte er einer geheimen Gesellschaft namens „Truth and Courage“ (deutsch: Wahrheit und Mut) an.

In Yale protestierten am 24. September Jura-Studierende gegen die Nominierung Kavanaughs. REUTERS

Sexuelle Übergriffe auf Verbindungspartys

Diese Zirkel gehör(t)en zur weißen, männlichen Elite der Universität, ihre Partys waren bekannt für sexuelle Übergriffe, die an betrunkenen, teils bewusstlosen, Frauen begangen worden sein sollen. So jedenfalls berichten es ehemalige Kommilitonen und Kommilitoninnen von Kavanaugh in amerikanischen Zeitungen. Seit Jahren gibt es immer wieder Fälle von Vergewaltigungen auf dem Campus von Universitäten und Colleges in den USA.

Gegen Trump waren seit dem Wahlkampf ähnliche Vorwürfe von mehr als einem Dutzend Frauen erhoben worden.

Trump und Kavanaugh sind miteinander gut bekannt

Trump und Kavanaugh, die sich seit langem kennen, hatte den Richter im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren die Vorwürfe Fords öffentlich geworden. Er habe sie Anfang der 80er Jahre am Rande einer Schülerparty versucht zu vergewaltigen. Kavanaugh weist den Vorwurf zurück – ebenso wie alle weiteren Anschuldigungen, die bisher auftauchten.

Eine frühere Kommilitonin an der Universität Yale, Deborah Ramirez, gibt an, Kavanaugh habe sie bei einer Studentenparty Anfang der 80er Jahre sexuell belästigt. Am Mittwoch ließ eine weitere Frau, Julie Swetnick, über ihren Anwalt eine Erklärung veröffentlichen, in der sie Kavanaugh vorwirft, er habe in den 80er Jahren bei diversen Partys in angetrunkenem Zustand junge Frauen sexuell belästigt. Er habe diese unter anderem begrapscht und anzügliche Kommentare gemacht.

Frauen mit gepanschten Getränken abgefüllt

Außerdem sei Kavanaugh an Versuchen beteiligt gewesen, Frauen mit gepanschten Drinks abzufüllen, um sie willenlos zu machen, teilte Swetnick mit. Diese Frauen seien danach in Nebenzimmern missbraucht worden. Sie selbst sei damals bei einer solchen Party Opfer einer Vergewaltigung geworden. Bei jener Party sei auch Kavanaugh anwesend gewesen. Welche Rolle Kavanaugh bei diesen Vorgängen genau gespielt haben soll, blieb in der Erklärung unklar.

Swetnicks Anwalt ist Michael Avenatti. Er vertritt auch die Porno-Darstellerin Stormy Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt und behauptet, 2006 mit Donald Trump eine Affäre gehabt zu haben. Clifford liefert sich heftige juristische Kämpfe mit dem Präsidenten in dieser Frage. Trump bestreitet Cliffords Darstellung. Er bezeichnete Avenatti am Mittwoch als „Abschaum“ und als „drittklassigen Anwalt“, der gut darin sei, falsche Anschuldigungen zu erheben.

Demokraten hoffen auf Verzögerung der Nominierung

Den Justizausschuss des US-Senats haben jedoch auch noch zwei weitere anonyme Anschuldigungen gegen Kavanaugh aus späteren Jahren erreicht. Das geht aus einem Dokument hervor, das das Gremium am Mittwoch veröffentlichte: Es handelt sich um die Mitschrift einer langen Telefon-Befragung, die Vertreter des Ausschusses vorab mit Kavanaugh gemacht hatten. Dabei befragten sie ihn zu allen bisher aufgetauchten Anschuldigungen – die er allesamt zurückwies.

Die Personalie ist Gegenstand einer erbitterten parteipolitischen Auseinandersetzung. Die Demokraten haben große Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, dessen Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte im obersten US-Gericht auf viele Jahre den Konservativen ein Übergewicht geben. Die Richter dort werden auf Lebenszeit ernannt. (dpa/aba)