Preisanstieg

Deutsche zahlen 2010 mehr für Energie

Die Deutschen geben acht Prozent des Nettoeinkommens für Energie aus. Die Kosten der Wirtschaft sind auf 97 Milliarden Euro gestiegen.

Berlin. Die Deutschen haben 2010 für Strom, Gas und Treibstoff mehr Geld ausgegeben als im vergangenen Jahr. Wie aus dem Jahresrückblick des Bundeswirtschaftsministeriums zum deutschen Energiemarkt hervorgeht, lag die Energiekostenbelastung der Verbraucher bei rund acht Prozent ihres Nettoeinkommens.

Die Berechnungen beziehen sich auf einen Vier-Personen-Haushalt mit gleichbleibendem Energieverbrauch, der für Dieselkraftstoff, Erdgas und Strom in diesem Jahr annähernd 4400 Euro ausgegeben hat - im Vergleich zu etwa 4250 Euro im Jahr 2009. Als Grund für die Kostensteigerung werden in der Studie, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt, steigende Strom- und Kraftstoffpreise genannt. Für die Mineralölprodukte Heizöl, Benzin und Diesel sei deutlich mehr verlangt worden als im Vorjahr, während die Strompreise leicht über dem Niveau von 2009 gelegen hätten. Beim Gas seien die Kosten für Haushaltskunden dagegen etwas gesunken.

Die Energieausgaben der deutschen Volkswirtschaft lagen nach Untersuchungen des Ministeriums von Rainer Brüderle (FDP) bei insgesamt 97 Milliarden Euro und damit um 15 Prozent über dem Wert des vergangenen Jahres. Dies sei auf die höheren Energiepreise und den um 4,1 Prozent gestiegenen Energieverbrauch zurückzuführen. Dieser wiederum habe seine Ursache in der kräftigen wirtschaftlichen Erholung und der kälteren Witterung. Der bisherige Höchstwert von 114 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 sei zwar deutlich unterschritten worden. Gleichwohl hätten sich die Energieausgaben in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt.

Brüderle wertet die Zahlen auch als Aufforderung zum Energiesparen. "Die langfristig steigenden Energiepreise müssen wir im Blick behalten", sagte er dem Abendblatt. "Durch sie setzt der Energiemarkt aber auch Anreize für mehr Effizienz - und das weltweit."

Aus dem Jahresbericht lässt sich auch ableiten, dass Deutschland noch weit von den Klimaschutz-Zielen entfernt ist, die die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept formuliert hat. So strebt Schwarz-Gelb an, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 18 Prozent zu erhöhen. In diesem Jahr habe er sich trotz einer spürbaren Steigerung erst auf 10,5 Prozent belaufen. Ferner soll der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. "Nach einer ersten Schätzung liegen die energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen 2010 um rund 23 Prozent unter dem Wert von 1990", räumt das Ministerium ein.

Der Energieverbrauch soll nach den Vorgaben des Regierungskonzepts bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 gesenkt werden. Das entspricht einem Rückgang von 14 216 auf 11 373 Petajoule. 2010 betrug der Energieverbrauch laut Ministeriumsbericht allerdings noch 14 012 Petajoule: eine Steigerung von 4,1 Prozent zum Vorjahr. Und auch die Energieeffizienz - das Verhältnis von Wirtschaftsleistung zum eingesetzten Energieverbrauch - habe sich gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert.

"In unserem Energiekonzept haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt. Um sie zu erreichen, liegt noch viel Arbeit vor uns", sagte Brüderle. Doch seien Erfolge erzielt worden in diesem Jahr. So habe sich Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen "rasant weiterentwickelt". Der Minister kündigte an: "Diesen Trend wollen wir fortführen, dabei künftig aber noch stärker auf die Effizienz der Förderung achten."

Sowohl die steigenden Energiepreise als auch die Bemühungen um mehr Effizienz treiben nach Ansicht des Mieterbundes die Wohnkosten weiter in die Höhe. "In angespannten Märkten können die Kosten um bis zu zwölf Prozent steigen", sagte der Präsident des Mieterbunds, Franz-Georg Rips. "Bei den Heizkosten ist kein Ende der Preisspirale in Sicht. Dem wird sich keiner entziehen können", prophezeite er. "Wer es warm in seiner Wohnung haben will, muss immer tiefer in die Tasche greifen." Auch energetische Gebäudesanierungen dürften in vielen Fällen ein Grund für höhere Jahresmieten sein, sagte der Vertreter der Mieterlobby. Das Gesetz erlaubt es Vermietern, elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umzulegen. Bei Gesamtkosten von beispielsweise 20 000 Euro wäre das ein monatlicher Aufschlag von 183 Euro. Er schlägt vor, die Kosten zwischen Mietern, Vermietern und Bund gleichermaßen aufzuteilen.

Der schwarz-gelben Koalition riet er zudem, die geplanten Änderungen für die Unterkunfts- und Heizkosten von Hartz-IV- Empfängern zu überdenken. Diese Kosten müssen nach seiner Ansicht weiter in tatsächlicher Höhe übernommen werden.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.