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Großer Vergleich: So günstig ist Ökostrom in Hamburg

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Ökostrom-Anbieter verzeichnen eine achtmal höhere Nachfrage. Viele Tarife sind günstiger als konventioneller Strom - hier die Tabelle.

Hamburg. Die Verbraucher machen Ernst. Sie wollen weg von konventionellen Stromtarifen, die einen Anteil von Kernenergie enthalten. Angesichts der Debatte über die Atomenergie in Deutschland ist die Nachfrage nach Ökostrom bei den Anbietern in den letzten Tagen geradezu explodiert. Wer seinen Stromanbieter jetzt wechseln will, möchte möglichst Grünen Strom beziehen. "Knapp 80 Prozent der Kunden, die unser Vergleichsportal im Internet nutzen, erkundigen sich nach Ökostromprodukten", sagt Jürgen Scheurer vom Verbraucherportal Verivox. Vor gut einem Jahr seien es nur 20 Prozent gewesen. Hamburger können unter 80 Ökostromtarifen wählen.

Hier geht's zur Tarif-Tabelle für die Region Hamburg

Die Verbraucher informieren sich jedoch nicht nur, sondern steigen wirklich auch um. "Die Leute machen sich jetzt in größerem Umfang Gedanken, wo der Strom herkommt", sagt Carsten Roth von Hamburg Energie. Das Unternehmen bietet nur Ökostromtarife an. "Die Zahl der Abschlüsse ist in den letzten Tagen um das Zwei- bis Dreifache gestiegen", sagt er. Das bestätigen auch andere Anbieter. "Über alle Vertriebskanäle verkaufen wir dreimal so viel Verträge wie vor den Medienberichten über Japan", sagt Ralph Kampwirth von Lichtblick. Greenpeace Energy verzeichnet nach eigener Aussage achtmal so viele Neukunden pro Tag wie sonst. Der Preis, den Verbraucher beim Strom in der Vergangenheit oft beklagt haben, scheint jetzt keine Rolle mehr zu spielen. Denn immerhin gehört Greenpeace zu den teuersten Anbietern. Bei Tchibo haben sich die Abschlusszahlen beim Grünen Strom vervierfacht. Das Unternehmen bietet seit einem halben Jahr Ökostrom aus Wasserkraft an.

Die starke Nachfrage trifft auf ein großes Angebot. "Es besteht keine Gefahr, dass Ökostrom knapp wird", sagt Kampwirth. "Auch unsere Strukturen sind darauf ausgerichtet, zwei Millionen Kunden zu bedienen. Zurzeit hat das Hamburger Unternehmen Lichtblick rund 510.000 Privat- und Firmenkunden.

Der Bezug von Ökostrom muss die Haushaltskasse nicht zusätzlich belasten. So sind viele Öko-Tarife günstiger oder kaum teurer als der konventionelle Tarif von Vattenfall, der nur zu einem Viertel regenerative Energie enthält. In dem Preisvergleich wurde der Bonus für Neukunden nicht mit einberechnet, denn er verbilligt den Strombezug nur im ersten Jahr. Wer an der Herkunft des Stroms interessiert ist, wird auch seinen Anbieter aus Preisgründen kaum jedes Jahr wechseln wollen, um neue Boni zu kassieren.

Damit wurden Anbieter wie Super Energie, Priostrom oder Hitstrom vom Preisvergleich ausgeklammert, da sie vorwiegend durch hohe Boni punkten. Außerdem sind solche Sonderzahlungen bei den reinen Ökostromanbietern ohnehin geringer ausgeprägt als bei den konventionellen Tarifen. In der Tabelle wird der Preis ausgewiesen, der auch im zweiten Jahr zu zahlen wäre, sofern der Strompreis stabil bleibt.

Noch gibt es keine verbindlichen Kriterien für Ökostromprodukte. "Der Strom kann auch aus alten Wasserkraftwerken kommen", sagt Scheurer. Doch Verbraucher wollen häufig, dass sie mit dem Bezug von Grünem Strom einen Beitrag zum weiteren Ausbau der alternativen Energieversorgung leisten. "Es gibt leider keine verbindlichen Kriterien für Ökostromprodukte", sagt Errit Schlossberger, Geschäftsführer des Verbraucherportals FinanceScout24. Gütesiegel sind eine Möglichkeit, die Qualität des Ökostroms zu beurteilen. Solche Gütesiegel sind an zwei Voraussetzungen gebunden. Die Gewinnung des Stroms muss aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Wasserkraft oder Sonnenenergie stammen oder durch Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen werden. Außerdem muss für ein Gütesiegel ein bestimmter Anteil der Einnahmen in die Förderung neuer Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung investiert werden.

Auch nach dem Wechsel kommt der Strom vom örtlichen Versorger. "Der neue Anbieter leitete seine Energie in das allgemeine Netz ein", sagt Scheurer. Je mehr Verbraucher sich für Ökostrom entscheiden, desto mehr davon kann eingespeist werden. Die Folge: Der Anteil von Kohle- und Atomstrom sinkt.