Affäre um Doktorarbeit

Dr. Guttenberg verzichtet, doch die Uni untersucht den Fall

Die akademischen Würden sind futsch, die Popularität bleibt, wie eine Umfrage zeigt. Die Affäre um Guttenbergs Doktorarbeit geht aber weiter.

Kelkheim/Hamburg. Es ist ein einmaliger Vorgang in der Bundespolitik und wohl auch einzigartig im deutschen Wissenschaftsbetrieb: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) legt nach Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen seinen Doktortitel nieder. Die Affäre um „GuttenPlag“, den „Plagiator“ oder auch „Copygate“ ist damit keineswegs beendet. Denn so wie eine Universität den akademischen Grad eines Dr. verleiht, so kann auch nur sie ihn wieder entziehen. Guttenberg leitete also der Universität Bayreuth einen Brief zu, in dem er um die Rücknahme des Titels bat, wie ein Uni-Sprecher bestätigte. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Kelkheim in Hessen gestand Guttenberg außerdem „gravierende Fehler“ beim Verfassen der Arbeit ein. Der Sprecher der Universität Bayreuth, Frank Schmälzle, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Guttenberg habe zur Begründung für seine Bitte um Aberkennung des Titels ausgeführt, er habe bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation „gravierende handwerkliche Fehler festgestellt“. Diese seien „nicht mit wissenschaftlichem Arbeiten zu vereinbaren“.

Laut Schmälzle wird sich die Promotionskommission der Uni noch am Dienstag mit Guttenbergs Bitte befassen und die nötigen Schritte für die Aberkennung des Titels einleiten. Doch nach wie vor sei nach der Promotionsordnung ein ordentliches Verfahren nötig. Daran ändere auch die Bitte Guttenbergs nicht. „Mit dem Statement des Ministers ist es aber einfacher geworden.“

Eine Entscheidung sei am Dienstag nicht zu erwarten. Auch müsse noch die ebenfalls mit dem Fall befasste Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft über Guttenbergs Arbeit beraten. Die Universität kündigte für diesen Dienstag eine Pressekonferenz an.

Für Guttenberg war der Schritt notwendig. Denn schon am Mittwoch wollte sich der Bundestag in einer Aktuellen Stunde mit den Plagiatsvorwürfen befassen. Schließlich soll sich der Minister nach neuesten Berichten sogar zweimal beim Wissenschaftlichen Dienst bedient haben, ohne die Zuarbeit korrekt zu zitieren.

Bei seinem Auftritt mit Ex-Ministerpräsident Roland Koch und dem amtierenden Regierungschef Volker Bouffier sagte Guttenberg, er habe „sechs, sieben Jahre“ an der Dissertation geschrieben. „Möglicherweise habe ich an der ein oder anderen Stelle den Überblick über die Quellen verloren.“ Er wolle sich aber bei denjenigen entschuldigen, die er mit Blick auf die Bearbeitung der Doktorarbeit verletzt habe, sagte Guttenberg. Seine Entscheidung, den Titel nicht mehr zu führen, „schmerzt“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ mitteilen, sie haben Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt. „Mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt.“ Die CSU stellte sich noch am Abend hinter Guttenberg. „Karl-Theodor zu Guttenberg braucht keinen Doktortitel, um sein Amt auszuüben“, sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nach Angaben seines Sprechers in Berlin. Billige Polemik und Hetze seien das Geschäft der Opposition. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sagte im Hamburger Abendblatt, dass „Karl-Theodor zu Guttenberg die Sache in geeigneter Weise gelöst hat“.

Trotz der Plagiatsvorwürfe sind die meisten Bürger einer ARD-Umfrage zufolge mit dem Minister zufrieden. So seien 73 Prozent der Befragten mit der politischen Arbeit Guttenbergs zufrieden und nur 21 Prozent unzufrieden, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap im Auftrag des ARD-Politmagazins „Report“ München. Die Zustimmung geht über die Parteigrenzen hinweg: 89 Prozent der Unions-Anhänger, aber auch 71 Prozent der SPD- und 61 Prozent der Grünen-Anhänger seien mit der Arbeit zufrieden. Für die Erhebung wurden 500 Personen befragt.

Mit Material von dpa und AFP