In der einer Forsa-Umfrage kommen SPD und Grüne zusammen auf 47 Prozent, CDU und FDP erreichen gemeinsam 43 Prozent.

Düsseldorf. Im Endspurt des nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampfs steigt die Spannung. Erstmals liegt Rot-Grün in einer Meinungsumfrage mit vier Punkten Abstand deutlich vor Schwarz- Gelb. In der am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage für das Nachrichtenportal „stern.de“ kommen SPD und Grüne zusammen auf 47 Prozent, CDU und FDP erreichen gemeinsam 43 Prozent.

Allerdings hätten derzeit weder die CDU/FDP-Koalition noch ein rot-grünes Bündnis eine Regierungsmehrheit. Auch für Schwarz-Grün würde es nicht reichen. Die Linke kann laut Umfrage mit dem Einzug in den Landtag rechnen. Eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der FDP, die der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag) vorlag, sieht Rot-Grün und Schwarz-Gelb mit jeweils 45 Prozent gleichauf.

Aufregung im Wahlkampf gab es am Mittwochabend bei einem Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Wuppertal. Die befürchtete Attacke auf die Regierungschefin von einem Fenster aus entpuppte sich jedoch als harmloses Spiel mit einer Erbsenpistole. Einen politischen Hintergrund hatte das Verhalten der 18-Jährigen, die mit ihrer kleinen Nichte in der Nähe der Kundgebung an einem Fenster Räuber- und-Gendarm gespielt hatte, den Ermittlungen zufolge nicht. Die Polizei sprach von „leichtfertigem Zuschauerverhalten“.

Drei Tage vor der Wahl gingen sowohl SPD und Linke als auch CDU und Grüne auf Distanz zueinander. Die Linkspartei glaubt nicht mehr an eine rot-rot-grüne Regierungskoalition. Hindernisse für ein solches Bündnis seien inhaltliche Differenzen und zunehmende Attacken von SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft, kritisierte der NRW- Vorsitzende der Linkspartei, Wolfgang Zimmermann in Düsseldorf.

Kraft warb für eine hohe Wahlbeteiligung, damit die Linke nicht in den Landtag einziehen könne. „Wir wollen nicht mit den Linken“, bekräftigte sie im Interview mit dem Fernsehsender N24. Gleichzeitig betonten Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Grünen- Landesparteichef Arndt Klocke, dass sie Schwarz-Grün nicht wollten.

Laut Forsa-Umfrage wollen für CDU und SPD jeweils 37 Prozent der Wähler stimmen. Für die Grünen sprachen sich 10 Prozent der Befragten aus, für die FDP 6 Prozent. Die Linkspartei erhielt 5 Prozent.

In den meisten Umfragen lagen Rot-Grün und Schwarz-Gelb in den vergangenen Wochen Kopf an Kopf. Auch die aktuelle Umfrage von TNS Emnid sieht ein Patt. Demnach kommt die CDU auf 37 Prozent der Stimmen, die SPD auf 33 Prozent, die Grünen auf 12 Prozent, die FDP auf 8 Prozent und die Linke auf 5 Prozent.

Unterdessen ging die SPD nach Berichten über eine angebliche Wahlkampfspendenaffäre in ihrem Bochumer Unterbezirk in die Offensive. Der Schatzmeister der NRW-SPD, Norbert Römer, legte in Düsseldorf Rechenschaftsberichte aus den Jahren 2004 bis 2009 vor, um die Vorwürfe zu widerlegen. Demnach hat der Unterbezirk in jenen Jahren insgesamt rund 43000 Euro an Spendengeldern über eine Wählerinitiative eingenommen. Die Bundestagsverwaltung klärt nach Auskunft einer Sprecherin, ob die Spenden korrekt verbucht worden sind. Dazu gehört auch die Frage, ob die von der Wählerinitiative eingeworbenen Gelder überhaupt in den Rechenschaftsbericht der Partei hineingehört hätten. Die Parteien erhalten für jeden Spenden-Euro 38 Cent Steuergelder aus der staatlichen Parteienfinanzierung.

Die CDU wirft der SPD vor, zu Unrecht Staatszuschüsse kassiert zu haben. Römer forderte die NRW-CDU auf, nun ihrerseits „die Karten auf den Tisch zu legen“. Die Bundestagsverwaltung beschäftigt sich derzeit auch mit der CDU-Initiative „Wähler für den Wechsel“. Sie hatte im Wahlkampf 2005 den damaligen Oppositionsführer Jürgen Rüttgers (CDU) unterstützt. Die Spenden, die sie eingeworben hatte, tauchen aber nicht im Rechenschaftsbericht der CDU auf. Ministerpräsident Rüttgers sagte im ZDF-„Morgenmagazin“ mit Blick auf die Finanzaffären seiner Partei: „Die Sachen sind überprüft worden, sowohl von der Staatsanwaltschaft wie vom Bundestagspräsidenten. Ergebnis: Es ist nichts übriggeblieben.“ Römer warf dem CDU-Landesvorsitzenden vor, dem noch laufenden Verfahren vorzugreifen.

Am Freitag ziehen die großen Parteien mit ihren offiziellen Abschlusskundgebungen ins Wahlkampffinale. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Düsseldorf erwartet, SPD-Bundesparteichef Sigmar Gabriel in Mülheim.