Literatur-Podcast

Olive Kitteridge, Ufos in der Wüste und Fußball-Blödheit

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Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz besprechen im Literatur-Podcast Next Book Please aktuelle Bestseller.

Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz besprechen im Literatur-Podcast Next Book Please aktuelle Bestseller.

Foto: HA

Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.

Hamburg. Man kann auf ganz verschiedene Weisen von Amerika erzählen. Unter den neuen Büchern gibt es diesbezüglich zwei beredte Beispiele: Zum einen Elizabeth Strouts „Die langen Abende“, eine Fortsetzung von „Mit Blick aufs Meer“, in dem Strout vor einigen Jahren ihre Heldin Olive Kitteridge einführte. Auch in „Die langen Abende“ entfaltet die amerikanische Autorin ein Kleinstadtpanorama mit skurrilen und, das kann man unverdrossen so sagen: authentischen Figuren. Olive ist mittlerweile über 70 und immer noch direkt in ihren Aussagen. Das macht sie zu einer unverkennbaren Figur der Gegenwartsliteratur, finden Rainer Moritz und Thomas Andre.

Zum anderen, um auf die unterschiedlichen Annäherungen an Amerika zurückzukommen, wäre da „Götter ohne Menschen“, Hari Kunzrus bereits 2011 im Original erschienener und jetzt endlich auf Deutsch vorliegender Wüsten-Roman. Er nimmt, anders als Strout, nicht einen kleinen Kosmos zum Ausgangspunkt seines Portraits, sondern einen mehrere Jahrhunderte umspannenden Erzählbogen, in dem die Glücksversprechen und Sinnsuchen eines Landes in grellen Farben abgebildet werden. Beinah die gesamte Handlung spielt in der Mojave-Wüste, und wir treffen dort auf autistische Kinder, Rockstars, Hedgefondsmanager, Indianer, Ethnologen, Hippies und Ufologen. Klingt reichlich verblasen, wird durch die avancierte Erzählkunst des Autors aber zu einem puren Lesevergnügen.

Beim letzten Titel in dieser Ausgabe von Next Book Please widmen sich die beiden Podcaster ihrer zweiten Passion - dem Fußball. Gegenstand des Gesprächs ist Daniel Cohn-Bendits Sachbuch „Unter den Stollen der Strand“, eine in weiten Teilen unterhaltsame und kluge, autobiografisch geprägte Fußballgeschichte, bei der sich aber insbesondere einer der beiden Kritiker an Cohn-Bendits sicherlich borniert zu nennende Haltung gegenüber dem deutschen Fußball stört. Da könnte jemand in seiner Fan-Seele getroffen sein…