Meinung
Zwischenruf

Vom Ende jeder Ordnung – wenn Kinder "umbauen"

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion

Foto: Michael Rauhe / HA

Eine Familie ist ein sensibles Gefüge, ein wenig erinnert sie an einen Turm aus Bauklötzen. Zieht man hier, fällt dort was runter, in einem Haushalt mit zwei kleinen Kindern ganz buchstäblich. Man kann gar nicht so schnell aufräumen, kehren, saugen, wie alles erdenklich Bewegliche dort landet, wo es nicht hingehört. Die Kleinen sind wie eine Naturgewalt – die interessiert’s am Ende auch nicht, was zu Bruch geht und die Versicherung sagt. Man könnte also ebenso gut für die Stadtreinigung arbeiten.

„Umbauen“ als Chiffre für die Chaostheorie

Jeder Tag ihres jungen Lebens beginnt und endet zudem mit einem Ritual, dem eine harmlos klingende Frage vorangeht: „Dürfen wir umbauen?“. Nur zu gern möchte man glauben, dass sich hier eine Begabung Bahn bricht. Umbauen bedeutet ja etwas Neues zu erschaffen, zu gestalten, anders zu denken.

Gehen hier also die großen Kreativen von morgen ans Werk? Die Architekten, Ingenieure, Steinmetze, die Künstler und Golem-Schöpfer? Schön wär’s. Tatsächlich folgen die Kinder einem „messie“-ani­schem Tatplan zur Auslöschung jedweder Form von Ordnung – „Umbauen“ als Chiffre für die Chaostheorie in ihrer praktischen Gestalt: Auf dem Boden werden Kissen, Bettdecken, Holzbänke verteilt, Hunderte Legosteine ausgekippt und das Frühstück in der gerade aus Decken gebauten Höhle drapiert.

Eltern zucken nervös mit Mundwinkeln

Während sich das Zimmer binnen fünf Minuten in ein Experimental-Labor verwandelt und etwas aus der Küche, was mal Obst war, sich als Biofilm auf die Holzdielen gelegt hat, umspielt ein nervöses Zucken die Mundwinkel der Eltern. Eins von der Sorte, das nur Soziopathen als Lächeln missdeuten würden. Einen Trumpf haben wir – eine Gegenfrage: „Räumt ihr dann auch bitte auf?!“