Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ... Vanessa Seifert?

Vanessa Seifert

Vanessa Seifert

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man in der Zeitung liest. Heute: Vanessa Seifert.

Ich bin Journalist geworden, weil...
... ich schon als kleines Mädchen Karla Kolumna besser fand als Benjamin Blümchen. Im Ernst: Ich finde, Journalist ist einer der spannendsten Berufe überhaupt.


Ich wollte immer zum Hamburger Abendblatt, weil:
Wollte ich gar nicht unbedingt. Ich habe auch sehr gern für die „Rheinische Post“ geschrieben, mit Freude die Klatschspalte für die „Bild“ in Köln gefüllt, bei CNN Deutschland das Wetter gemacht und in der Berliner Politikredaktion der dpa hospitiert. Beim Hamburger Abendblatt habe ich dann volontiert – und durfte als Redakteurin bleiben, worüber ich bis heute sehr glücklich bin.


Ein Text über mich sollte mit folgendem Satz beginnen:
Sie ist eine rheinische Frohnatur, die hanseatische Tugenden schätzt.

Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:
Alster, Elbe, Franzbrötchen.

Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:
Mieten, Baustellen, Wetter (den Sommer 2018 mal ausgenommen).


Demnächst würde ich gern mal ein Interview führen mit:
Papst Franziskus. Donald Trump. Oder Sergei Polunin, dem derzeit wohl weltbesten Tänzer und „Bad Boy of Ballet“.


Das wären meine wichtigsten Fragen:
Letzteren würde ich fragen, wie gerade er als Ukrainer dazu kommt, Putin zu verehren und öffentlich zu preisen. Und ob er keine Angst davor hat, dass ihn die großen Opernhäuser dieser Welt – wie aktuell Paris – trotz seiner Jahrhundertbegabung deshalb ausladen.


Der interessanteste Interviewpartner, den ich bisher hatte:
Immer der letzte. Haspa-Banker Lars Krause, der 2017, am Tag seines 45. Geburtstags, bei einem bewaffneten Überfall lebensgefährlich verletzt wurde, hat mich mit seiner Gelassenheit und Angstfreiheit sehr beeindruckt.

An diese Geschichte von mir denke ich gern zurück:
An ein Porträt über Esther Bejarano unter dem Titel „Musik gegen den Tod“. Sie hat Auschwitz nur überlebt, weil sie sich für das Mädchenorchester gemeldet hatte. Heute, mit weit über 90 Jahren, steht sie immer noch auf der Bühne und kämpft gegen rechts. Eine starke Hamburgerin mit Mut und Haltung.

Das spannendste Ereignis, bei dem ich als Journalist dabei sein durfte:
Der Kirchentag 2013, zu dem ich mit meinen Kollegen Hanna-Lotte Mikuteit, Marlies Fischer und Edgar S. Hasse eine Beilage gestalten durfte. Die Stimmung in Hamburg war sehr offen und inspirierend.

Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es um:
Meine Glosse am Fuß der Titelseite über die Schließung des Currywurst Museums in Berlin. Meiner Pointe, dass die Currywurst überall in Hamburg besser schmecke als in der Hauptstadt, stimmte ein Leser (offensichtlich ein Berliner) nicht ganz zu. Er hat mich daher eingeladen, bei meinem nächsten Berlin-Besuch mit ihm am Ku’damm eine Currywurst zu essen.


Im Hamburger Abendblatt lese ich am liebsten:
Die Glosse auf Seite 1, intern „Fußkasten“ genannt. Die klugen Kommentare auf Seite 2, den Hamburg-Teil, die Kultur – und da JEDE Konzertbesprechung von Joachim Mischke –, die Rathauswoche und dann montags immer diese komische Kolumne „Wer ist eigentlich ...?“


Wenn ich Chefredakteur des Hamburger Abendblatts wäre, würde ich:
Utopisch. Das wäre ich ja nie. Höchstens ChefredakteurIN. Aber das strebe ich gar nicht an.

Neben dem Hamburger Abendblatt lese ich zum Beispiel folgende Zeitungen/Zeitschriften:
Immer „Bild“, meistens „Welt“, oft „Die Zeit“. Außerdem „Eltern Family“ und leidenschaftlich gern – nicht nur beim Friseur oder im Wartezimmer – „Bunte“ und „Gala“.


Im Moment lese ich folgendes Buch:
„Serotonin“ von Michel Houellebecq und Wolf Biermanns wunderbare Autobiografie „Warte nicht auf bessere Zeiten“.


Meine Lieblingsplätze in Hamburg sind: Niendorfer Gehege, Hagenbecks Tierpark, Hamburgische Staatsoper und Elbphilharmonie.

Vita: Vanessa Seifert wurde in Bonn geboren, wuchs im Rheinland auf. Sie studierte Journalistik und Amerikanistik an der Universität Leipzig und in den USA. Seit elf Jahren ist sie Redakteurin beim Hamburger Abendblatt im Ressort Hamburg. Sie lebt mit ihrer Familie in Lokstedt.