Berlin. Die Ukraine fordert umstrittene Munition. Wird Deutschland liefern? Der Verteidigungsminister äußert sich bei “Lanz“ klipp und klar.

"Was wäre, wenn" scheint an diesem Abend das Lieblingsspiel von Markus Lanz zu sein, so viele hypothetische Fragen stellt der Moderator dem neuen Verteidigungsminister Boris Pistorius.

Doch Pistorius lässt sich davon weder in die Enge noch zu irgendwelchen unbedachten Aussagen drängen. Stattdessen lässt der Politiker Lanz mit einem "netter Versuch" auflaufen. Er persönlich halte einfach nicht viel davon, ein Kriegsgeschehen in einer Debatte hypothetisch eskalieren zu lassen.

Außerdem, findet der Minister, sollte es im Moment wirklich nicht darum gehen, was in drei Monaten auf dem Schlachtfeld passiere. "Es muss jetzt darum gehen, die Ukraine zu unterstützen mit allem, was nötig, möglich und vertretbar ist, um deutlich zu machen: Russland, Putin darf mit diesem Krieg nicht durchkommen."

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Boris Pistorius, Verteidigungsminister

"Markus Lanz": Pistorius äußert sich zu Aussagen von Sahra Wagenknecht

Generell bleibt Pistorius, der laut Umfragen derzeit der beliebteste Politiker Deutschlands ist, klar und sachlich. Nur bei einer Sache kommt er ein wenig in Rage: Der gestrige Auftritt von Sahra Wagenknecht bei Markus Lanz. Die Linken-Politikerin hatte in der Sendung ihr "Manifest für den Frieden" verteidigt. Natürlich würde auch er gerne etwas anderes tun, als Waffen in einen Krieg zu liefern, betont Pistorius.

Doch was wäre die Alternative? Die Ukraine sich selbst überlassen? "Und Putin bekommt das Signal auf den Westen ist kein Verlass." Für den Verteidigungsminister scheint klar, dass auch diese "Lösung" keinen langfristigen Frieden schaffen würde, sondern weitere Länder wie Moldawien oder Polen auf Putins Agenda setzen würde.

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Und überhaupt: Was wäre das für ein Zeichen an anderen Autokraten auf der Welt? Nur weil wir uns bei dem Gedanken, Waffen zu liefern, unwohl fühlen, könne man ein Land, das angegriffen werde, nicht im Stich lassen. "Dann trifft es die Nächsten und dann sind wir alle gemeinsam in der Enge". Auch deswegen sieht Pistorius in dem überraschenden Besuch von US-Präsident Joe Biden in Kiew eine "großartige, wichtige Geste". Es war das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident in ein kriegsführendes Land fährt, in dem keine US-Truppen stationiert sind.

Boris Pistorius: Klares "Nein" zur Forderung nach Phosphor- und Streubomben

Bei einem Waffen-Thema zieht der Verteidigungsminister allerdings eine ganz klare Linie. Es geht um die neueste Forderung der Ukraine nach Phosphor- und Streubomben, die der ukrainische Vizeregierungschef Olexander Kubrakow auf der Münchener Sicherheitskonferenz gestellt hatte. "Derartige Waffen setzten wir nicht ein", betont Pistorius.

"Wir produzieren sie nicht mehr", erklärt Pistorius klar. "Wir halten sie nicht mehr vor, und wir haben versprochen, vertraglich unterzeichnet, dass wir sie nicht mehr einsetzen." 2010 unterschrieb Deutschland mit mehr als 100 anderen Ländern das Oslo-Übereinkommen, das den Einsatz von Streubomben verbietet. Weder Russland noch die Ukraine gehören zu den Unterzeichnern.

Klare Kante zeigt Pistorius auf bei der Lieferung von Kampfjets. Allerdings könne sich Deutschland bei diesem Thema auch ein bisschen zurücklehnen. "Weil es um Jets geht, die wir gar nicht haben." Die deutschen Flugzeuge passen schlichtweg nicht zum ukrainischen System. Sollten sich allerdings andere Nationen mit den entsprechenden Kampfjets entscheiden, die Ukraine damit zu unterstützen, erklärt Pistorius, "dann haben wir das mitzutragen".

Boris Pistorius bei "Markus Lanz": Abschaffung der Wehrpflicht sei ein klarer "Fehler" gewesen

Gegen Ende der Sendung richtet Markus Lanz das Scheinwerferlicht noch auf die Sicherheit in Deutschland. Könnten wir uns verteidigen, wenn wir müssten? Anstatt große Reden über die Bundeswehr zu schwingen, erklärt Pistorius mit entwaffnender Ehrlichkeit, dass er sich "gerade einen Überblick" verschaffe.

Für ihn sei die Abschaffung der Wehrpflicht allerdings ein klarer "Fehler" gewesen. Sie jetzt "mit einem Fingerschnippen" wieder einzuführen, wäre allerdings gleichzeitig "naiv" und für den Bund finanziell nicht tragbar. "Wir haben die Kasernen nicht mehr, haben die Ausbildungststätten nicht mehr. Wir müssten wahnsinnig viel Zeit und Geld in den erneuten Aufbau investieren." Angesichts der sich verändernden Welt sei es allerdings eine Diskussion wert, ob es Sinn mache, sie wieder einzuführen und unter welchen Bedingungen.

Markus Lanz: So liefen die letzten Sendungen

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