Scooter

Ein Konzert wie ganz wild (Auto-)Scooter fahren

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Birgit Reuther

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Zwischen Gaga und Größenwahn: Die Hamburger Band Scooter gab am Freitag in Hamburg ein umjubeltes Konzert.

Hamburg. "Bier? Bier?", fragt der Mann des mobilen Getränke-Service, der den Hopfensaft im Rucksack huckepack trägt, entlang der langen Schlangen vor den Eingängen zur Color Line Arena. "Nee, zu teuer!", ruft eine Frau. "Haste keine Kurzen oder sowas?" Gelächter. Einige Meter weiter bricht ein Chor los, der Techno-Beats imitiert. "Dödödö dödödödödö." Auwärmprogramm vor dem Scooter-Konzert.

Etwa 12.000 Fans kamen am Freitag zu dem größten eigenen Konzert, das die Hamburger Techno-Ballermänner bisher in Deutschland gespielt haben. Nach dem Tourstart in Köln war die Hansestadt die zweite Station des Trios um Frontmann H.P. Baxxter. Und frei nach dem sinnfreien wie superlativen Motto "Under the radar over the top" bot die Formation, die bereits 25 Millionen verkaufte Tonträger vorzuweisen hat, knapp zwei Stunden eine Show zwischen Gaga und Größenwahn.

Mit einem lauten Knall, der akustisch durch alle Eingeweide schoss, begann das neuzeitliche Spektakel. Leuchtraketen zischten quer über die Köpfe der Fans. Und zu Orgelklängen zog H.P. Baxxter ein, flankiert von Flammenfontänen, um seine elektronische Messe zu zelebrieren. Immer wieder streckte er seine Arme theatral und mit ernstem Blick Richtung Hallendecke und erschien dabei auf den Großleinwänden wie ein solarium-gebräunter Messias. Seine Aufforderung "Raise your hands up to the moon" jedenfalls beherzigten seine Anhänger bis zum Schluss.

Entsprechend der aufgekratzten Stimmung hatte sich so mancher Fan kostümiert. Shirts waren teils schlicht mit Filzstift bemalt, teils aufwendig mit blinkenden Displays versehen. Als Krokodile oder Ärzte verkleidet, mit Gasmasken und Neonwesten ausgerüstet feierten sie zu älteren Hits wie "One (always hardcore)" und neuen wie der Single-Auskopplung "Ti sento".

Immer wieder wurden die bass-wummernden Nummern von Tänzern aufgepeppt, die Scooter aus Neuseeland, den Niederlanden und Russland rekrutiert hat. Zum neuen Song "The sound above my hair" etwa rotierten zwei Ladys in silbernen Korsage-Kleidern mit Strapsen und glitzernden Highheels. Beeindruckender und zugleich entspannter wirkten jedoch die Jump-Style-Artisten, die diesen hüpfenden Tanzstil zu Songs wie "Jumping all over the world" federleicht auf die Bühne brachten. Ornamente flackerten zudem über zahlreiche Bildschirme und zwei große Projektionskugeln. Ein optisches und akustisches Dauerfeuer.

Die Hochgeschwindigkeitsmusiker präsentierten aber mit "Stuck on replay" nicht nur den offiziellen Song der Eishockey-WM. Mit "Where the beats" brüllte Baxxter in seiner unnachahmlichen Shouter-Manier auch eine dreist geklaute U2-Variante ins Mikro. Die Ballade "Second Skin", in der sich Baxxter nur halb geglückt im tatsächlichen Singen versuchte, ließ das Publikum eher verstört zurück. Da ist es die Menge schon eher gewohnt, mit ihrem Idol in einer Art Lautsprache zu kommunizieren. Baxxter macht nur wenige Ansagen. Meist schreit er ein "aiaiai", "yeaaah" oder "jigga jigga", dass die Masse dann imitiert. Das ist nicht nur die absolute Globalisierung, sondern Dada pur.

Spätestens bei den Zugaben hatten sich einige Tanzwütigen in den ersten Reihen ihre Shirts vom Leib gerissen und lagen sich zu "How much is the fish", "Maria (I like it loud)" und schließlich dem Anfangs- und Überhit der Band, "Hyper Hyper", verschwitzt in den Armen. Ein Konzert wie ganz wild (Auto-)Scooter fahren.