Schauspielhaus

Karin Beier will weg, der Dom bleibt in Köln

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Die parteiübergreifende Wunschkandidatin für die Schauspielhaus-Intendanz ist nun in einer guten Verhandlungsposition.

Hamburg. Zu ihrem Glück fehlt Karin Beier jetzt nur noch ein Sechser mit Zusatzzahl im Lotto: Die Leiterin des Kölner Schauspiels soll ab 2013 neue Chefin des Hamburger Schauspielhauses werden. Schon vor der Vertragsunterzeichnung - irgendwann nach der Bürgerschaftswahl - wurde sie mit einer riesengroßen Koalition der Zustimmung kulturpolitisch begrüßt. Der Aufsichtsrat will Beier, beschloss er einstimmig am Mittwoch. Sie will die Intendanz dort auch, verkündete sie danach. Das größte deutsche Sprechtheater bekäme damit eine clevere, alles andere als handzahme Leiterin, die einen enormen Lauf bei Kritik und Publikum hat. 2010 war sie mit drei Kölner Produktionen zum Berliner Theatertreffen eingeladen, 2011 ist sie zweimal dabei.

Hamburg ist alternativlos auf Beier-Kurs. Sowohl Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) als auch SPD-Kandidat Olaf Scholz erklärten gestern beim großen Wahlkampf-Finale auf Einladung des Abendblatts, dass der Kulturetat wegen Beiers Engagement eher steigen werde. All das bringt sie in eine Verhandlungsposition über Ausstattung und finanzielle Planungssicherheit, wie sie komfortabler kaum sein könnte. Nach Abendblattinformationen hat sie so höhere Subventionen für das Theater durchgesetzt. Und zwar insgesamt 2,5 Millionen Euro. Der Zuschuss der Stadt für das Schauspielhaus wird um 600 000 Euro erhöht, das Junge Schauspielhaus bekommt zusätzlich eine Million Euro, und es gibt einen vollen Tarifausgleich. An der Kirchenallee ist die Vorfreude nach Friedrich Schirmers Handtuchwurf und vielen Querelen mit der Kulturbehörde groß: "Ich finde Karin Beier für das Schauspielhaus eine sehr gute Wahl", erklärte der Geschäftsführende Intendant Jack Kurfess. "So wie sie das Kölner Schauspiel in kurzer Zeit ganz nach vorne gebracht hat, bin ich sicher, dass sie auch dem Schauspielhaus guttun wird."

Verlierer auf ganzer Linie ist die Kölner Kulturpolitik. In einem Brief an ihre Mitarbeiter schrieb Beier dazu: "Leicht fällt es mir, den Ränkespielen einiger Herren in der Kölner Politik und Verwaltung den Rücken zu kehren. Da wurde mir mit der konsequenten Vermeidung von Kommunikation sehr großzügig der rote Teppich für einen Abgang ausgerollt. Als ,Belohnung' für die errungenen Trophäen ,Theater und Inszenierung des Jahres' den Zuschuss zu kürzen und das Kleine Haus infrage zu stellen, lässt nicht gerade einen ausgeprägten Stolz dieser Herren auf ihr Kölner Schauspiel erkennen."

Weiter heißt es: "Das Hamburger Schauspielhaus hatte unter den kulturpolitischen Irrungen der vorangegangenen Jahre in besonderer Weise gelitten, die finanzielle Situation drohte eine der wichtigsten deutschen Bühnen zu ersticken. Als ich der Hamburger Verwaltung und Politik in diesem Sinne eine Absage erteilen wollte, geschah etwas sehr Bemerkenswertes. Sie signalisierten, dass sie das Traditionshaus auch finanziell retten und mit mir im Gespräch bleiben wollten. Dieses Ziel verfolgt die Hamburger Politik seitdem in überparteilichem Konsens. Und mit der so eröffneten neuen finanziellen Perspektive wurde das Schauspielhaus für mich zum uneingeschränkt guten Angebot."