Hamburg

Senator macht Farmsen-Berne Hoffnung auf ein Kulturzentrum

Die denkmalgeschützte Schule Lienaustraße in Berne steht seit Herbst 2016 leer. Wenn die Finanzbehörde es zulässt, könnte sie jetzt wieder genutzt werden

Die denkmalgeschützte Schule Lienaustraße in Berne steht seit Herbst 2016 leer. Wenn die Finanzbehörde es zulässt, könnte sie jetzt wieder genutzt werden

Foto: Kultur- und Bildungszentrum Schule Berne i.G / Kubiz Schule Berne

Ein Verein will die stillgelegte Schule Berne zum kulturellen Mittelpunkt der Region machen. Wohnungsbau nebenan soll das finanzieren.

Hamburg. Die denkmalgeschützte Schule Berne steht seit zwei Jahren leer – und verkommt. Aus einer Initiative im Stadtteil heraus gründete sich der Verein „Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) Schule Berne e.V.“ und bemüht sich seit zwei Jahren um die Anhandgabe des Gebäudes in der Lienaustraße 32 – und kämpft mit den Mühlen von Verwaltung und Politik. Jetzt könnte der gordische Knoten durchschlagen werden.

Die Berner hoffen, die Schule vielleicht schon im Dezember für eine „Zwischennutzung“ anhand zu bekommen. „Wir könnten sofort loslegen“ sagt Matthias Windscheid vom Kubiz Berne. Interessenten für Veranstaltungen gebe es genug. „Und das denkmalgeschützte Gebäude braucht Nutzer, um den Verfall zu stoppen.“

Vorbild ist die Niendorfer Villa Mutzenbecher

Der Verein Kubiz will die 1929 von Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher erbaute Schule zum Stadtteilzentrum nach dem Muster der Niendorfer „Villa Mutzenbecher“ machen. Mit Kunst- und Bildungsangeboten, Gastronomie, Fahrradwerkstatt und Kita. Andreas Reichel und der Niendorfer Verein „Werte erleben e.V.“ retteten die Villa 2012 vor dem Abriss und konnten vor zwei Jahren mit der Renovierung beginnen – bei bereits laufendem Betrieb. Eine Erfolgsgeschichte. Kubiz Berne nutzt nun Reichels Erfahrung: Der Niendorfer ist längst Mitglied im Kubiz Berne und wesentlicher Impulsgeber für den Erhalt des Schulgebäudes im Stadtteil.

Die örtliche Politik in Berne und dem Bezirk Wandsbek unterstützen die Initiative, die auf breite Zustimmung der Nachbarn stößt. Die Behörden äußern sich noch zurückhaltend, aber der 2016 noch ins Auge gefasste Abriss des Klinker-Baus scheint vom Tisch zu sein. Die Finanzbehörde, Herrscherin über die Liegenschaften der Stadt, erklärte, sie habe die Stadtentwicklungsgesellschaft beauftragt, ein Konzept für die Nutzung der 2000 Quadratmeter großen Schule zu entwickeln und eine Ausschreibung im Frühjahr 2019 vorzubereiten. Dem Vernehmen nach sind nur noch 7000 der insgesamt 12.000 Quadratmeter Grundstücksfläche für Wohnungsbau vorgesehen.

Wohnungsbau nebenan könnte Kubiz finanzieren

Die Hoffnung der Berner: Der Wohnungsbau soll eine Anschubfinanzierung für das Kubiz abwerfen. Reichel schwebt außerdem Wohnungsbau nach dem Muster der Stadtgärten vor, mit Dach-, Terrassen- und Fassadenbegrünung. Er hofft, dass die Flächen im Erbbaurecht vergeben werden und so günstiger Wohnungsbau mit niedrigen Mieten um die 8 Euro kalt realisierbar wird.

Finanz- und Bezirkssenator Andreas Dressel (SPD) legt sich aber noch nicht fest: „Die Planungen für eine Nachnutzung des Geländes werden sorgfältig vorbereitet. Ich bin zuversichtlich, dass am Ende gute Lösungen stehen, die das Miteinander im Stadtteil bereichern werden. Ich habe in Berne zugesagt, dass wir auf Basis eines Prüfergebnisses auch den Stadtteil mit einbeziehen werden.“

Gespräche laufen bereits

Gemeint sind vor allem die örtliche Baugenossenschaft Gartenstadt Hamburg eG, der Verein Kubiz Berne, die Denkmalschützer, die örtliche Politik und der TuS Berne, der noch immer die Turnhalle nutzt und sie auch weiterhin braucht. Gespräche laufen bereits. Die Bausubstanz des Schulgebäudes gilt als gut. Aufwändig saniert werden müsste nur, wenn es weiter als Schule genutzt werden würde – wegen der hohen Sicherheitsstandards insbesondere für den Brandschutz.

Die Schließung der Schule wegen rückläufiger Schülerzahlen in Farmsen-Berne hatte massive und langanhaltender Proteste im Stadtteil ausgelöst. Aber selbst ein offener Brief der örtlichen SPD-Führung an den damaligen Bürgermeister Olaf Scholz half nichts. Es kam noch nicht einmal eine Antwort. Jetzt reagiert die Politik, namentlich die SPD, deutlich zugewandter. Im Mai 2019 wählen die Hamburger ihre Bezirksversammlungen neu.b