Harburg
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Nur Kultur kann die Dreifaltigkeitskirche noch retten

Foto: xl

Die Initiative Dreifalt muss ein Nutzungskonzept für das denkmalgeschütztes Kirchengebäude vorlegen. Sonst droht der Abriss.

Harburg.  Das hat die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit der Harburger Bezirksversammlung erschrocken: Die Nachnutzung der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße durch die Kulturinitiative Dreifalt ist der letzte Versuch einer Nachnutzung. Dies hatten Vertreter der Trinitatis-Gemeinde, zu der die Kirche gehört, zwar schon einmal gesagt, so richtig eingesunken war es allerdings wohl nicht.

Bis Ende Februar kann die Initiative in dem Gebäude verschiedene Möglichkeiten der kulturellen Nutzung ausprobieren. Dann soll sie ein Nutzungskonzept vorlegen, bei dem neben inhaltlichen Aspekten vor allem eines zählt: Geld. Die Rede ist von Kosten in Höhe von etwa 100.000 Euro im Jahr.

Die Gemeinde kann nicht zwei Kirchen unterhalten

Die Kirche möchte sich an der Überlassung des Gebäudes nicht bereichern, aber sie will auch nicht draufzahlen. „Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, zwei große Gebäude zu unterhalten“, sagt Pastorin Sabine Kaiser-Reis. Die Gemeinde nutzt die Johanniskirche an der Bremer Straße. Die Kirche an der Neuen Straße ist seither eine Belastung für die Kasse.

Ändert sich das nicht bald, will die Gemeinde das Gebäude abreißen lassen. Zwar steht das Ensemble aus modernistischem Nachkriegsneubau und Bombenruinen der alten Dreifaltigkeitskirche unter Denkmalschutz, aber für Kirchen gelten dabei andere Regeln, als für nichtsakrale Gebäude: Weist eine Gemeinde nach, dass ein Kirchengebäude nicht mehr für liturgische Zwecke genutzt werden kann, habe sie freie Hand, erklärte Andreas Harriefeld, Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises Hamburg-Ost, im Ausschuss. Dies sei zwar nicht beabsichtigt, müsse aber ins Auge gefasst werden, wenn das Projekt Dreifalt die Kosten nicht stemmen könne.

André Lenthe (Linke), der die Sitzung leitete, berichtet von erstaunten Gesichtern bei allen Fraktionen. „Es war wohl niemandem klar, dass dieses denkmalgeschützte Gebäude einfach so abgerissen werden könnte.“ Die 100.000 Euro ergeben sich aus Betriebskosten von etwa 30.000 Euro, Investitionsrücklagen von 57.000 Euro und der Grundstückspacht. „Die Pacht können wir noch nicht genau beziffern, weil dazu das Grundstück erst bewertet werden müsste“, sagt Kaiser-Reis.

Gerade hat das Bezirksamt der Bezirksversammlung den Haushaltsvorschlag für die Stadtteilkulturmittel im Jahr 2019 unterbreitet: Der Gesamtetat beträgt 286.000 Euro, davon 245.000 für den Betrieb der Stadtteilzentren Kulturwerkstatt Harburg, Alles wird schön und vom Kulturhaus Süderelbe. 100.000 Euro für ein weiteres Stadtteilkulturzentrum sind dort weder hinein- noch herauszuquetschen.

„Die Stadtteilkulturarbeit im Bezirk Harburg ist seit Jahren unterfinanziert“, sagt Lenthe, „andere Bezirke in Hamburg werden deutlich bevorzugt.“ Das sieht auch der CDU-Kulturpolitiker Ralf-Dieter Fischer so: „Sogar der Landesrechnungshof hat dieses Missverhältnis schon beanstandet.“

Die Initiative rechnet mit ausreichend Einnahmen

In der Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Harburger CDU zum Thema hatte die Kulturbehörde die Schieflage damit begründet, dass sie dort fördere, wo es Projekte gibt. „So wird die Ungleichverteilung zementiert“, meint Lenthe: „Bezirke, die mehr Stadtteilkultur aufbauen wollen, müssen in Vorleistung gehen, um eventuell später mehr Geld zu erhalten.“

Heiko Langanke, für die Initiative Südkultur am Projekt Dreifalt beteiligt, sieht jedoch eine Chance auf eine stärkere Förderung des Bezirks: „Man könnte von den Stadtentwicklungsmitteln in die Dreifalt investieren. Dann hat man bei der Kulturbehörde ein weiteres Stadtteilkulturzentrum vorzuweisen, das gefördert werden kann.“

Die jährliche Summe, die zur Diskussion steht, schreckt Langanke wenig. „Einer der größten Posten darin sind Energiekosten, und die lassen sich mit Umwelt-Förderprogrammen radikal senken. Das Gebäude bietet da viele Einsparmöglichkeiten. Und auch den Rest werden wir finanzieren können.“

Die Dreifalt soll, so denken es sich die Initiatoren, nicht ohne Einnahmen bleiben. Neben Events, die Eintritt oder Saalmiete generieren, ist auch die Untervermietung an kommerzielle Kulturbetriebe, wie Flamencoschulen oder Musiklehrer geplant. „In einem Mix aus verschiedenen Einnahmen und Förderungen lässt sich das Projekt bezahlen“, meint Langanke: „Ich habe dazu positive Signale aus Kulturbehörde und Denkmalschutzamt. Nur in Harburg denken Politiker und Verwaltung oft noch mit Scheuklappen.“

Das ändert nichts daran, dass die Initiative Ende Februar ein Konzept vorlegen muss. „Das muss noch nicht perfekt sein“, sagt Kaiser-Reis: „Aber es muss überzeugend darlegen, dass die Kosten aufgebracht werden können.“