Hamburg

UKE, Asklepios und Co. warnen vor dramatischer Lage

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Notaufnahme: Sind die Hamburger Krankenhäuser selbst ein Notfall? Die Finanzlage ist für Asklepios, UKE oder Marienkrankenhaus nach zwei Jahren Corona-Pandemie angespannt.

Notaufnahme: Sind die Hamburger Krankenhäuser selbst ein Notfall? Die Finanzlage ist für Asklepios, UKE oder Marienkrankenhaus nach zwei Jahren Corona-Pandemie angespannt.

Foto: Marcelo Hernandez

Corona sorgt für Millionen-Defizite auch bei Hamburger Kliniken. Um Forderungen zu untermauern, ziehen Experten drastische Vergleiche.

Hamburg. „Dramatisch“, „kurzfristig“, „schnell“ – das sind die Attribute, mit denen die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) auf die Lage der Kliniken der Stadt aufmerksam macht. Mehr als zwei Jahre Corona-Pandemie hätten alle Häuser sehr belastet. Beim Krankenhaustag ging der HKG-Vorsitzende Joachim Gemmel (Asklepios) mit klaren Worten auf die Lage ein. Die Krankenhäuser bräuchten schnell einen gesetzlichen Zuschlag zum Inflationsausgleich. Auch sie zahlten die aktuell weiter gestiegenen Preise für Lebensmittel, Medizinprodukte, Handwerker. Selbst jedoch könnten sie ihre „Preise“ nicht erhöhen. Die Operations- und Behandlungskosten sind fix und langfristig verhandelt worden.

Bei einigen Häusern, so ist zu hören, summieren sich die Defizite „schnell auf einen zweistelligen Millionenbetrag“. Vor Versorgungsengpässen zusätzlich zum Personalengpass in der Pflege und sogar bei der Besetzung von Arztstellen hatten die Kliniken bereits gewarnt (das Abendblatt berichtete). Für die Investitionen in die Krankenhäuser sind die Länder verantwortlich (Gebäude, aber auch IT-Infrastruktur).

Hamburger Krankenhäuser sehen großen Finanzbedarf

HKG-Vertreter beklagten, dass Hamburg zwar im bundesweiten Vergleich gut dastehe, aber dennoch nicht alle notwendigen Investitionen von der Stadt getragen würden. Für die Landesregierung sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD): „Die Botschaft ist angekommen.“ Sie wolle sich auch auf Bundesebene – und dort wird mit ihrem Genossen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) das große Rad einer umfassenden Reform gedreht – dafür einsetzen, dass eine Neuordnung der Finanzen gelinge. In Hamburg beträgt die Investitionslücke nach Gemmels Angaben 65 Millionen Euro pro Jahr.

Die HKG forderte, dass der Versorgungszuschlag über den 30. Juni dieses Jahres hinaus weiter gelten solle. Er komme „zielgerichtet den Krankenhäusern zu, die Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandeln und dadurch einen höheren Aufwand haben“. Gleichzeitig müsse die Politik bedenken, dass der kommende Herbst zu einem Anstieg der Corona-Fallzahlen und auch der Hospitalisierungen führen könne.

"Misstrauenskultur" mit den Krankenkassen

Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sprach von einer „Misstrauenskultur“ zwischen den Kliniken und den Krankenkassen. Eine überzogene Kontrolle der Kassen führe zu erheblich mehr Bürokratie. Das halte Ärzte und Pflegekräfte von ihren eigentlichen Aufgaben ab. Zuletzt hatte der Vorsitzende des Betriebskrankenkassen-Dachverbandes, Franz Knieps, gesagt: Die staatlichen Subventionen für die Krankenhäuser während Corona seien intransparent. „Hier gibt es beträchtliche Fehlzahlungen und Mitnahmeeffekte. Die sollte der Bundesrechnungshof näher unter die Lupe nehmen.“

Krankenhaus-Vertreter Gaß drohte mehr, als bloß zu sagen: „Wenn die Versorgung eingeschränkt wird, merken das die Bürger eher, als wenn 20 oder 30 Hubschrauber der Bundeswehr nicht fliegen.“