Hamburger Krankenhäuser

UKE, Asklepios und Co. warnen vor drastischen Kürzungen

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Der 1. Vorsitzende der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft Joachim Gemmel ist  Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Hamburg.

Der 1. Vorsitzende der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft Joachim Gemmel ist Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Hamburg.

Foto: Mark Sandten

Wirtschaftliche Lage angespannt. Forderung nach Inflationsausgleich und weiterem Corona-Zuschlag. Gesundheitsmetropole Hamburg bedroht.

Hamburg. Ob es um die Kliniken von Asklepios, das Albertinen, UKE oder Marienkrankenhaus geht: Sie stehen in großer Konkurrenz zueinander in ihrem Buhlen um die Patienten, Pflegekräfte sowie die besten Ärztinnen und Ärzte. Doch Hamburgs Krankenhäuser eint das Ziel, nach wie vor wirtschaftlich arbeiten zu können. Anders als im Rest Deutschlands, wo über Krankenhausschließungen diskutiert wird, sollte das in der Gesundheitsmetropole Hamburg kein Thema sein. Ohnehin kommt nahezu jeder dritte Patient aus dem Umland. Doch die Corona-Pandemie und die stark gestiegenen Preise für Energie, Medizinprodukte und Lebensmittel schlagen bei allen Häusern ins Kontor.

Wie die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) jetzt erklärte, fielen auf breiter Linie Erlöse weg. Gleichzeitig erforderten die Hygienemaßnahmen anhaltend hohe Ausgaben, sagte HKG-Geschäftsführerin Claudia Brase. Die HKG erklärte, die Fallzahlen, also Operationen und Behandlungen, seien gegenüber dem Jahr 2019 erst um 13 Prozent (in 2020) und dann um 14 Prozent (2021) eingebrochen. Die Kosten könnten nicht im selben Maße sinken, weil die Betten ja vorgehalten werden müssten.

Hamburger Krankenhäuser warnen vor Kürzungen

Allerdings haben die Krankenhäuser deutschlandweit aus Corona-Paketen Stütz-Zahlungen erhalten. So sollte sichergestellt werden, dass kein Haus pandemiebedingt schließen muss. Mit dem Auf und Ab der Corona-Wellen hat sich jedoch eine neue Situation ergeben. Wer Covid-19-Patienten behandelte, bekam aufgrund der besonderen Schutzmaßnahmen und der Einschränkungen des sonstigen Klinikbetriebes einen „Versorgungszuschlag“. Dieses Plus soll zum 30. Juni wegfallen.

Der HKG-Vorsitzende Joachim Gemmel forderte: „Der Versorgungszuschlag muss bleiben. Er ist eine zielgenaue Maßnahme, um den Krankenhäusern, die die Last der Covid-19-Versorgung tragen, einen Teil der dadurch entstehenden Mehrkosten zu finanzieren. Es gibt keinen Grund, den Versorgungszuschlag jetzt zu beenden. Die Pandemie ist nicht vorbei, sie macht nur Sommerpause. Wenn in dieser Zeit wenige Covid-19 Patienten in den Krankenhäusern sind, werden auch wenige Versorgungszuschläge abgerechnet.“

Hamburger Krankenhäuser fordern Inflationszuschlag

Die Krankenhausgesellschaft verweist auf eine Umfrage, nach der 60 Prozent der Einrichtungen für 2021 mit roten Zahlen rechneten. Nur jede zehnte Klinik schätze ihre wirtschaftliche Lage als gut ein. HGK-Chef Gemmel warnte davor, dass einzelne Krankenhäuser ihr Angebot reduzieren oder sogar Personal abbauen müssten. Ohne einen gesetzlichen Inflationszuschlag drohe dieses Szenario.

Die allgemein steigenden Preise, die Corona-Pandemie und der immense Spardruck auch bei den gesetzlichen Krankenkassen, die die Beiträge nicht erhöhen wollen, treffen alle Bereiche des Gesundheitswesens mit voller Wucht. Die Ampel-Regierungskoalition in Berlin hat sich darauf verständigt, endgültig die Krankenhauslandschaft zu reformieren. Nicht mehr alle Kliniken sollen alles anbieten, ein Teil der Behandlungen soll ambulant gemacht werden. Doch so einfach ist eine Reform nicht. Die Länder sind für die Finanzierung der Infrastruktur verantwortlich, die Krankenkassen zahlen die Behandlungen – grob gesagt. Die Uni-Kliniken wie das UKE haben zusätzliche Aufgaben wie Forschung und Lehre.

Die Krankenkassen haben bereits verbal aufgerüstet, nachdem die Krankenhäuser nach höheren Zuwendungen gerufen und angeregt haben, kleine Krankenkassen aufzugeben. Für den Spitzenverband der Krankenkassen sagte Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis: „Es ist ein Reflex bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft geworden, notwendige Reformen durch immer mehr Geld von den Krankenkassen oder den Steuerzahlern zu vermeiden.

In den letzten drei Jahre sind die Einnahmen der Kliniken um elf Milliarden Euro gestiegen, gleichzeitig stieg die Anzahl der leerstehenden Betten von 23 auf 33 Prozent. Mehr Geld für weniger Leistung ist kein tragfähiges Zukunftskonzept.“ Die Krankenhäuser bräuchten nicht mehr Geld, sondern mehr Veränderung.

Welche Ideen es dazu in Hamburg gibt, soll der Krankenhaustag an diesem Donnerstag zeigen. Hochrangige Interessenvertreter aller Lager plus Experten sind dabei. Beobachter erwarten von Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD), dass sie erklärt, wie Hamburgs besondere Situation als Gesundheitsmetropole berücksichtigt werden kann. Mindestens jeder achte Job in der Stadt hängt mit der Branche zusammen.