Hafenpolitik

Tschentschers Strategie: Wie Hamburgs Hafen grün werden soll

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach vor dem Überseeclub über seine Hafenstrategie.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach vor dem Überseeclub über seine Hafenstrategie.

Foto: Roland Magunia / HA

Windräder und Wasserstoff, LNG und Landstrom: Der Bürgermeister skizzierte vor dem Übersee-Club die neue Senatsstrategie.

Hamburg. Vor dem Hamburger Übersee-Club wurde schon so manch wichtige Grundsatzrede gehalten. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nahm sich am Mittwochabend die Hafenpolitik vor und kündigte einen ökologischen Ausbau des Hafens an. Er wandte sich gegen das Bild der Hafenwirtschaft als „Old Economy“ mit hohem Schadstoffausstoß und überholten Konzepten. „Das ist eine zentrale Botschaft der neuen Hafenpolitik: Wer den Umwelt- und Klimaschutz ernst nimmt, darf den Hafen nicht bekämpfen, sondern muss ihn unterstützen.“

Denn: Die Logistik der Zukunft müsse effizient und klimafreundlich sein – und es gebe keine wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Art, Waren zu transportieren, als mit dem Schiff, so Tschentscher. Pro Tonne und Kilometer würden mit dem Flugzeug rund 500 Gramm CO2 freigesetzt, rechnete er vor, mit dem Lkw 100 Gramm, mit dem Güterzug 16, mit großen Containerschiffen aber nur 10 Gramm.

Hafen Hamburg: Ende der "Kreislaufbaggerei" in der Elbe

Gerade der Hamburger Hafen besitze für viele Zielgebiete in Süd- und Osteuropa im Vergleich zu Rotterdam und Antwerpen eine günstige Lage und verkürze den Transport auf dem Landweg deutlich, sagte der Bürgermeister.

Er führte eine Reihe von Vorhaben aus, die im Einzelnen teils bekannt sind, bemühte sich aber, sie zu einem Gesamtkonzept zusammenzuführen. Dazu zählt, dass der Senat nun gemeinsam mit Bund und Nachbarländern „endlich ein nachhaltiges Sedimentmanagement“ verfolge, um „die auch unter Umweltgesichtspunkten belastende Kreislaufbaggerei“ zu beenden.

Gemeinsames Projekt mit Rotterdam und Antwerpen

Denn Voraussetzung für einen florierenden Hafen sei es, dass er frei von Sedimentablagerungen ist. Die Sedimente werden vor der Umlagerung auf Schadstoffbelastungen beprobt und untersucht, versprach Tschentscher und kündigte an: „Wir sind auch bereit, uns an der Sanierung der eigentlichen Schadstoffquellen am Oberlauf der Elbe zu beteiligen, um damit das Übel an der Wurzel zu packen und die Schadstoffe nicht erst in Hamburg mit einer kostenträchtigen Deponieablagerung aus der Elbe zu entfernen.“

Bei der Stärkung einer umweltverträglichen Landstromnutzung sollten die drei größten europäischen Häfen – Rotterdam, Antwerpen und Hamburg – gemeinsam vorgehen, um zu verhindern, dass Containerverkehre in klimaschädlichere Häfen ausweichen. Er werde auf die Bürgermeister von Rotterdam und Antwerpen zugehen, kündigte der SPD-Politiker bei der Veranstaltung in der Bucerius Law School an. Tschentscher appellierte an die Reeder, jetzt „das gute Marktumfeld“ zu nutzen, um in den Klimaschutz zu investieren und ihre Schiffe bordseitig mit Landstromtechnik auszurüsten.

Vorteil des Hamburger Hafens soll ausgebaut werden

Der größte Pluspunkt des Hamburger Hafens bestehe schon heute darin, dass er eine hervorragende Anbindung über die Hafenbahn aufweise. Es sei ein wesentliches Ziel der neuen Hafenpolitik, diesen Vorteil auszubauen und die Hafenbahn durch zusätzliche Investitionen weiter zu stärken, so Tschentscher. Dazu gehörten der Ausbau des Netzes, seine Ertüchtigung für den Betrieb von bis zu 740 Meter langen Zügen und die Ausrüstung des Gleisnetzes mit dem europäischen Zugsicherungssystem „European Train Control System“.

Es sei eine Kraftanstrengung gewesen, die Hafenfinanzierung auf eine halbe Milliarde Euro im aktuellen Doppelhaushalt zu erhöhen, sagte Tschentscher. Aber: „Der CO2-Fußabdruck des Transports ist ein Wettbewerbsfaktor, der in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen wird.“

Aktuelle Krisen unterstreichen Bedeutung des Hafens

Aktuelle Krisen wie Corona und der Ukrain­e-Krieg verdeutlichten noch einmal, wie stark die Versorgungssicherheit hierzulande vom Welthandel und funktionierenden Logistikketten abhängen. „Die maritime Wirtschaft und insbesondere der Hamburger Hafen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Das gilt für die deutschen Exporte, die zu zwei Dritteln über den Seeweg erfolgen, und es gilt für den Import von Rohstoffen und Waren, die für unsere Unternehmen und das tägliche Leben notwendig sind.“

Die Ukraine-Krieg setzt auch die Notwendigkeit, sich rasch von russischen Gaslieferungen unabhängig zu machen, auf die Tagesordnung – in Form des Imports von LNG (Flüssiggas) über Schiffe und die Seehäfen im Norden. „Der Bund und Hamburg arbeiten derzeit gemeinsam daran, kurzfristig einen mobilen Terminal in unserem Hafen zu schaffen, um LNG in das Gasnetz in Norddeutschland einzuspeisen“, so Tschentscher.

Standort Moorburg soll wieder genutzt werden

Neu ist das nicht – ebenso wenig wie die Planungen zur neuen Köhlbrandquerung, die Erschließung des Areals Steinwerder-Süd und die Erweiterung des Drehkreises am Waltershofer Hafen, die der Bürgermeister in seiner Rede als zentrale Vorhaben nannte.

Geplant ist auch die Nutzung des Standorts Moorburg nach dem Rückbau des dortigen Kohlekraftwerks für einen Wasserstoff-Großelektrolyseur. „Dafür haben wir großes Interesse und starke Partner aus der Industrie gewonnen“, so Tschentscher. „Die Planungen gehen mit Rückenwind der Bundesregierung und der Europäischen Kommission gut voran.“ Hamburg solle künftig nicht nur die „Stadt am Wasser“ sein, sondern auch die „Stadt des Wasserstoffs“.

Auch für die Windstromproduktion komme der Hafen als Ort weit über das bisherige Maß hinaus infrage. „Nach einer ersten Analyse können bis zu 150 Megawatt Leistung zusätzlich installiert werden, wenn die Bedingungen für die Genehmigung von Windrädern vereinfacht werden, wie es Wirtschaftsminister Habeck kürzlich angekündigt hat“, sagte Tschentscher.