Bildung

Neues Bündnis will Hamburger Schulen zukunftsfähig machen

Sie wollen "Mehr Zukunft in der Schule": Thimo Witting (v.l.), Anja Bensinger-Stolze, Mathias Morgenroth-Marwedel, Sascha Luhn, Antje Müller, Christian Gefert, Gudrun Wolters-Vogeler, Liam Zergdjenah und Kai Kobelt.

Sie wollen "Mehr Zukunft in der Schule": Thimo Witting (v.l.), Anja Bensinger-Stolze, Mathias Morgenroth-Marwedel, Sascha Luhn, Antje Müller, Christian Gefert, Gudrun Wolters-Vogeler, Liam Zergdjenah und Kai Kobelt.

Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Schüler, Lehrer, Eltern und Gewerkschaft wollen mitreden und haben eine erste konkrete Forderung formuliert. Was der Senator sagt.

Hamburg. Der Zusammenschluss ist in dieser Breite sehr ungewöhnlich: Eltern-, Lehrer- und Schülerkammer, die Schulleitervereinigungen sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben das „Bündnis für zukunftsfähige Schulen in Hamburg“ ins Leben gerufen. „Uns hat das Unbehagen zusammengeführt, dass mehr über Schulen als mit den Schulen gesprochen wird“, sagte Mathias Morgenroth-Marwedel von der Vereinigung der Stadtteilschulleiter. „Wir wollen mitreden, wir melden uns zu Wort.“

Konkreteste Forderung des Bündnisses ist die Einrichtung eines Bildungsrates. „Die minimale Voraussetzung ist, dass wir Bündnispartner und die in der Bürgerschaft vertretenen Parteien in dem Bildungsrat sitzen“, sagte Christian Gefert von der Vereinigung Hamburger Gymnasien und Studienseminare.

"Die Bürgerschaft hat keinen Wert auf Dialog gelegt"

Gefert wies auf die zentralen bildungspolitischen Debatten um den Schulfrieden, den neuen Schulentwicklungsplan und den Digitalpakt Schule hin. „Bei all diesen Themen haben wir als Experten keine Rolle gespielt. Die Bürgerschaft hat keinen Wert auf Dialog gelegt“, sagte der Leiter des Marion-Dönhoff-Gymnasiums in Blankenese, der betonte, dass das Bündnis nicht gegen den Schulfrieden und nicht gegen andere Projekte gerichtet sei.

Die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze kritisierte die „häufig kurzatmigen Vorschriften von oben“ durch die Schulbehörde. „Das ist fast eine Misstrauensunterstellung. Vieles können die Schulen individuell besser entscheiden. Wir wollen mehr Verantwortung vor Ort“, sagte Bensinger-Stolze. Liam Zergdjenah, der Vorsitzende der Schülerkammer, forderte mehr Zeit für die individuelle Förderung und Begleitung von Schülern. Lehrer müsste unter anderem von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

„Wir müssen uns fragen, wie sich der Unterricht verändern muss, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Dazu haben wir viele Ideen“, sagte Gefert. Das Bündnis soll auf Dauer angelegt sein.

„Ich finde, dass man die Idee für einen Hamburger Bildungsrat jetzt konstruktiv prüfen sollte. Der Bildungsrat kann dazu beitragen, den Hamburger Dialog über das wichtige Thema Schule und Bildung weiter zu intensivieren“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) in einer ersten Stellungnahme. Rabe wies allerdings darauf hin, dass er „als Senator mit allen Verbänden und Gremien jedes Jahr in der Regel jeweils mindestens zwei Gespräche“ führe. Hamburgs Schulen brauchten das Engagement und die Beteiligung von Eltern, Schülern und Lehrern. „Deshalb ermöglicht das Schulgesetz allen Beteiligten erhebliche Mitsprache“, sagte Rabe. Eltern bestimmten über die freie Schulwahl, welche Schulen und Schulformen ausgebaut und besser gefördert werden müssen. Alle Beteiligten könnten über Schulkonferenzen ganz erheblich über den Unterricht, Schulprofile und sogar die Architektur der Neubauten mitbestimmen. „Ich finde das richtig und habe mich deshalb immer dafür eingesetzt, die Beteiligung weiter auszubauen“, sagte Rabe.

Opposition sieht ihre Kritik bestätigt

„Hamburgs Schulpolitik braucht mehr Dialog. Die Distanz zwischen Praktikern und der Schulbehörde scheint zu groß zu sein“, sagte FDP-Bürgerschaftsfraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. Selbst Maßnahmen, die auf breite Zustimmung stießen, werde aufgrund fehlender Einbeziehung der Beteiligten zunächst mit Skepsis begegnet.

„Zu Recht kritisiert das Bündnis die mangelnde Kommunikation und schlechte Informationspolitik von Senat und Schulbehörde“, sagte Marcus Weinberg, CDU-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020. „Die Forderung nach einem intensiveren Dialog zwischen Eltern, Schülern und Pädagogen mit politischen Entscheidungsträgern ist absolut wichtig und dringend erforderlich“, sagte Weinberg. Hamburgs Schulen seien mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. „Dazu gehören beispielsweise der Lehrermangel, Unterrichtsausfälle, veraltete Bildungspläne sowie deutliche Mängel im Bereich digitale Bildung. „Der vom Bündnis vorgeschlagene Bildungsrat als Diskussions- und Dialogplattform bietet einen guten Rahmen, um diese Herausforderungen zukünftig gemeinsam anzupacken“, sagte der Christdemokrat.