Bildung

Wie die Arbeitszeit der Lehrer berechnet wird

Ein Lehrer beim Unterricht in einer
Schulklasse.

Ein Lehrer beim Unterricht in einer Schulklasse.

Foto: Marcelo Hernandez

Seit 2003 gilt ein Modell, das alle Tätigkeiten der Pädagogen erfasst und zeitlich bewertet. Faktoren von Fach zu Fach unterschiedlich.

Hamburg.  Um die Arbeitszeit von Lehrern kreisten lange Mythen, Halbwahrheiten und Vorurteile. Hamburg hat seit 2003 ein Lehrerarbeitszeitmodell, das die an den Schulen geleistete Arbeit erfassen, möglichst gerecht verteilen und darüber hinaus Transparenz herstellen will. Der erste Schritt ist, dass das Modell die jährliche Arbeitszeit der Pädagogen erfasst.

„Als jährliche Arbeitszeit gelten die Zeitstunden, die von Beamtinnen und Beamten … in einem Zeitraum von 365,25 Tagen abzüglich 104 Wochenendtagen, 30 Tagen Erholungsurlaub, neun Feier- und Vorfesttagen … zu leisten sind“, heißt es bürokratisch korrekt in der „Verordnung über die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer an staatlichen Schulen“. Aber nur 30 Tage Erholungsurlaub? Die Schulferien dauern doch zwölf Wochen ...

Die Antwort liefert das Arbeitszeitmodell. Im Kern lautet dessen Aussage: Die wöchentliche Arbeitszeit der Lehrer liegt während der Unterrichtsphasen so deutlich über der üblichen 38-Stunden-Woche, dass die Lehrer diese Mehrarbeit zu einem großen Teil während der Ferien abbummeln können. Das Modell hat erstmals alle Tätigkeiten mit einem Zeitfaktor bewertet: Für eine Unterrichtsstunde (45 Minuten) an der Grundschule wird ein Faktor von 1,35 zugrunde gelegt.

Faktoren sind von Fach zu Fach unterschiedlich

Der Lehrer bekommt rund eine Zeitstunde (exakt 60,75 Minuten = 1,35 x 45 Minuten) angerechnet, weil Zeit für die Vor- und Nachbereitung berücksichtigt wird. In höheren Klassen steigt der Faktor bis 1,60 an. Eingerechnet werden Zeiten für Eltern- und Schülergespräche, Klassen- und Zeugniskonferenzen sowie die Korrekturen von Klassenarbeiten.

Die Faktoren sind von Fach zu Fach unterschiedlich – Sportlehrer haben die niedrigsten Faktoren, was schon vor dem Start des Modells zu heftigen Protesten führte. Berücksichtigt werden auch sogenannte Funktionstätigkeiten wie Schulleitung, Konferenzen, fachliche Aufgaben, Mitarbeit in schulischen Gremien oder die Betreuung von Projekten.

Beispiel: Ein Mathematik- und Physiklehrer an einer Stadtteilschule hat eine wöchentliche Unterrichtsverpflichtung von 26 Stunden, kommt aber nach dem Arbeitszeitmodell inklusive aller Tätigkeiten auf eine Wochenarbeitszeit von 46,50 Stunden in den 38 Wochen des Schuljahres. Die Jahresarbeitszeit beträgt 1767 Zeitstunden, bezogen auf ein 52-Wochen-Jahr abzüglich des Urlaubs und der Feiertage ergibt sich eine wöchentliche Arbeitszeit von 38 Stunden.

Eingeführt wurde das Modell vom damaligen Bildungssenator Rudolf Lange (FDP). Es ist so kompliziert und birgt so viel schulpolitischen Sprengstoff bei jeder Änderung, dass sich kein Senator und keine Senatorin je getraut hat, größere Veränderungen vorzunehmen.