Hamburger Hafen

Auf Hamburgs Initiative: Landstrom soll billiger werden

Die Landstromanlage am Cruise Center Altona wird bisher aus Kostengründen nur selten genutzt (Archivbild).

Die Landstromanlage am Cruise Center Altona wird bisher aus Kostengründen nur selten genutzt (Archivbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Die klimafreundlichere Alternative zum Dieselaggregat könnte schon bald attraktiver werden. Hamburg plant neue Standorte.

Hamburg. Es waren lange Verhandlungen, doch jetzt hat die Bundesregierung eingelenkt: Der Landstrom als klimafreundliche Variante für Schiffe während der Liegezeiten im Hafen soll deutlich billiger werden. Nach Angaben des rot-grünen Senats will die Bundesregierung die für Landstrom erforderliche Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 20 Prozent reduzieren. Das bedeutet: Statt 6,4 Cent pro Kilowattstunde werden künftig nur noch 1,28 Cent fällig.

„Das sind gute Nachrichten für die maritime Wirtschaft – und unser Klima“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). „Durch die Reduzierung der EEG-Umlage auf 20 Prozent wird die Nutzung von Landstrom für die Reedereien wirtschaftlicher. Ich begrüße sehr, dass der Bund hierzu nunmehr bereit ist. Das ist ein wichtiger Schritt für Norddeutschland und alle Seehäfen“, sagte der SPD-Politiker.

Hamburg hat sich für günstigen Landstrom stark gemacht

Nach Ansicht Tschentschers werde sich die Reduzierung der Umlage nicht auf andere Stromkunden auswirken, da derzeit wenig Landstrom verbraucht werde. „Wenn durch die Senkung der Umlage mehr Schiffe an sauberen Strom angeschlossen werden, ergeben sich sogar höhere Einnahmen aus der Umlage.“

Tschentscher hatte sich auf der Ministerpräsidentenkonferenz im Januar für die Senkung der EEG-Umlage für Landstrom eingesetzt und mehrfach mit fachlich zuständigen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gesprochen – zuletzt beim Ostasiatischen Liebesmahl Anfang März.

Landstromanlage im Hamburger Hafen bisher selten genutzt

Bislang betreibt Hamburg eine Pilotanlage für Landstrom am Kreuzfahrtterminal in Altona. Das Angebot wird derzeit aber wegen der hohen Kosten für die Reedereien kaum genutzt. Es ist wirtschaftlicher, die klimabelastenden Dieselaggregate der Schiffe während der Liegezeiten weiterlaufen zu lassen.

Neben der Änderung des EEG-Gesetzes und weiterer Verordnungen plant die Bundesregierung, ein Investitionsförderprogramm aufzulegen, um Länderprogramme zum Bau von Landstromanlagen mitzufinanzieren.

Hamburg plant vier weitere Standorte für Landstromanlagen

Auf Hamburger Initiative bereitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe weitere konkrete Vorschläge für einen wirtschaftlichen Betrieb von Landstromanlagen vor. Der rot-grüne Senat will zusätzliche Landstromanlagen im Hafen installieren. Nach Informationen des Abendblatts sind vier weitere Standorte geplant – für Kreuzfahrt- und erstmals auch für Containerschiffe.

„Der Kompromiss zwischen Hamburg und dem Bund ist halbgar. Die EEG-Umlage für Landstromversorgung gehört abgeschafft“, sagte FDP-Bürgerschaftsfraktionschef Michael Kruse. Neben dem stärkeren Anreiz würde so auch „massiv Bürokratie bei den betroffenen Unternehmen abgebaut“.