Klimaschutz

Hamburgs Umweltsenator will CO2-Einsparziel verschärfen

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Im Verkehrsbereich habe die Klimawende noch gar nicht angefangen, sagt Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan. Das will er jetzt ändern (Symbolbild)

Im Verkehrsbereich habe die Klimawende noch gar nicht angefangen, sagt Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan. Das will er jetzt ändern (Symbolbild)

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance

Hamburgs Beitrag zum Klimaschutz reiche nicht für die international vereinbarten Ziele. Kerstan will der SPD mehr abhandeln.

Hamburg. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) will bei der anstehenden Fortschreibung des Hamburger Klimaplans ehrgeizigere Ziele als bisher vereinbaren. Damit Hamburg seinen Beitrag zu den in Paris vereinbarten Klimaschutzzielen leisten könne, müsse Hamburg mehr CO2 einsparen als bislang vorgesehen, sagte der Grünen-Politiker. "Wenn man bis 2030 einen echten Beitrag zum Klimaschutz leisten will, dann muss man sich jetzt zumindest das gleiche Ziel wie die Bundesregierung setzten, die ja bis dahin auch 55 Prozent CO2-Einsparung erreichen will." In dem 2015 erstellten Hamburger Plan sind nur 50 Prozent vorgesehen.

"Das, was unsere Planungen bisher vorsehen, macht es nicht möglich, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen", sagte Kerstan. "Wir wollen erreichen, dass Hamburg sich 55 Prozent Einsparung bis 2030 als neues Ziel setzt." Die Fortschreibung des Klimaplans sei eines der wichtigsten Projekte der rot-grünen Koalition vor der Bürgerschaftswahl in einem Jahr. "Bis zum Sommer müssen wir das bewerkstelligen." Dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kürzlich den Klimaschutz in den Mittelpunkt seiner Rede vor dem Übersee-Club gestellt habe, sei gut. "Deshalb nehmen wir den Bürgermeister jetzt gerne beim Wort. Wir wollen mit ihm einen guten und auch ehrgeizigen Klimaplan erarbeiten, der dann dafür sorgt, dass Hamburg seine Verpflichtungen erfüllt."

Die Wende hat noch gar nicht richtig angefangen

Die Energiewende gebe es bislang nur im Strombereich. "Die macht aber nur rund 20 Prozent des Energieverbrauchs aus. Das heißt: In 80 Prozent unserer Gesellschaft und Wirtschaft hat die Energiewende noch gar nicht so richtig angefangen – also im Verkehrsbereich, im Gebäude- und Wärmebereich."

Mit der Fortschreibung des Klimaplans müssten Prozesse in Gang gesetzt werden, "die dafür sorgen, dass auch im Verkehr stärker als bisher die CO2-Emissionen sinken." Da gebe es mit dem Ausbau des Radwegenetzes und dem Ausbau und des öffentlichen Nahverkehrs gute Ansätze. "Und natürlich brauchen wir auch im Gebäudebereich jetzt Einsparungen, wobei uns der Zielkonflikt zwischen Energieeffizienz und bezahlbaren Mieten sehr bewusst ist."

Bei öffentlichen Gebäuden anfangen

Damit Politik glaubwürdig ist, müsse sie mit gutem Beispiel vorangehen. "Deshalb ist es auch wichtig, dass die Stadt bei ihren eigenen Gebäuden höhere Standards umsetzt als sie gesetzlich vorgeschrieben sind", sagte Kerstan. Einzelne Punkte müssten mit der SPD sicherlich noch intensiv diskutiert werden. "Für uns ist aber klar: Um selbst unser 50-Prozent-Ziel bis 2030 noch zu erreichen, müssen wir jetzt wirklich Butter bei die Fische geben und am Ende mit den stadteigenen Gebäuden, die wir jetzt errichten, auch vorangehen und vorbildliche Standards schaffen."

Grundsätzlich setzten die Grünen ebenso wie Tschentscher und die SPD auf freiwillige CO2-Einsparungen durch die Industrie. "Andererseits sind wir aber überzeugt, dass es ein Rahmenwerk mit ökologischen Leitplanken für die Wirtschaft braucht. Wir glauben, dass CO2 einen höheren Preis braucht, damit die Wirtschaft ein Eigeninteresse entwickelt, Klimaschutz zu betreiben." Freiwilligkeit allein genüge nicht. "Bisher belohnt der Markt oft den, der keinen Klimaschutz betreibt und die billigsten Produkte hat. Da muss Politik steuernd eingreifen."

( dpa )