Verkehr

Hamburgs Busse stehen im Stau – und kommen immer später

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Ein Bus auf der Langen Reihe. Die Hochbahn sagt: „Wir sind Gast auf der Straße und unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie der Pkw-Verkehr.“ 

Ein Bus auf der Langen Reihe. Die Hochbahn sagt: „Wir sind Gast auf der Straße und unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie der Pkw-Verkehr.“ 

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Zunehmende Unpünktlichkeit trotz Beschleunigungsprogramms. Hochbahn macht Baustellen verantwortlich.

Hamburg.  Die Linienbusse der Hochbahn fahren in Hamburg im laufenden Jahr unpünktlicher als 2017. Nach einer Auswertung des Verkehrsunternehmens sind bis zum 30. November 6,2 Prozent seiner Busse fünf Minuten oder mehr zu spät gekommen. Im gesamten Jahr 2017 waren nur 5,6 Prozent so stark verspätet.

Diese Zahlen hat der Senat in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering veröffentlicht. Die Verkehrsunternehmen KVG und VHH, deren Busse ebenfalls in Hamburg für den HVV fahren, konnten die Pünktlichkeit laut Senatsantwort nicht statistisch erfassen.

Schnellbusse immer langsamer

Deutlich zugenommen hat die Unpünktlichkeit nach der Statistik ausgerechnet auf den Schnellbuslinien. So sank auf der Linie 37 der Anteil der pünktlichen (also höchstens 4:59 Minuten verspäteten) Busse von 91,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 88,1 Prozent in den ersten elf Monaten des Jahres 2018. Auf der Linie 36 ging die Pünktlichkeit von 90,1 auf 88,1 und auf der Linie 34 von 90,2 auf 89,1 Prozent zurück. Auf der Schnellbuslinie 39 hatten im laufenden Jahr bisher sogar mehr als 13 Prozent aller Busse eine Verspätung von fünf Minuten oder mehr.

Auffällig stark verschlechtert hat sich die Pünktlichkeit auch auf den Harburger­ Buslinien 14, 143 und 443. Auch auf einigen zentralen Strecken des Busbeschleunigungsprogramms wie den Linien 20 und 25 ging die Pünktlichkeit in diesem Jahr deutlich zurück. Immerhin: Die meistbenutzte Hamburger Buslinie 5 fuhr in diesem Jahr etwas pünktlicher. Hier kamen jetzt 93,9 Prozent aller Busse innerhalb der zulässigen Toleranzzeiten, im vergangenen Jahr waren es nur 92,8 Prozent. Auch auf vielen anderen Linien gab es Verbesserungen. Die Gesamttendenz allerdings blieb negativ.

„Hamburgs Busse werden immer unpünktlicher“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Thering. „Und dabei sind die Ergebnisse sogar noch geschönt, da Verspätungen bei Bussen erst ab fünf Minuten gezählt werden. Würde jede Verspätung schon ab 3 Minuten zählen, wie bei den Bahnen praktiziert, wäre die Pünktlichkeitsquote noch deutlich geringer.“

Busbeschleunigung wirkungslos

Besonders pikant sei es, „dass gerade die Linien zum Teil deutlich unpünktlicher wurden, die eigentlich durch das von der SPD 2012 beschlossene und 260 Millionen Euro teure Busbeschleunigungsprogramm optimiert werden sollten“, so Thering. „Besonders deutlich wird das bei den Metrobuslinien 20 und 25. Dadurch zeigt sich, dass die bisher ausgegebenen 106 Millionen Euro für das umstrittene Busbeschleunigungsprogramm größtenteils wirkungslos waren. Jetzt blind weitere 154 Millionen Euro, wie von SPD und Grünen geplant, hinterherzuschießen, ist daher der völlig falsche Weg. Alle Beteiligten aus Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Fahrgastverbänden und der Politik müssen jetzt an einen Tisch, eine schonungslose Analyse betreiben und wirkungsvolle Maßnahmen zur Verbesserung des Busbetriebs in Hamburg beschließen.“

Zudem müssten „verbindliche Pünktlichkeitsziele vereinbart werden, wie sie für S- und U-Bahn schon lange gelten“. Busse und Bahnen seien „das Rückgrat der Mobilität“ und müssten deutlich attraktiver und leistungsstärker werden. „Nur so gelingt der Umstieg vom Auto auf die Busse und Bahnen. SPD und Grüne müssen jetzt endlich liefern.“

Senat greift durch: 24 Maßnahmen gegen Staus in der Stadt

Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum sagte, die durchschnittliche Verschlechterung der Pünktlichkeitsquote um 0,6 Prozentpunkte sei aus Sicht der Hochbahn „kein strukturelles Problem des Busbetriebs“. Sie sei eher „ein Ergebnis einer regen Bautätigkeit zum Erhalt des Straßensystems, die wir ausdrücklich begrüßen“. Dass Behinderungen durch Baustellen eine wichtige Rolle bei der geringeren Pünktlichkeit spielten, zeige sich auf den Linien 20 und 25 mit einer Verschlechterung um 1,4 bzw. 1,6 Prozentpunkten.

Auf deren Fahrstrecken gebe es umfangreiche Straßenbaumaßnahmen, ebenso wie auf der Linie 26. Die Verschlechterungen in Harburg hingen mit der Überlastung des dortigen ZOB zusammen. Dieser sollte eigentlich längst ausgebaut werden. „Hier hoffen wir sehr, dass wir mit dem Bezirk jetzt in eine Umsetzung der Planung einsteigen können“, sagte der Hochbahn-Sprecher. „Es ist halt so, wie es meistens ist: Eine Simplifizierung und anscheinend einfache Lösungen helfen nicht weiter. Wir sind Gast auf der Straße, und deshalb unterliegen wir hier den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie der Pkw-Verkehr.“

Bahnen pünktlicher als Busse

Zugleich wies Kreienbaum die CDU-Kritik an der Busbeschleunigung zurück. Deren Erfolge seien klar zum Beispiel an den Linien 5 und 13 abzulesen. Dort habe sich die Pünktlichkeit verbessert, die Auslastung der Busse sei gleichmäßiger, und es seien deutlich mehr Passagiere befördert worden. Diese Effekte würden sich nach Ende der Straßensanierungen auch auf den Linien 20 und 25 zeigen, ebenso wie auf Linie 6.

Neuere Pünktlichkeitsdaten zu U- und S-Bahnen gibt es noch nicht. Sie waren im Jahr 2017 zwar auch etwas unpünktlicher als 2016. Allerdings sind beide pünktlicher als die Busse– und das obwohl bei ihnen strengere Kriterien gelten. Eine Bahn gilt schon ab Verspätungen von drei Minuten als unpünktlich, Busse erst ab fünf Minuten. Die S-Bahnen kamen zuletzt zu 94,7 Prozent pünktlich. Das pünktlichste Hamburger Verkehrsmittel ist und bleibt die U-Bahn. Nur 2,7 Prozent der Bahnen fuhren hier im Jahr 2017 unpünktlich.