Kulturbehörde macht Besetzern Angebot

Gängeviertel: Vertrag mit den Künstlern vor Abschluss

| Lesedauer: 3 Minuten
Matthias Rebaschus

Es gab kontroverse Diskussion in der Bürgerschaft. Die SPD ist für eine Sanierung. Die CDU sagt: "Wohnen kann man da nicht."

Hamburg. Hinter den Kulissen wird mit Hochdruck mit den "Besetzern" des Gängeviertels verhandelt: Die Kulturbehörde hat den Künstlern einen Vertrag zur Zwischennutzung angeboten. Die Verhandlungen stünden vor dem Abschluss, sagt Behördensprecherin Susanne Frischling. "Die Künstler müssen sich noch einig werden, wer von ihnen den Vertrag unterschreibt. Dann könnten die Künstler sich einrichten, bis der Investor mit den Bauarbeiten beginnt - oder die Immobilie an die Stadt zurückfällt.

Beide Szenarien haben in der Bürgerschaft zu heftigen Debatten geführt. Der SPD-Abgeordnete Andy Grote forderte den Senat auf, aus dem Vertrag mit dem niederländischen Investor Hanzevast auszusteigen und das 4500-Quadratmeter-Areal an die städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga/GWG zu übertragen. Ganz anders der CDU-Stadtentwicklungsexperte Jörg Hamann: "Zum Wohnen eignen sich die Gebäude nicht!"

Es geht um zwei Dinge: Erstens: Hanzevast hat einen städtebaulichen Vertrag, wonach man weite Teile des historischen Viertels umgestalten kann. Wenn der Bezirk Mitte den Bauantrag genehmigt und Hanzevast die zweite Rate des Kaufpreises zahlt, dann wird abgerissen, um- und neu gebaut. Doch der Bauantrag wurde nicht, wie beabsichtigt, gestern genehmigt. Der Bezirk müsse nacharbeiten, hieß es.

Das zweite Thema ist die "Besetzung": Am 22. August hatten 200 Künstler die seit Jahren leer stehenden Gebäude unter der "Schirmherrschaft" des Hamburger Malers Daniel Richter besetzt und Ateliers und Galerien eingerichtet. Sie wollten damit sowohl auf die Raumnot Hamburger Künstler aufmerksam machen als auch die Gebäude vor dem Verfall bewahren. Die Herzen vieler Hamburger flogen ihnen sofort zu. Mehr als 5000 Interessierte haben die Künstler schon besucht. Der Künstler Mark Mattes redet gern von eine "Best Case"-Situation. "50 Besucher in drei Stunden. Das schafft sonst nur die Kunsthalle in Hamburg."

Die Stimmung in den besetzten Häusern im Gängeviertel ist einzigartig: locker und heiter "Die Menschen kommen aus ganz Deutschland, viele schon früh morgens. Sie staunen. Und fast alle wollen mit uns reden", sagt Marion, eine der Sprecherinnen, die nur mit ihrem Vornamen auftritt. Wie die Künstler, die ihre Werke ohne Namensnennung ausstellen, ist für sie die Aktion als Gruppe wichtiger. Die Künstler, die dort nicht schlafen, arbeiten im Schichtdienst als Kunstführer.

Wie geht es nun weiter? Wenn der Bauantrag in den kommenden Tagen genehmigt wird, muss nach Mitteilung des Bezirksamts Hanzevast innerhalb von 14 Tagen zahlen. Passiert das nicht, hat die Stadt vier Wochen Zeit zu entscheiden, wie es weitergeht. "Wenn Hamburg Nein sagt, ist der Vertrag mit Hanzevast hinfällig. Alles ist auf null", sagt Markus Schreiber (SPD), Bezirkschef von Mitte. Und dann?

Der Bezirkschef hat klare Wünsche: "Es wäre nicht richtig, das ganze Prozedere noch einmal zu starten. Es muss der Bestand saniert werden. Das kann die Saga machen, und die wäre auch bereit dazu."