Wirtschaftsbehörde schaltet sich in Streit ein

Handwerkskammer: Schlammschlacht immer härter

Foto: Patrick Piel

Mitgliedsfirmen begehren auf. Beiträge der Handwerkskammer zum Teil um das Drei- oder Vierfache höher als die der Handelskammer.

Hamburg. Die Schlammschlacht hinter den Kulissen der Handwerkskammer nimmt an Härte zu. Nach der Staatsanwaltschaft schaltete sich nun auch die Wirtschaftsbehörde ein. An der Basis rumort es heftig. Eigentlich sollte eine kostspielige Imagekampagne dazu beitragen, das Handwerk in ein gutes Licht zu stellen. Davon kann nun keine Rede mehr sein. Dabei hatte sich ein Teil des Streits eben an dieser Werbeaktion entzündet. Zur Finanzierung wurde der Beitrag der Mitglieder erhöht. "Im Schnitt um 100 Euro pro Betrieb", sagt Kammerpräsident Josef Katzer. Unter dem Strich ergeben sich pro Jahr 1,5 Millionen Euro Mehreinnahmen.

Viele sind verärgert. Auch weil die Beiträge der Handwerkskammer zum Teil um das Drei- oder Vierfache höher sind als die der Handelskammer. So zahlt eine Firma mit einem Gewerbeertrag von 100.000 Euro im Jahr bei den Handwerkern zwischen 1700 und 2145 Euro im Vergleich zu 569,45 Euro. In anderen Großstädten sind die Konditionen meist deutlich günstiger als am Holstenwall in Hamburg. Die Betriebe treten nicht freiwillig bei, sondern sind zwangsverpflichtet.

"Diese Beitragserhöhung ist eine Frechheit", sagt Annegret Hack, Prokuristin des namhaften Tiefbauunternehmens Fritz Hack. "Wir müssen jetzt 32 Prozent mehr bezahlen und haben Widerspruch eingelegt." Zumal es sich nicht um eine einmalige, sondern um eine alljährliche Zahlung handle. Das Finanzgebaren des Kammervorstands sei nicht hanseatisch: "Die können nicht mit Geld umgehen."

Ähnlich sieht es Heiko David, Chef des Jungnickel Sanitärbetriebs in Wandsbek. "Wir arbeiten hart und ehrbar und bilden traditionell aus", sagt der Installationsmeister. Statt zuvor rund 1600 muss er nun 2600 Euro bezahlen. "Dafür leisten die zu wenig", zürnt David. "In den vergangenen zwölf Monaten eine Unterschrift unter einen Lehrvertrag - das war's." Auch Ingo Döhring, Geschäftsführer der Bogdol-Unternehmensgruppe, hofft, "dass der neue Vorstand mit Kraft dafür sorgt, dass dem Handwerk nicht noch mehr Schaden entsteht." Deshalb hat sich nun auch die Wirtschaftsbehörde als Aufsichtsorgan der Handwerkskammer eingeschaltet. "Die Anschuldigungen sind ungeheuerlich", sagte Wirtschaftssenator Frank Horch. Er sei sehr beunruhigt, dass die aktuellen Vorfälle der Hamburger Wirtschaft und dem Mittelstand nachhaltig Schaden zufügen könnten.