Nahverkehr

Volksinitiative soll Stadtbahn in Hamburg kippen

Foto: Michael Rauhe

Der Winterhuder Andreas Wagener will 10.000 Unterschriften gegen das Großprojekt sammeln. 3000 Menschen haben bereits unterschrieben.

Winterhude. 3000 Unterschriften hat er schon gesammelt - ganz nebenbei und privat, wie er sagt. Die 10.000 nötigen Unterschriften für eine Volksinitiative zusammenzubekommen, das sei sein geringstes Problem. Denn sein Ziel ist klar: Andreas Wagener will die geplante Stadtbahn per Volksentscheid verhindern.

"Das Großprojekt ist wirklich großer Irrsinn", sagt der Gründer der "Bürgerinitiative gegen die Stadtbahn". "Es gibt wesentlich wichtigere Dinge, die in Hamburg angeschoben werden müssen. Zudem ist die Finanzierung überhaupt nicht gesichert." Der 48-Jährige kritisiert, dass das Projekt "noch überhaupt nicht durchdacht" sei und nur für Ärger sorgen würde. Außerdem müsse man sich darüber im Klaren sein, dass der Bau der Stadtbahn mindestens drei Jahre lang für ein Verkehrschaos sorgen würde, so Wagener. Besonders während des Berufsverkehrs müssten die Bürger mit extremen Staus rechnen. Aufgrund anderer Baustellen sei die Straßenführung bereits umständlich, und der Verkehr müsste durch Wohngebiete umgeleitet werden.

Am 27. Oktober will der Initiator nun "in die Offensive gehen" und Befürwortern des Projektes mit einer Informationsveranstaltung "aufzeigen, mit wem sie es zu tun haben". Dann soll das Unterschriftensammeln für die Volksinitiative offiziell beginnen.

Noch lieber wäre es Wagener allerdings, die Politik "mit Gesprächen zur Vernunft bringen zu können". Geplant sei ein Treffen mit der GAL-Vorsitzenden Katharina Fegebank. "Ein Volksentscheid ist teuer und aufwendig. Wenn wir das umgehen können, wäre das ganz in unserem Sinne."

Der CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse reagierte gelassen auf die Ankündigung - forderte die Initiatoren aber dazu auf, den Blick mehr in die Zukunft zu richten. "Bei einem solchen Projekt lassen sich Staus nie ganz vermeiden, vom Ergebnis werden aber viele profitieren", sagte er. Dieser Ansicht ist auch Fraktionskollege Kai Voet van Vormizeele innenpolitischer Sprecher der CDU: "Ich würde mir von den Initiatoren eine gesamtstädtische Sichtweise wünschen." Mit einer offenen Argumentation, so Hesse, werde man viele Befürchtungen ausräumen können.

Doch auch in der CDU selbst sehen einige den Bau der Stadtbahn weiterhin kritisch. Der wirtschaftspolitischen Sprecherin Barbara Ahrons geht es vor allem um die Frage der Finanzierung: "Ich sehe noch nicht, dass die Kosten bereits vollständig kalkuliert sind", sagt sie. Ein weiteres Großprojekt zu beginnen, ohne zu wissen, was dabei herauskomme, könne man sich nicht mehr leisten. Helma Krstanoski, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, weist das zurück. Die Finanzierung sei vorgestellt, im März würden die notwendigen Fördermittel vom Bund beantragt werden - und man sei zuversichtlich, dass die Mittel auch fließen, so Krstanoski.