Während der Randale im Schanzenviertel

Polizisten feiern Saufgelage in Hamburger Hotel

Beamte aus Sachsen-Anhalt waren angefordert worden, um Hamburger Polizei zu unterstützen. Aber die Polizisten feierten lieber feuchtfröhlich.

Hamburg. Die einen versuchten, Krawalle im Schanzenviertel unter Kontrolle zu bringen. Die anderen hatten auch Krawall - allerdings hatten sie ihn selbst verursacht. Während Polizeibeamte in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag von Autonomen mit Flaschen und Steinen angegriffen wurden, ließen Einsatzkräfte einer Hundertschaft aus Sachsen-Anhalt im Hamburger Vier-Sterne-Hotel Steigenberger Treudelberg die Korken knallen. Nachdem die rund 100 Beamten gegen 23 Uhr aus dem Einsatz entlassen worden waren, fuhren sie in ihre luxuriöse Unterkunft. Einige feierten so laut und ausgelassen, dass sich mehrere Gäste bei der Hotelleitung beschwerten.

"Bis in den frühen Morgen störten stark angetrunkene Polizeibeamte die Gäste durch Lärmbelästigung", sagt eine Augenzeugin zum Abendblatt. Die Beamten seien grölend und Bier trinkend durch die Flure getorkelt, hätten eine Hochzeitsgesellschaft gestört und Hotelangestellte verbal attackiert.

Zwar hatten die Polizisten keine sogenannte Rufbereitschaft, was bedeutet, dass sie sofort wieder einsatzbereit hätten sein müssen. Dass sie sich betrinken - und das offenbar massiv -, ist dennoch verboten. Im Polizeijargon heißt es, dass die "Funktionsfähigkeit" gewährleistet sein muss. So ist etwa gegen ein Bier nach Feierabend nichts einzuwenden, gegen Saufgelage dagegen schon.

"Es handelt sich um einen bedauerlichen Vorfall, der mittlerweile mit dem Hotel geklärt worden ist", sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Wie das Abendblatt erfuhr, hat es seitens der Hamburger Polizeiführung deutliche Worte in Richtung des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt gegeben. Polizeipräsident Werner Jantosch soll nach Bekanntwerden des Trinkgelages überaus verärgert reagiert haben. "Der Magdeburger Polizeidirektor hat sich bereits in einem Brief für das peinliche Verhalten der Beamten entschuldigt", sagt Martin Krems, Sprecher des Innenministeriums Sachsen-Anhalts. "Sie haben sich nicht dem Ambiente entsprechend verhalten. Bislang wissen wir aber nicht, ob Alkoholkonsum bei den Vorfällen eine Rolle gespielt hat." Die Polizisten würden nun zur Verantwortung gezogen. "Es wird ein Disziplinarverfahren geprüft und gegebenenfalls eingeleitet", sagt Krems. Zudem habe es aus politischen Reihen eine Beschwerde bei der Zentralen Beschwerdestelle Polizei im Innenministerium gegeben.

"Dass sich Polizisten, die bei uns zu Gast sind, so undiszipliniert verhalten, habe ich noch nie erlebt", sagt Rolf Haug, Direktor des noblen Hotels in Lemsahl-Mellingstedt, das im Internet mit Meisterschaftsgolfplatz, luxuriösem Wellnessbereich und einem "Höchstmaß an Service" wirbt. Gewohnt hätten die Beamten in Standard-Doppelzimmern, die pro Nacht ab 99 Euro kosten. Die Polizei sei zwar nicht häufig, aber schon ab und zu Gast in dem Hotel, sagt Haug.

Laut Polizeisprecher Mirko Streiber haben sich die Innenminister darauf geeinigt, dass die Unterkünfte für Beamte, die als Unterstützung in andere Bundesländer geschickt werden, einen gewissen Standard haben sollen. So werden sie nicht mehr in Turnhallen oder Kasernen untergebracht, sondern in Hotels.

+++ SO KRIMINELL IST IHR STADTTEIL +++

Ein Vier-Sterne-Hotel wie das Steigenberger Treudelberg sei allerdings nicht die Regel. Dieses sei gebucht worden, weil kein günstigeres an dem Wochenende derart viele Beamte samt Einsatzfahrzeugen hätte aufnehmen können. Es wurde bereits häufiger von der Hamburger Polizei gebucht. Es heißt, dass es Sonderkonditionen gibt. Was der Einsatz der Hundertschaft aus Sachsen-Anhalt gekostet hat, will die Polizei jedoch nicht sagen. Geht man von normalen Konditionen aus, hat der Aufenthalt für eine Nacht 4950 Euro gekostet. Hinzu kommen Einsatzvergütung und Verpflegung.

"Dass wir immer mehr auswärtige Kräfte benötigen, ist das Ergebnis von Sparmaßnahmen bei der Bereitschaftspolizei", sagt Andreas Dressel, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Polizisten hätten einen sehr gefährlichen Job. "Das rechtfertigt, dass sie ordentlich untergebracht werden."