Polizei räumt nach Mai-Krawallen schwere Fehler ein

Hamburg. 36 Polizisten verletzt, Läden verwüstet, Scheiben eingeschlagen, Buswartehäuschen demoliert: Im Hamburger Schanzenviertel wurde der 1. Mai erneut zum Krawalltag. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten sahen sich die Polizisten einer unerwartet großen Schar von Randalierern gegenüber. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) sagte: "Die Prognose der Sicherheitsbehörden hat sich nicht erfüllt."

Die Gewerkschaft der Polizei wurde deutlicher: "Die Beamten sind verheizt worden", sagt Udo Koßel, der GdP-Landesvorsitzende. "Es gibt einen großen Frust bei den Einsatzkräften." Andreas Dressel, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, sprach von einer "Fehleinschätzung" der Polizeiführung und von einem "deutlich zu geringen Kräfteeinsatz".

In der Nacht zum 1. Mai hatten bis zu 200 Demonstranten vor der Roten Flora Holz und Müll aufgeschichtet und entzündet. Die Polizei musste erst Verstärkung aus den Betten holen, bevor sie die Lage in den Griff bekam. In der Nacht des Maifeiertags setzten sich die Krawalle fort, diesmal waren es rund 700 Gewalttäter. "Man muss einräumen, dass wir die Dimension gewalterlebnisorientierter Jugendlicher falsch eingeschätzt haben", sagte der Polizeisprecher Ralf Meyer. Die linke Szene war an den Krawallen nur wenig beteiligt. Viele ihrer Anhänger waren nach Berlin gereist, um bei den dortigen Demonstrationen mitzumachen. Innensenator Christoph Ahlhaus hatte im Vorfeld des 1. Mai verkündet, er werde dafür sorgen, dass die Polizei auf Krawallmacher gut vorbereitet sei.