Bernhard-Nocht-Quartier in Hamburg

Investor will sich Wünsche der Anwohner anhören

80 Eigentumswohnungen sind geplant. Bei den Anwohnern geht die Angst um vor „Vertreibung durch Aufwertung" – Stichwort Gentrifizierung.

Hamburg. Auf dem Tisch liegt das Konzept der Anwohner der Bernhard-Nocht-Straße, davor sitzen drei ältere Damen – sie lauschen. Und zwar den Ausführungen von Helmut Köhler und Andreas von Bargen. Deren Immobilienunternehmen hat einen Gebäudekomplex auf St. Pauli erworben und plant dort das Bernhard-Nocht-Quartier. Sehr zum Unmut einer großen Gruppe von St. Paulianern. Deren Interessensbündnis (NoBNQ) hat Köhler & von Bargen in den letzten Monaten ordentlich Dampf gemacht. 80 Eigentumswohnungen will der Investor auf St. Pauli bauen. Dagegen kämpft NoBNQ.

Es geht die Angst um vor „Vertreibung durch Aufwertung“ – Stichwort Gentrifizierung. Außerdem wollen die Anwohner mehr, und zwar am liebsten das Quartier selbst gestalten. Einen auf gemeinsame Orte zugeschnittenen Plan stellten sie vergangene Woche der Öffentlichkeit vor. Ihre Lieblingsidee: die Häuser an der Bernhard-Nocht-Straße und an der Erichstraße sollen von der Stadt zurückgekauft und genossenschaftlich organisiert werden. Die Pläne des Investors akzeptieren sie nicht – und sie reden auch nicht mit ihm. Deshalb reden Köhler, von Bargen und Kollegen jetzt in ihrem Besprechungszimmer mit den drei Damen – die stellvertretend, sagen sie, für 25 andere Ur-St.-Paulianer da sind. „Pro-Bernhard-Nocht-Quartier“ nennen sie ihre Initiative. Dabei wohnen sie gar nicht an der Bernhard-Nocht-Straße.

Ein modernes St. Pauli wollten sie trotzdem, sagen sie. Ein durchmischtes, „in dem auch Geschäftsleute sind“. Also nicht nur Junge, Alternative, Zugezogene. „Wir werden“, sagt Investor Helmut Köhler, „uns die Wünsche und Vorschläge der St. Paulianer anhören und dann versuchen, sie umzusetzen“. Zu vermelden gibt es noch nichts. Aber immerhin kommen Investor und Anwohner ins Gespräch. Nur ob es die richtigen Ansprechpartner sind? Für Köhler unbedingt – sonst will ja keiner mit ihm reden. Die „Häuserkämpfer“ von NoBNQ jedenfalls nicht. Was Köhler erzürnt. Er kann sich in einen regelrechten Furor reden angesichts der kalten Schulter, die ihm die Anwohner vor Ort zeigen. Eine Baugenehmigung haben Köhler & von Bargen noch nicht, wohl aber einen gültigen Bauvorbescheid.

Laut Köhler ist die Erteilung der Baugenehmigung nur ein formaler Akt – aber im Hinblick auf Nachträge korrigierbar. Nach Abendblatt-Informationen dringt der Bezirk darauf, dass die Hälfte der sanierten Wohnungen vermietet wird. Da will sich Köhler noch bedeckt halten. Man merkt ihm an, dass ihn die „mangelnde Kompromissbereitschaft“ von NoBNQ nervt. „Die Häuser und Grundstücke sind privat und gehören uns. Wir spüren keinen Druck, können machen, was wir wollen.“ Was angesichts der Stimmung in der Öffentlichkeit unwahrscheinlich ist: Spätestens seit der Causa Gängeviertel gilt es als schick, sich gegen Investoren zu wehren. Und darauf, dass Köhler & von Bargen um ihren guten Ruf fürchten, setzt NoBNQ.