St. Pauli: Charme des Viertels gefährdet?

Anwohner-Protest gegen Bernhard-Nocht-Quartier

Viele Anwohner befürchten durch den Bau des Bernhard-Nocht-Quartiers die Vernichtung preiswerten Wohnraums.

Hamburg. Anwohner wehren sich gegen die Vernichtung preiswerten Wohnraums im Hamburger Stadtteil St. Pauli. „Es reicht, die Verdrängung muss gestoppt werden“, sagte ein Sprecher der Initiative „No Bernhard-Nocht-Quartier" (BNQ). Zwischen Hafenrand und Reeperbahn sollen zahlreiche alte Häuser modernisiert werden und luxuriöse Eigentumswohnungen entstehen. St. Paulianer, die sich zu dem Aktionsbündnis „No BNQ“ zusammengeschlossen haben, wollen eine weitere Verteuerung und Veränderung des Viertels sowie die damit verbundene Abwanderung einkommensschwacher Mieter nicht hinnehmen.

"Bevor der Charme von St. Pauli verloren geht und wir alle nur noch Zaungäste sind, fordern wir zivilen Ungehorsam gegen diese Pläne“, sagte der Hamburger Künstler Christoph Schäfer. Als Zeichen der wachsenden Unruhe in unmittelbarer Nähe der einst umkämpften Hafenstraßen-Häuser hängten die Anwohner gelbe Wimpel mit der Aufschrift „No BNQ“ aus den Fenstern. Der Anwalt Marc Meyer kritisierte die mangelnde Information durch den Immobilieninvestor „Köhler & von Bargen“. „Die Mieter werden hier über die Bebauungspläne gezielt im Unklaren gelassen“, sagte der Hamburger Anwalt.

Statt weiterer Luxuswohnungen fordern die Aktivisten sozialen Wohnungsbau und wollen selbst mitentscheiden, wie es in dem Viertel in Zukunft aussehen soll. Als positives Beispiel für innovative Stadtentwicklung nannten die Initiatoren das Projekt Park Fiction, ein von Anwohnern selbst gestalteter Park an der Hafenstraße hoch über der Elbe. (dpa/lno)