Schanze: Bürger machen Bezirkspolitikern schwere Vorwürfe

Anwohner gegen "Ballermannisierung"

Anlieger der Susannenstraße befürchten mehr Lärm und kritisieren einen Polizeieinsatz bei einem Politikeressen.

In der Schanze kriselt es heftig: Neben dem Ärger um die Außengastronomie an der Susannenstraße muss sich die Bezirksversammlung Altona in ihrer heutigen Sitzung (18 Uhr, Louise-Schroeder-Schule, Thedestraße 100) mit einem umstrittenen Polizeieinsatz am Schulterblatt während einer Diskussionsrunde auseinandersetzen.

Anwohner der Susannenstraße erhoben bei der Sitzung des Regionalausschusses Altona am Dienstagabend schwere Vorwürfe gegen die Politiker. "Wir können nicht zulassen, dass es zu einer Ballermannisierung der Straße kommt", sagte einer der etwa 100 anwesenden Schanzen-Anwohner. Hintergrund ist der Beschluss der Bezirksversammlung, dass Restaurants und Kneipen ihre Außenflächen in Zukunft auf die Parkbuchten auslagern sollen. Mit dieser Entscheidung will der Bezirk den Konflikt zwischen Fußgängern und Gastronomen schlichten, die ihre Tische bisher auf dem Gehweg aufstellen. Die Anwohner befürchten durch die Regelungen, dass mehr Menschen in die Susannenstraße kommen und so der Müll sowie der Lärmpegel auf ein "unerträgliches Maß ansteigen würde". Insgesamt 30 Parkplätze könnten durch die Umbaumaßnahmen verloren gehen. Der Ärger vieler Anwohner richtete sich gegen die Vertreter der GAL, die mit der CDU die Mehrheit im Bezirk bildet. "Viele von uns haben Sie gewählt. Wie können Sie den Beschluss unterstützen?", fragte Wolfgang Neumann die GAL-Bezirksfraktionschefin Gesche Boehlich.

Mit einem dringlichen Antrag folgt die SPD-Fraktion nun den Bedenken. Sie fordert die Bezirksversammlung auf, den Beschluss zur Außengastronomie zurückzunehmen und wirft der CDU-GAL-Koalition vor, ohne Koordination mit Sanierungsbeirat und Bürgern gehandelt zu haben.

Eine ähnliche Brisanz ist in der Diskussion um den Polizeieinsatz am Schulterblatt zu erwarten. Die Linke wirft Vertretern der Bezirksversammlung aus CDU, GAL und SPD vor, dass sie zu Lasten der Steuerzahler kürzlich bei einem Abendessen von einer Hundertschaft Polizisten geschützt werden mussten.

Zuvor war ein Runder Tisch zur Ausrichtung des Schanzenfestes wegen Pöbeleien von Demonstranten gescheitert, die Bezirkspolitiker und einige Teilnehmer der Runde wichen daher auf ein nahes Restaurant aus und mussten dort weiter von Polizisten vor den Demonstranten geschützt werden. (mbe)