Stadtentwicklung in Hamburg

Nocht-Quartier: Anwohner legen eigenes Konzept vor

Eindeutiges Zeichen an das Bezirksamt: Die Anwohnerinitiative NoBNQ hat einen eigenen Plan, nach dem ihr Quartier gestaltet werden soll.

Hamburg. Ihr Konzept tragen sie vor wie Seminaristen, aber ihr Vortrag selbst ist fast schwelgerisch: Die Anwohnerinitiative NoBNQ hat nun einen eigenen Plan, nach dem ihr Quartier gestaltet werden soll. Sie stellte ihn gestern der Öffentlichkeit vor - und sendete damit ein eindeutiges Zeichen an Bezirksamt, Bezirkspolitiker und Investor. Jedenfalls möchten es die Anwohner so verstanden wissen. "Wir lassen nicht locker", sagte Christoph Schäfer stellvertretend für die Initiative.

Das Hamburger Immobilienunternehmen Köhler & von Bargen will im Süden St. Paulis 80 Wohnungen renovieren. Unlängst haben die Anwohner erkämpft, dass ihre Mieten zehn Jahre lang nicht steigen. Das Konzept "Bernhard-Nocht-Quartier" gefällt ihnen trotzdem nicht: Sie wollen ein öffentliches Planungsbüro, in dem alle Anwohner mitarbeiten, außerdem Sozialwohnungen, Häuser als Treffpunkt des Austauschs, Kinderladen, Gemeinschaftssäle, einen glasüberdachten Innenhof, begehbare, gemeinsam genutzte Dächer, eine genossenschaftlich geführte Hafenbrauerei. Nach dem Motto: Die Stadt ist unser Produktionsort, und wir entziehen St. Pauli dauerhaft dem Spekulationsmarkt. Wie das gehen soll? "Das Quartier kann dem Besitzer wieder abgekauft werden", sagen die Anwohner. Ganz bestimmt nicht, sagt dagegen Michael Osterburg (Fraktionsvorsitzender der GAL in Mitte): "Köhler & von Bargen hat eine Baugenehmigung, wir sind froh über ihr Engagement, ohne die Anliegen der Anwohner zu vergessen."

Für ihre charmante, aber etwas unrealistische Planung will NoBNQ in den nächsten Wochen eine Kalkulation erstellen. Für eine Spinnerei halten sie ihre Idee des Stadtraums, dessen Gestaltung von den Bürgern übernommen wird, nicht. "Ein Umdenken ist möglich", sagen die Aktivisten selbstbewusst - und legen lieber utopisch klingende Ideen vor, als gar nichts zu tun. Die Politiker, sagt Schäfer, sympathisierten mit NoBNQ -"also müssen jetzt Taten folgen".