Corona

Hamburger Impfzentrum ertappt jeden Tag zehn Mogler

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Christoph Rybarczyk

Im Video: So funktioniert das Hamburger Corona-Impfzentrum

Das Impfzentrum in den Messehallen ist das größte in Deutschland. Wenn ausreichend Impfstoff da ist, sollen hier täglich 7000 Menschen geimpft werden.

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Wer einen Termin bei 116 117 oder online ergattert hat, wird vor Ort erneut geprüft. Dr. Heinrich: Wer sich vordrängelt, ist asozial.

Hamburg. Ist die Not so groß, oder gibt es tatsächlich viele Betrüger, die sich ohne Berechtigung eine Corona-Impfung erschleichen wollen? Im Hamburger Impfzentrum in den Messehallen werden Tag für Tag etwa zehn „Impf-Schleicher“ ertappt, die sich zur Immunisierung hineinmogeln mogeln, obwohl sie nicht über 80 Jahre alt sind oder zu einer bevorzugten Berufsgruppe gehören. Das sagte der medizinische Leiter des Impfzentrums, Dr. Dirk Heinrich, dem Abendblatt.

Die gute Nachricht sei, dass diese Menschen schnell ertappt werden „und dann gleich auch wieder nach Hause gehen können“, so Heinrich. Die schlechte: Die Zahl der Versuche geht offenbar nicht zurück – auch weil es öffentlich gewordene Beispiele von Halb-Prominenten gibt, die unter fragwürdigen Umständen vorzeitig geimpft wurden.

Corona: Impf-Vordrängler in Hamburgs Behörden und im DRK

Darunter sind auch ein inzwischen zurückgetretener DRK-Vorstand in Harburg sowie die Staatsrätin der Sozialbehörde, Petra Lotzkat. Sie sollen Impfdosen von den mobilen Impfteams erhalten haben, die mutmaßlich sonst verfallen wären.

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Im Impfzentrum tauchen Kandidaten auf, die sich online einen Termin haben geben lassen, obwohl keine Impfberechtigung vorliegt. Ein „unmögliches Verhalten“ nannte Heinrich das. „Wir haben einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir erst einmal die über 80-Jährigen impfen und die in Pflegeheimen wohnen. Wer sich vordrängelt und einem 80-Jährigen die Möglichkeit nimmt, geimpft zu werden, ist letztendlich egoistisch und asozial. Wenn dieser 80-Jährige sich infiziert und möglicherweise stirbt, trägt der, der sich vorbeimogelt, ein gerüttelt Maß an Verantwortung dafür.“

Politiker und Bischöfe haben sich bereits impfen lassen

Wie die Nachrichtenagentur dpa in einer Umfrage ermittelt hat, haben sich in mindestens neun Bundesländern Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen, die dazu keine Berechtigung hatten. Es handele sich um Kommunalpolitiker, Bischöfe und andere Geistliche sowie zum Teil hochrangige Feuerwehrleute und Polizisten.

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In Niedersachsen ließen sich der Landrat von Peine und sein Stellvertreter impfen – beide baten inzwischen dafür um Entschuldigung. Der Krisenstab wies die Impfzentren an, die übriggebliebenen Dosen unbedingt zu benutzen, daran würde sich in der Regel auch gehalten. Kontrolliert werde das aber nicht. „Wir werden nicht neben jede Impfstraße einen Polizisten oder einen Notar stellen“, sagte Krisenstabsleiter Heiger Scholz.

Möglicherweise wird sich die Lage entspannen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Zurzeit wird der von AstraZeneca in Hamburg im Impfzentrum an Berechtigte verimpft, die jünger als 65 sind, also vornehmlich Pflegemitarbeiter. Am Dienstag wird eine weitere Messehalle für das Impfzentrum mit drei von dann insgesamt acht Modulen eröffnet. In Zukunft soll die Kapazität bei 7000 Imfpkandidaten pro Tag liegen. In der vergangenen Woche waren es am Donnerstag mehr als 1800 in den Messehallen.

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