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Biontech: Neuer Impfstoff aus dem Hamburger Umland

| Lesedauer: 34 Minuten
Die Dermapharm-Tochter Allergopharma aus Reinbek soll im Mai in die Produktion des Biontech-Impfstoffs einsteigen.

Die Dermapharm-Tochter Allergopharma aus Reinbek soll im Mai in die Produktion des Biontech-Impfstoffs einsteigen.

Foto: Imago/Laci Perenyi

Der Überblick: Tschechische Bahn stellt Züge nach Deutschland ein. 99 Infektionen in Husumer Schlachthof. Hoffnung auf Kita-Öffnung.

Hamburg. Da ist langer Atem gefragt: Der Corona-Lockdown geht bis in den März hinein weiter. Lockerungen noch im Februar gibt es in Schleswig-Holstein unter anderem für Schulen und Kitas. Danach sind die Friseure an der Reihe. In Hamburg bleiben die Schulen bis zu den Märzferien weiter geschlossen, auch bei den Kitas wird es keine Lockerungen geben.

Unterdessen wurden in Hamburg am Freitag 228 neue Corona-Fälle sowie weitere elf an Covid-19 verstorbene Menschen gemeldet. Die Inzidenz liegt nun bei 67,1 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern.

Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Hier geht es zu den aktuellen Corona-Nachrichten für Hamburg und den Norden.

Die wichtigsten Corona-Nachrichten für Hamburg und den Norden am 12. Februar:

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 6559 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 226.074), 552 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 77), 2085 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert: 2051,3 (Stand: Mittwoch).
  • Schleswig-Holstein: 5730 neue Corona-Fälle (199.325), 338 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 45). 1942 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert: 959,0, Hospitalisierungsinzidenz: 6,36 (Stand: Dienstag).
  • Niedersachsen: 10.937 neue Corona-Fälle (588.173), 126 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung in Krankenhäusern, 7062 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert: 770,1; Hospitalisierungsinzidenz: 7,3 (Stand: Mittwoch).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 4107 neue Corona-Fälle (134.270), 250 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 64), 1625 Todesfälle (+8), Sieben-Tage-Wert: 905,8; Hospitalisierungsinzidenz: 6,6 (Stand: Dienstag).
  • Bremen: 2292 neue Corona-Fälle (79.834), 173 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 21), 635 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1.530,4; Bremerhaven: 1.792,9; Hospitalisierungsinzidenz Bremen: 18,89, Bremerhaven: 18,49 (Stand: Dienstag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

211 neue Corona-Fälle in Schleswig-Holstein – Inzidenz sinkt

In Schleswig-Holstein sind innerhalb von 24 Stunden 211 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Genau eine Woche zuvor waren es 272 neu gemeldete Infektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank leicht weiter und lag am Freitag bei 60, wie aus Daten hervorgeht, die das Gesundheitsministerium in Kiel am Freitagabend veröffentlichte. Als Zielmarke gelten weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Covid-19 stieg um 20 auf 1121. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie nun 39.342 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert. 444 Corona-Patienten werden den Angaben zufolge derzeit in Schleswig-Holstein in Krankenhäusern behandelt. 84 von ihnen werden intensivmedizinisch behandelt, 57 mit Beatmung.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Tschechische Bahn stellt Züge nach Deutschland ein

Nach der Deutschen Bahn hat auch die Tschechische Staatsbahn (Ceske Drahy/CD) die vorübergehende Einstellung grenzüberschreitender Zugverbindungen angekündigt. Betroffen sind von Sonntag an der Expresszug zwischen Prag und München und die Linie R29 zwischen Cheb und Nürnberg, wie eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage mitteilte. Die Eurocity-Linie Prag-Hamburg endet bereits im nordböhmischen Grenzbahnhof Decin.

Die Regionalbahn zwischen Decin und Rumburk über das sächsische Bad Schandau wird durch Busse ersetzt, die deutsches Gebiet weiträumig umfahren. Andere Linien wie Karlovy Vary (Karlsbad)–Johanngeorgenstadt und Cheb–Hof verkehren nur auf tschechischem Gebiet bis zum letzten Bahnhof vor der Grenze. Die Züge zwischen Domazlice und Furth im Wald in der Oberpfalz fallen ganz aus. Die Bundesregierung hatte am Freitag die Regeln für die Einreise aus mehreren EU-Staaten erneut verschärft und teilweise auch stationäre Grenzkontrollen angeordnet. Neben Tschechien und Tirol in Österreich gilt ab Sonntag auch für die Slowakei wegen der Corona-Pandemie ein Beförderungsverbot.

Corona: Mittlerweile 99 Infektionen in Husumer Schlachthof

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachthof in Husum (Schleswig-Holstein) ist die Zahl der positiv getesteten Mitarbeiter auf 99 gestiegen. Bei 173 weiteren Beschäftigten sei der Test negativ ausgefallen, sagte eine Sprecherin des Kreises Nordfriesland. Es stünden noch etwa fünf Prozent der Ergebnisse aus. Es gebe in dem Fall keine Hinweise auf Mutationen.

Von dem Ausbruch sind neben der Stammbelegschaft mit rund 207 Beschäftigten auch ein externes Unternehmen mit insgesamt 105 Angestellten sowie etwa 20 Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes betroffen. Nach Bekanntwerden des Falls hatte das Gesundheitsamt für alle Mitarbeiter Quarantäne angeordnet. Der Kreis hat den Schlachthof bis zum Sonntag geschlossen. Voraussichtlich am Sonnabend werde über eine mögliche Verlängerung der Schließung entschieden.

Corona-Verordnung für Schleswig-Holstein verlängert

Schleswig-Holsteins Landesregierung hat die Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie fortgeschrieben. Damit gelten die aktuellen Lockdown-Bestimmungen unverändert bis zum 21. Februar fort, wie das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte. Die bisherige Verordnung läuft am Sonntag aus. In der kommenden Woche werde die Landesregierung verschiedene Änderungen umsetzen. So sollen vom 22. Februar an die Grundschulen und Kitas in den regulären Präsenzbetrieb übergehen. Zugleich können Fahrschulen wieder praktische Stunden für bestimmte Berufsgruppen geben.

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Der nächste Lockerungsschritt soll dann am 1. März folgen, mit der Öffnung von Zoos, Wildparks, Blumenläden, Gartencentern, Friseursalons und Nagelstudios. Zudem wird bestimmter Individualsport dann auch in der Halle möglich. Generell hatte die Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch beschlossen, den aktuellen Lockdown bis zum 7. März zu verlängern. Die Länder können aber entsprechend der Infektionslage auch eigene Regelungen treffen.

OVG weist Klage gegen Schließung von Friseursalons ab

Schleswig-Holsteins Oberverwaltungsgericht (OVG) hat einen Eilantrag gegen die andauernde Schließung von Friseurbetrieben als unbegründet abgelehnt. Der für Infektionsschutzrecht zuständige Senat halte das in der Corona-Bekämpfungsverordnung vom 22. Januar enthaltene Verbot von Dienstleistungen mit Körperkontakt samt Friseurleistungen nach summarischer Prüfung weiter für rechtmäßig, teilte das OVG am Freitag mit. Hausbesuche sowie Reparaturen von Perücken und Haarteilen für Chemotherapie-Patienten sind darin inbegriffen. Der Beschluss ist unanfechtbar (Az. 3 MR 6/21).

Antragsteller war der Landesobermeister der Friseurinnung, der in Wyk auf Föhr einen Salon betreibt. Bund und Länder haben mittlerweile beschlossen, dass Friseursalons am 1. März öffnen dürfen. Anders als Hörgeräte-Akustikern und Optikern komme Friseuren keine medizinische Relevanz zu, erläuterte das OVG.

Bereits Mitte Januar hatte der Senat entschieden, das Verbot von Friseurleistungen unterliege keinen rechtlichen Bedenken. An diesen Erwägungen halte er unter Verweis auf den Corona-Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 10. Februar fest, hieß es jetzt. Die Infektionslage habe sich infolge der diffusen Ausbreitung des Coronavirus und der inzwischen aufgetretenen Mutationen nicht wesentlich verändert. Dies gelte auch unter Berücksichtigung der Möglichkeit, körpernahe Dienstleistungen mit entsprechenden Hygienekonzepten und unter Verwendung medizinischer Masken zu erbringen.

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Letztlich gehe es immer noch darum, generell Kontakte auf der privaten Ebene, die nicht unbedingt erforderlich sind, in der Fläche zu reduzieren. In Anbetracht des Beschlusses der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten vom 10. Februar, wonach die Friseure ab
1. März wieder öffnen dürfen, könne auch nicht von einem „unbefristeten Berufsausübungsverbot“ die Rede sein.

Biontech-Impfstoff wird in Reinbek produziert

Die Produktion des Corona-Impfstoffes im Hamburger Umland rückt näher: Wie die Firma Dermapharm in einer für die Börse relevanten Ad-hoc-Mitteilung am Freitag erklärte, werde ihre Tochter Allergopharma aus Reinbek im Mai mit der Herstellung des Biontech-Vakzins beginnen. Eine Sprecherin sagte dem Abendblatt, dann würden auch schnell die ersten Dosen made in Reinbek die Hallen verlassen.

Das Unternehmen hat mit Biontech Stillschweigen vereinbart über die Zahl der Dosen, die produziert werden. Was man weiß: Es wird ein hoher zweistelliger Millionenbetrag an Umsatzzuwachs erwartet. Die Produktion in Reinbek wird ausgebaut. Der Börsenkurs von Dermapharm schoss von 58 (11 Uhr) auf zwischenzeitlich 63 Euro (15 Uhr) in die Höhe.

Bezirksversammlung zieht in Barclaycard-Arena

Weil der Kollegiensaal ihres Rathauses angesichts der Corona-Auflagen zu klein ist für 51 Politiker, wird die Bezirksversammlung Altona (BV) für ihre Sitzung am 25. Februar erstmals in die Barclaycard-Arena ziehen. Das hat der Hauptausschuss nach einer hitzigen Debatte entschieden. Kosten für die Sitzung: Rund 750 Euro Miete für die Arena und 500 Euro für Corona-Test der Abgeordneten.

Lesen Sie hier die Hintergründe des BV-Umzugs.

Bobbycar-Protest auf dem Rathausmarkt

Um auf den stark eingeschränkten Alltag von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Zeit aufmerksam zu machen, plant die Hamburger Landesgruppe des neu gegründeten Vereins „Initiative Familien“ einen stummen Protest auf dem Rathausmarkt. Dazu sollen dort am Sonnabend ab 12 Uhr Bobbycars, Dreiräder, leere Kinderwagen und verwaiste Kinderstühlen installiert werden.

Verknüpft wird die Aktion mit einem Appell an den Senat. „Lassen Sie die Kinder in die Schulen und Kitas zurückkehren“, sagt Anna-Maria Kuricová von der Initiative Familien Hamburg. „Hygienekonzepte liegen vor, Schnellteststrategien können den Betrieb von Bildungseinrichtungen weiter absichern. Zögern Sie nicht länger, denn für die Kinder zählt jeder Tag.“

Polizei löst Grünkohlessen im Hinterzimmer auf

Zur Grünkohlsaison gehört gemeinsames Essen. Nur während Corona geht das nicht, und darüber haben sich acht Geschäftsleute in Delmenhorst hinweggesetzt. Die Polizei löste das Treffen nach Mitteilung vom Freitag auf. Auf die Beteiligten warten den Angaben nach hohe Bußen im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Den Beamten war am Donnerstagabend aufgefallen, dass mehrere Personen ein Hotel an der Bremer Straße durch den Hintereingang betraten, aber nicht wieder herauskamen. Eine Überprüfung ergab, dass drinnen acht Personen gemeinsam am Tisch saßen, gesellig Grünkohl aßen und Alkohol tranken. Auf einem großen Fernseher lief ein Fußballspiel. Die Geschäftsleute, alle angesehen und in der Stadt wohlbekannt, hätten weder Masken getragen noch Abstände eingehalten.

Delmenhorst zwischen Oldenburg und Bremen war im Oktober ein Hotspot von Corona-Infektionen gewesen. Zeitweise wurde dort eine Inzidenz von über 200 Fällen auf 100.000 Einwohner in einer Woche ermittelt. Das Verhalten der Geschäftleute sorgte bei der Stadt und der Polizei Delmenhorst für großes Unverständnis, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung: "Die in diesem Fall betroffenen Geschäftsleute haben aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung unter anderem gegenüber ihren Angestellten eine Vorbildfunktion, gegen die sie durch ihr Handeln vorsätzlich verstoßen haben."

Schulen: Wirtschaftsrat fordert "Chief Digital Officer"

Auch der Wirtschaftsrat der CDU Hamburg spricht sich für regelmäßige Tests von Schülern und Lehrkräften aus (siehe auch vorigen Eintrag). „Idealerweise täglich, wenigstens aber einmal wöchentlich“, heißt es in einem Schreiben von Freitag. Auch eine generelle Maskenpflicht an Schulen und eine schnellere als bisher geplante Impfung der „für unsere Gesellschaft systemrelevanten“ Lehrer trage zu mehr Sicherheit bei. „Hier sollten alle Bundesländer an einem Strang ziehen“, sagt Wirtschafstrats-Landesgeschäftsführer Henning Lindhorst.

„Zum Wohle unserer Kinder müssen die Schulen und Kitas so schnell wie möglich und als erstes öffnen“, so Lindhorst. Gleichzeitig müsste die Verbesserung des digitalen Unterrichts auch nach einer sukzessiven Schulöffnung „oberste Priorität“ haben. „Der Wirtschaftsrat Hamburg empfiehlt daher, digitale Bildung zum Schwerpunkt der Kultusministerkonferenz zu machen und einen Chief Digital Officer für die Koordinierung zwischen den Ländern einzusetzen“, sagt Lindhorst. Geld alleine löse das Problem nicht, das habe „die schleppende Ausschüttung der Mittel aus dem Digitalpakt Schule“ deutlich gezeigt.

Hamburger Eltern appellieren an Sozial- und Schulbehörde

Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung Hamburg (LEA) weist die Schulbehörde „ausdrücklich“ darauf hin, im Zuge der beim Bund-Länder-Gipfel beschlossenen Prüfung einer Impfpriorisierung des Kita- und Grundschulpersonals auch die Erzieher im Ganztag zu berücksichtigen. „Die Kitas sind bei der anstehenden Öffnung ebenso als Bildungsort anzusehen und unter Einhaltung von angemessenen Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen schnellstmöglich wieder zu öffnen“, heißt es in einer Stellungnahme des LEA von Freitag.

Der „gesellschaftliche Stellenwert der Rechte unserer Kinder- und Jugendlichen“ solle weiter nicht hinter wirtschaftlichen Interessen anstehen. An Schulen und Kitas plädieren die Eltern für kindgerechte Testmethoden. Die Ergebnisse wiederum müssten dazu genutzt werden, um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen in Kindergärten und Ganztagsgrundschulen zu sammeln.

Mehr zum Schulthema lesen Sie hier:

„Hier ist es nun die Aufgabe für Hamburg, eine konkrete Umsetzungsstrategie zu formulieren“, schreibt der LEA, der dazu „ausdrücklich“ für Gespräche mit der Sozial- und Schulbehörde zur Verfügung stehe: „Wir appellieren an alle Beteiligten im Bildungs- und Betreuungsbereich, nun im gemeinsamen Dialog die bestmögliche Strategie für Hamburg auszuarbeiten.“

Shoppingtourismus? SPD attackiert Günther

Der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Vogel hat Schleswig-Holsteins Landesregierung fehlende Absprachen mit Hamburg bei geplanten Corona-Lockerungen vorgeworfen. „Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) stellt durch sein Verhalten das gute Verhältnis erneut auf die Probe“, sagte Vogel am Freitag der dpa. „Wir alle erinnern uns noch an das Kommunikationsdesaster zu Beginn der Pandemie und die Probleme, die für Hamburger und Schleswig-Holsteiner daraus entstanden.“

Noch am Donnerstag habe der Regierungschef im Landtag eine gemeinsame Absprache mit den norddeutschen Bundesländern für notwendig erklärt, sagte Vogel. „Offensichtlich sind seine Worte schon weniger als einen Tag später nichts als heiße Luft.“ Anders könne es nicht verstanden werden, warum das Land ab 1. März Blumenläden, Nagelstudios, Gartencenter und Zoos öffne, während Hamburg dort keine Öffnung plane. „Das wird einen Shopping- und Besuchstourismus erzeugen, der in der jetzigen Phase der Pandemie unbedingt vermieden werden sollte.“

Beide Landesregierungen betonten immer wieder die enge freundschaftliche Beziehung, sagte Vogel. „Wer sich als guten Freund bezeichnet, darf den anderen nicht immer wieder mit Alleingängen vor dem Kopf stoßen.“ Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) hatte die von Schleswig-Holstein und auch Niedersachsen angekündigten Lockerungen am Donnerstag scharf kritisiert. Alle Länder täten gut daran, die Beschlüsse der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin von Mittwochabend ernstzunehmen.

Kita-Öffnung in Hamburg noch vor März?

Die Hamburger Kindertagesstätten sollen bereits vor Ende der Frühjahrsferien aus dem Notbetrieb herausgehen. Derzeit sei man mit den Trägern im Gespräch, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, am Freitag. „Wir hoffen, schon Anfang des Monats die ersten Schritte in Richtung regulärer Kitabetrieb gehen zu können.“

Die Frühjahrsferien beginnen in Hamburg am 1. März. Vor einer Öffnung müssten aber das Infektionsgeschehen und mögliche Auswirkungen der Virusmutanten auf Kinder genau beurteilt werden.

Die Kitas befinden sich derzeit wegen der Corona-Pandemie im sogenannten erweiterten Notbetrieb, etwa ein Drittel der Kinder wird dort aber weiterhin betreut. Für die Schulen ist mit Lockerungen erst nach den zweiwöchigen Ferien zu rechnen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte es abgelehnt, die Schulen noch vor dem frühen Ferienbeginn in der Stadt für wenigen Tage zu öffnen.

Hamburg: Corona-Fälle in Pflegeheimen halbiert

Die Sozialbehörde sieht in der sinkenden Zahl von Corona-Fällen in den Hamburger Pflegeheimen erste Auswirkungen der Impfkampagne. So hätten sich die Zahlen der Infizierten und der betroffenen Einrichtungen binnen eines Monats halbiert, sagte der Sprecher Helfrich am Freitag. „Wir sehen hier einen merklichen und stabilen Abwärtstrend.“ Dies sei insbesondere erfreulich, „weil die Zahl der Betroffenen in den Einrichtungen sehr hoch war und es viele Todesfälle gab“.

Zwar gehe das Infektionsgeschehen in der Stadt insgesamt zurück. Den deutlichen Rückgang in den Pflegeeinrichtungen führe man aber auf die strengen Maßnahmen und Tests, „aber auch schon auf die Impfkampagne zurück“, erklärte Helfrich.

Seien vor einem Monat noch rund 660 Bewohner und mehr als 330 Mitarbeiter von 65 Pflegeeinrichtungen betroffen gewesen, gebe es derzeit nur noch bei 228 Bewohnern und 119 Beschäftigten in 38 Einrichtungen Corona-Fälle. In zwei Wochen, am 26. Februar, werden den Angaben zufolge die letzten Bewohner eines Pflegeheims ihre zweite Impfdosis erhalten. Damit wäre dann die Impfung der Gruppe der Menschen mit der höchsten Priorität abgeschlossen.

Hamburg: Todeszahl steigt, Inzidenzwert stagniert

In Hamburg sind am Freitag laut Gesundheitsbehörde 228 neue nachgewiesene Corona-Fälle hinzugekommen. Das sind 34 mehr als am Vortag (194). Die Inzidenz, also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, stieg leicht von 66,8 auf 67,1. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 73,6 gelegen; 221 Neuinfektionen wurden an dem Tag gemeldet.

Die Zahl der seit Beginn der Pandemie an oder mit dem Virus Gestorbenen erhöhte sich laut dem Robert Koch-Institut (RKI) um elf auf 1178. Die Gesamtzahl der bislang bestätigten Infektionen in Hamburg beträgt 48.695. Etwa 42.900 Menschen gelten nach RKI-Angaben inzwischen als genesen.

In den Krankenhäusern der Hansestadt wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde mit Stand Donnerstag 322 Covid-Patienten behandelt und damit zwölf weniger als am Vortag. Auf den Intensivstationen lagen am Freitag 72 Corona-Kranke (Donnerstag: 71).

Hamburg: Neue Impftermine am 18. Februar

In Hamburg waren die gestern etwa 2500 neu angebotenen Impftermine (plus die dazugehörigen Zweittermine) umgehend ausgebucht. Weitere Termine soll es am kommenden Donnerstag geben. Parallel dazu werden derzeit Tausende Beschäftigte in der ambulanten Pflege über ihre Arbeitgeber aufgerufen, sich einen Termin im Impfzen­trum zu holen.

In dem Zusammenhang hat die Sozialbehörde erneut klargestellt, dass sich nur Bürger mit Wohnsitz Hamburg in der Hansestadt impfen lassen dürfen. Ausnahmen gebe es nur für Mitarbeiter im medizinischen Bereich, von Pflegediensten oder im Rettungswesen, die unabhängig von ihrem Wohnort über ihre Hamburger Arbeitgeber aufgefordert werden, sich impfen zu lassen. Daher sei es technisch möglich, sich auch als Nicht-Hamburger über die Terminbuchungsplattform einen Impftermin in Hamburg zu holen.

Das bedeute jedoch nicht, dass diese Möglichkeit jedem Umland-Bürger offenstehe, betonte Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde: „Die Terminvereinbarung allein stellt keinen Anspruch auf eine Schutzimpfung dar. Die Berechtigung wird erst vor Ort überprüft.“ Dabei gelte: Wer zu den genannten Gruppen zählt und eine Arbeitgeberbescheinigung vorlegt, wird geimpft – wer das nicht nachweisen kann, nicht. „Das Personal im Impfzentrum ist angewiesen, nicht berechtigte Personen abzuweisen, und darf in diesen Fällen keine Schutzimpfung anbieten“, so Helfrich.

Impf-Ausnahmen sorgten für Kritik

Zuletzt berichteten nahezu täglich Abendblatt-Leser aus Schleswig-Holstein, wie glücklich sie waren, einen Termin in Hamburg ergattert zu haben, dann aber dennoch im Impfzentrum abgewiesen wurden. Für zusätzlichen Ärger sorgte die Beobachtung, dass dabei vereinzelt Ausnahmen gemacht wurden.

Die Verwirrung war unter anderem dadurch entstanden, dass beide Bundesländer zu Beginn der Impfungen hatten durchblicken lassen, dass man das Wohnortprinzip nicht allzu eng nehmen werde. Das habe jedoch immer nur für die genannten Berufsgruppen gegolten, betonte Helfrich – und gelte weiterhin.

Bündnis bangt wegen um Hamburger Innenstadt

Das „Bündnis für die Innenstadt“ - ein Zusammenschluss von Händlern, Touristikern und Verbänden - hat angesichts der Corona-Auflagen vor einem Niedergang der Hamburger City gewarnt. „Nicht weniger als die Zukunft der Hamburger Innenstadt steht auf dem Spiel“, sagte Handelskammer-Vizepräses Niels Pirck am Donnerstagabend laut einer Mitteilung bei einer Gesprächsrunde unter Moderation von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Zwischenzeitliche Teilöffnungen, neuerliche Schließungen und nicht absehbare, aufeinander abgestimmte Öffnungsperspektiven sowie der zum Erliegen gekommene Tourismus hätten Händler, Gastronomen und Hoteliers in eine dramatische wirtschaftliche Situation gestürzt.

„Der Handlungsdruck ist enorm groß, die Innenstadt als lebendigen, multifunktionalen und attraktiven Mittelpunkt der Metropolregion zu erhalten und auch für die Zukunft gut aufzustellen“, sagte Pirck. Neben sofort anzugehenden Dingen wie der raschen Auszahlung der Nothilfen, im Norden abgestimmter Öffnungsperspektiven und einer neuen Tourismusstrategie sei auch ein langfristiges Konzept nötig. „Wir brauchen dringend einen Masterplan für die Hamburger Innenstadt, der alle Funktionen wie Handel, Wohnen, Wirtschaft, Kultur, Tourismus oder Gastronomie mitdenkt“, sagte Pirck.

Entscheidend seien dabei Ideen zur Erreichbarkeit und Mobilität sowie die Verknüpfung der Innenstadt mit umgebenden Quartieren wie der HafenCity. Aus Sicht des Bündnisses ist dazu ein städtebaulicher Wettbewerb für zentrale Innenstadtbereiche wie den Jungfernstieg oder den Hauptbahnhof nötig. Dem Bündnis gehören unter anderem die Handelskammer, das City Management Hamburg, der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, der Handelsverband Nord und der Tourismusverband an.

Die neuen Corona-Regeln für Niedersachsen

In Hannover hat Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, am Freitagvormittag die Änderungen an der Niedersächsischen Corona-Verordnung erläutert, die ab Sonnabend, 13. Februar, in Kraft tritt.

Bei den "körpernahen Dienstleistungen" dürfen unter anderem Friseure ab 1. März wieder öffnen, im Bereich der Prostitution wurde indes eine Klarstellung vorgenommen – diese ist nun ausnahmslos und in allen Bereichen verboten. Neu auch: Ab sofort ist ein negativer PCR-Test verbindlich, um die Quarantänezeit zu verkürzen.

Auch Blumenläden und Gartencenter dürfen in Niedersachsen wie erwartet von Sonnabend an wieder öffnen. Schröder begründete den Schritt damit, dass es sich überwiegend um verderbliche Ware und saisonale Angebote handele.

Für die Floristen kommt die Lockerung damit gerade noch rechtzeitig vor dem für die Branche wichtigen Valentinstag am 14. Februar. Schröder bezeichnete die Öffnung zu diesem Datum als eine „gute Gelegenheit“.

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Das Nachbarland Hamburg hatte die geplanten Lockerungen in Niedersachsen und auch Schleswig-Holstein am Donnerstag kritisiert. Ministerpräsident Stephan Weil hatte dagegen auf andere Nachbarländer verwiesen, die den Blumenverkauf ebenfalls schon zugelassen hätten. „Natürlich hoffen wir auch, dass das ein kleiner Stimmungsaufheller ist“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag dem Radiosender ffn.

Millionenhilfen für vier Nord-Flughäfen

Bei den Corona-Hilfen für die deutschen Flughäfen will sich der Bund auf die 15 größeren Airports konzentrieren. Darunter sind auch die Standorte Hannover, Bremen und Münster/Osnabrück. Das geht aus einem Kompromisspapier hervor, auf das sich Fachministerien und Regierungsfraktionen nach dpa-Informationen am Donnerstag in Berlin geeinigt haben.

Neben den Zahlungen von rund 400 Millionen Euro an die drei Flughäfen mit Bundesbeteiligung, also Berlin, München und Köln-Bonn, will der Bund mit 200 Millionen Euro nicht rückzahlbaren Zuschüssen zwölf größeren Flughäfen von verkehrspolitisch hoher Bedeutung helfen, bei denen er nicht Eigentümer ist. Dies sind laut einem Papier aus Koalitionskreisen die Flughäfen Bremen, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Leipzig, Münster/Osnabrück, Nürnberg, Saarbrücken und Stuttgart. Konkret geht es um die Erstattung von Kosten für das Offenhalten von Flughäfen zu Beginn der Corona-Pandemie.

Voraussetzungen für die Unterstützung des Bundes ist demnach, dass die jeweilige Länder einen Zuschuss in gleicher Höhe leisten, für das Jahr 2020 keine Dividenden ausgeschüttet und an Geschäftsführer und Vorstände der Betreibergesellschaften keine Boni gezahlt werden. Die Länder hatten zuvor ihre generelle Bereitschaft für ein 50-50-Modell erklärt, das Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgeschlagen hatte. Bei dem Gesamtpaket geht es um weit mehr als eine Milliarde Euro, hieß es.

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Ohne direkte Bundesförderung müssten die Internationalen Flughäfen Dortmund, Paderborn, Weeze, Friedrichshafen, Hahn und Karlsruhe-Baden-Baden auskommen. Auch regionale Flughäfen wie Memmingen, Kassel, Lübeck oder Rostock würden leer ausgehen.

Impfung: Hamburger Kirchengemeinde hilft Senioren

Angesichts der zum Teil problematischen Buchung von Impfterminen bietet die evangelische Luther-Gemeinde in Wellingsbüttel ihren betagten Gemeindemitgliedern Hilfe an. „Wir haben mithilfe unserer Mitgliederkartei alle über 80 Jahre alten Gemeindemitglieder angeschrieben“, sagt Anja Pasche von der Lutherkirche. „517 Briefe haben wir verschickt und innerhalb von zwei Wochen gut 100 Rückmeldungen bekommen.“ Noch immer trudeln Antworten ein. „Viele bedanken sich bloß, einige wollten besucht werden. Und für neun Gemeindemitglieder habe ich Impftermine gebucht“, sagt Pasche.

Sie bucht Online und in der Regel kurz nach Mitternacht. „Da werden oft neue Termine eingestellt, so dass nicht alles schon belegt ist“, sagt sie. Das Verfahren ist kompliziert. Zunächst muss die Impfberechtigung bestätigt werden. Eine Handynummer und eine Mailadresse sind zu hinterlegen. Dann kommt per SMS eine sechsstellige Nummer, die nur 10 Minuten gültig ist. Mit ihr muss sich der Impfberechtigte online ausweisen und bekommt dann per Mail zwei zwölfstellige Codes zugeschickt, mit denen er schließlich die Termine im Onlineportal buchen kann.

„Das überfordert viele Senioren“, sagt Pasche. Aber jetzt stehen die Termine. Pasche will ihre „Kunden“ auch hinbringen. „Wir fahren mit dem Kirchenbus“, sagt sie. Normalerweise organisiert die Diplom-Theologin die Konfirmanden- und Altenbetreuung und vor allem die Kita der Kirche. Alles läuft coronabedingt derzeit auf Sparflamme. „Da habe ich überlegt, was ich tun kann“, sagt Pasche.

Hamburg: Anteilig wenigste Impfberechtigte

Sowohl nach Maßstäben der Bundesregierung als auch der Ständigen Impfkommission (Stiko) hat Hamburg im Vergleich mit den anderen Bundesländern anteilig die jeweils kleinste Gruppe an altersbedingt impfberechtigten Bürgerinnen und Bürgern. Das geht aus aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor.

Die Priorisierung gemäß der Impfverordnung der Regierung:

  1. Menschen im Alter von 80 Jahren und älter (Impfung seit Ende 2020)
  2. Menschen im Alter von 70 bis unter 80 Jahren
  3. Menschen im Alter von 60 bis unter 70 Jahren

Stand Ende 2019 war der Anteil der 70- bis unter 80-Jährigen in Relation zur Gesamtbevölkerung des jeweiligen Bundeslandes in Sachsen-Anhalt mit 11,1 Prozent am höchsten (243.000 Menschen). Am niedrigsten war der Anteil der Menschen in dieser Altersgruppe mit 8,0 Prozent in Hamburg (rund 148.000 Menschen).

Auch der Anteil der 60- bis unter 70-Jährigen (bundesweit: 12,6 Prozent/10,5 Millionen Menschen) war in Hamburg am niedrigsten (9,7 Prozent/179.000), in Mecklenburg-Vorpommern (16,1 Prozent/259.000) hingegen am höchsten.

Die empfohlene Priorisierung der Ständigen Impfkommission:

  1. Menschen im Alter von 80 Jahren und älter
  2. Menschen im Alter von 75 bis unter 80 Jahren
  3. Menschen im Alter von 70 bis unter 75 Jahren
  4. Menschen im Alter von 65 bis unter 70 Jahren
  5. Menschen im Alter von 60 und unter 65 Jahren

Der Anteil der zweiten Stiko-Gruppe (bundesweit: 4,7 Prozent/3,9 Millionen) war in Hamburg Ende 2019 im Ländervergleich am geringsten (4,1 Prozent/76.000), in Sachsen-Anhalt am höchsten (6,1 Prozent/134.000). Auch Menschen der Priorisierungsgruppe 3 gibt es in Hamburg anteilig am wenigsten (3,9 Prozent/72.000) und in Sachsen-Anhalt am meisten (5,0 Prozent/110.000).

Auch an der Altersgruppe 65 bis unter 70 (Stiko-Priorisierungsstufe 4/bundesweit: 5,8 Prozent/4,9 Millionen) hat Hamburg den vergleichsweise geringsten Anteil seiner Einwohnerschaft (4,4 Prozent). Den höchsten Anteil verzeichnet hier Mecklenburg-Vorpommern (7,7 Prozent). Das nordöstliche Bundesland weist anteilig auch die meisten Menschen zwischen 60 und unter 65 Jahren auf (8,4 Prozent), Hamburg ist hingegen auch in dieser Gruppe Schlusslicht (5,3 Prozent).

Hamburg: 76,5 Prozent nicht impfpriorisiert

Letztlich fallen damit in Hamburg gut drei Viertel der Bevölkerung nicht in die altersbedingte Priorisierung bei den Corona-Impfungen. Nach Destatis-Angaben waren in der Hansestadt zuletzt 1,41 Millionen Menschen jünger als 60 Jahre und damit der Impfverordnung zufolge nicht für eine altersbedingt bevorzugte Schutzimpfung vorgesehen. Das sind 76,5 Prozent der Bevölkerung.

Die neuen Corona-Beschlüsse für Hamburg:

  • In Bussen und Bahnen, beim Einkaufen, bei Gottesdiensten, bei Amtsgängen zu Behörden und bei Gesundheitsbehandlungen müssen weiterhin grundsätzlich medizinische Masken getragen werden.
  • In Senioren- und Pflegeeinrichtungen bleibt es bei verpflichtenden Schnelltests für Personal und Besucher.
  • Weiterhin gilt: Alle nicht zwingend notwendigen Kontakte sollen unterbleiben. Treffen werden auf nach wie vor auf eine weitere nicht im eigenen Haushalt lebende Person beschränkt.
  • Friseurbetriebe dürfen ab dem 1. März wieder öffnen. Blumenläden und Gartencenter bleiben in Hamburg weiter geschlossen.
  • An den Hamburger Schulen gibt es bis zu den Märzferien weiter Distanzunterricht. Eine Notbetreuung wird angeboten.
  • An den Kitas wird die erweiterte Notbetreuung bis Anfang März fortgesetzt.
  • Religionsgemeinschaften: Bei entsprechenden Schutzkonzepten müssen Zusammenkünfte mit mehr als zehn Personen zukünftig nicht mehr gesondert den Behörden angezeigt werden.

Fußball-Verband fürchtet irreparablen Schaden

Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) hat den Senat als Reaktion auf die am Mittwoch gefassten Bund-Länder-Beschlüsse zur Corona-Pandemie scharf kritisiert.

„Es muss insgesamt davon ausgegangen werden, dass durch das Hick-Hack der Politik Strukturen weggebrochen sind, die irreparabel sind. Der Frust sitzt tief, die Enttäuschungen über die Politik und die mangelnde Willigkeit und Fähigkeit der Politik, den betroffenen Menschen angemessen zu helfen, haben zu einer starken Reaktion geführt“, heißt es in der HFV-Pressemitteilung. Genannt wird als Beispiel der Rückzug vieler Ehrenamtler.

Corona-Lockdown verlängert und neues Inzidenz-Ziel

Verstöße gegen Impfreihenfolge im Norden

Nach dpa-Recherche sind in mindestens neun Bundesländern bereits Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, die noch gar nicht an der Reihe waren. Dabei kamen etwa Kommunalpolitiker, Geistliche sowie Feuerwehrleute und Polizisten zum Zuge, obwohl sie nicht der ersten Prioritätsgruppe angehören.

Die Reihenfolge der Impfungen ist in der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums klar geregelt: Zunächst sollen Menschen über 80 geimpft werden, außerdem Frauen und Männer, die durch ihre Arbeit in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder Impfzentren ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben. Sie gehören der Gruppe der höchsten Priorität an. Polizisten räumt die Verordnung lediglich eine hohe Priorität ein, Landräte sind nicht gesondert aufgeführt.

In Niedersachsen ließen sich allerdings er Landrat von Peine und sein Stellvertreter impfen – beide baten inzwischen dafür um Entschuldigung. Der Krisenstab wies die Impfzentren an, die übrig gebliebenen Dosen unbedingt zu benutzen, daran würde sich in der Regel auch gehalten. Kontrolliert werde das aber nicht. „Wir werden nicht neben jede Impfstraße einen Polizisten oder einen Notar stellen“, sagte Krisenstabsleiter Heiger Scholz.

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Hamburg impfte bis Ende Januar bereits 102 Feuerwehrleute und zwei Polizisten. Auch Mitarbeiter des Krisenstabes und der Gesundheitsbehörde sind in der Hansestadt schon geimpft worden, darunter auch die Staatsrätin für Soziales. In Schleswig-Holstein halten die Impfzentren nach Angaben der Landesregierung indes Wartelisten mit Impfberechtigten wie etwa Rettungsdienste oder auch das Impfpersonal selbst vor. Keine Verstöße sind bislang in Mecklenburg-Vorpommern bekannt.

Die aktuellen Corona-Regeln für Hamburg im Überblick

  • Alle Regeln, die im Rahmen der Eindämmungsverordnung bis zum 10. Januar gelten sollten, werden grundsätzlich bis zum 14. Februar verlängert – ein Großteil des Einzelhandels bleibt geschlossen, bestellte Waren dürfen aber abgeholt werden. "Körpernahe Dienstleistungen" wie Friseure, Nagel-, Massage- und Tattoo-Studios dürfen nicht angeboten werden. Auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten.
  • Kontaktregeln Angehörige eines Haushalts dürfen sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Ausnahmen für Kinder gibt es nicht.
  • Die Maskenpflicht wird angepasst: Stoffmasken reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus. Stattdessen müssen medizinische Masken (mindestens OP-Masken, auch FFP2- oder KN95-Masken sind möglich) getragen werden. Bis zum 1. Februar gilt eine Übergangsphase, danach werden Verstöße mit Bußgeldern geahndet.
  • Kitas und Schulen: Die Präsenzpflicht an den Schulen bleibt aufgehoben, stattdessen soll so weit wie möglich Distanzunterricht gegeben werden. Kinder sollen – wann immer möglich – zu Hause betreut werden. Die Kitas wechseln in die "erweiterte Notbetreuung". Die privat organisierte Kinderbetreuung in Kleingruppen bleibt gestattet.
  • Arbeitgeber sind angehalten, so weit wie möglich ein Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. Zusätzlich soll eine neue Bundesverordnung Arbeitgeber dazu verpflichten, Homeoffice anzubieten, so weit das möglich ist. Betriebskantinen dürfen nur öffnen, wenn sie für den Arbeitsablauf zwingend erforderlich sind.
  • Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert über 200 steigen, müsste eine Ausgangsbeschränkung erlassen werden, die den Bewegungsradius auf 15 Kilometer rund um den Wohnort einschränkt. Wie genau diese Regel in Hamburg angewandt würde, ist noch nicht bekannt – der Senat will darüber entscheiden, sollte sich die Inzidenz dem Grenzwert annähern.
  • Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen mehrmals pro Woche Personal und Besucher testen. Das war in Hamburg schon verpflichtend und gilt nun bundesweit.
  • Zwei-Test-Strategie bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten: Ein Corona-Test direkt nach der Einreise ist verpflichtend, die zehntägige Quarantäne kann frühestens fünf Tage nach der Einreise durch einen weiteren Test verkürzt werden. Die Kosten für die Tests werden nicht übernommen.

96 Jahre alter Rechtsmediziner lässt sich piksen

„Impfen ist wichtig. Unbedingt!“ Prof. Werner Janssen ist fest davon überzeugt, wie sinnvoll ein solider Schutz gegen das Corona-Virus durch Vakzine ist, als der 96-Jährige am Donnerstag zu seinem Termin in die Messehallen kommt. „Und ich bin sehr froh, dass ich jetzt eine Impfung bekomme“, sagt der Rechtsmediziner, der bis 1991 das Hamburger Institut für Rechtsmedizin leitete.

Janssen hat sich am Morgen von seinem Haus im Hamburger Nordosten, in dem er sich noch allein versorgt, auf den Weg zu den Messehallen gemacht. Ein befreundeter Arzt hat ihn zu dem Impfzentrum gefahren. Den Weg vom Parkplatz in das Gebäude und dort über die langen Gänge legt der Senior mit dem Rollator und unterstützt von einer weiteren Begleitung zurück.

Fieber messen im Vorbeigehen, eine gute Organisation und aufmerksames Personal, das an jeder Station freundlich den Weg weist: Janssen lobt den Umgang mit den Patienten. „Das läuft gut hier, ohne Einschränkung“, meint der 96-Jährige. Auch die eigentliche Impfung geht problemlos. „Ich habe fast nichts gemerkt. Nur den zarten Griff der Ärztin“, schmunzelt der Hamburger, der sich mit täglichem Schwimmen in seinem eigenen Schwimmbad zu Hause sowie viel Zeit an der frischen Luft fit hält.

„Die Anti-Impf-Haltung mancher Menschen kann ich überhaupt nicht verstehen“, sagt der Rechtsmediziner. Es sei „sehr wichtig, sich impfen zu lassen“, um gegen eine Corona-Infektion geschützt zu sein, „die auch in ein gefährliches Krankheitsbild übergehen kann“, betont Janssen. „Wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen, kann das hoffentlich dazu beitragen, dass das Virus irgendwann ausgelöscht ist“, sagt der Mediziner und zieht Parallelen beispielsweise zur Kinderlähmung, die heute in Deutschland durch konsequente Impfungen praktisch ausgerottet ist.

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( jdr/ryb/misch/bem/axö/dpa )

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