Hamburg

Alsterufer soll zum Radfahrer-Paradies werden

Radfahrer an der Feenteichbrücke.

Radfahrer an der Feenteichbrücke.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

An der Schönen Aussicht und der Bellevue entstehen komfortable Fahrradstraßen. Im März 2020 beginnt der Ausbau.

Hamburg. Es ist das Verkehrs­zeichen mit den Ziffern 244.1, das die Mobilität am östlichen Alsterufer im kommenden Jahr verbessern wird: Das Schild zeigt ein weißes Fahrrad auf blauem Grund und darunter den Schriftzug „Fahrradstraße“.

Wo jährlich gut neun Millionen Radfahrer auf teilweise holprigen und schlecht einsehbaren Radwegen unterwegs sind, sollen von März 2020 an mit dem Projekt „Alster-Fahrradachsen“ Biker freie Fahrt haben. Nach den Planungen des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und den letzten Abstimmungen zwischen den Behörden­ werden in mehreren Teil­abschnitten in Winterhude und auf der Uhlenhorst komfortable Fahrradstraßen entstehen – bis zu 6,50 Meter breit und gut beleuchtet. Sie schließen sich an die bereits bestehenden Fahrradstraßen an.

Konkret bedeutet das: Die Straßen Bellevue, Fährhausstraße (westlich Herbert-Weichmann-Straße), Schöne Aussicht und Eduard-Rhein-Ufer werden zu Fahrradstraßen. Kraftfahrzeuge dürfen dort nur einfahren, wenn sie ein „Anliegen“ haben. Es heißt also künftig in diesen vom Autoverkehr ohnehin nicht stark frequentierten Bereichen: „Anlieger frei“.

Alster-Gehwege sind barrierefrei geplant

Von der Baumaßnahme profitieren auch Fußgänger und Passanten mit Handicap, denn die Gehwege sind barrierefrei geplant. „Hamburg wird Fahrradstadt. Und das wird nun rund um die Außenalster besonders deutlich sichtbar werden“, freut sich Thorsten Schmidt, stellvertretender Vorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der Bezirksversammlung Nord.

Die Grünen hatten seit Jahren eine Neugestaltung des Verkehrs am östlichen Alsterufer mit weniger Kfz-Fahrstreifen, mehr Platz für Radverkehr und Spaziergänger gefordert. Der vorhandene Radweg, der sich direkt neben dem Fußweg am Alsterufer befindet, sei an vielen Stellen holprig und habe einen sich windenden Verlauf um Bäume und Büsche, kritisierten sie. Er sei an vielen Stellen schlecht einsehbar, eng und führe deshalb zu gefährlichen Situationen.

Arbeiten beginnen an der Schönen Aussicht

Und bei der Verkehrsbehörde heißt es: „Nirgends wird in Hamburg so viel Rad gefahren wie an der Außenalster und den zuführenden Straßen. Hier sind die Verkehrsflächen knapp, sodass es für Radfahrer, Fußgänger, Autofahrer, Sportler und Erholungsuchende manchmal eng werden kann.“ Nach der Einrichtung der Fahrradstraße am Harvestehuder Weg zwischen der Krugkoppel und der Alten Rabenstraße soll nun der Abschnitt Bellevue/Schöne Aussicht umgestaltet werden.

Die Bauarbeiten werden, so der derzeitige Stand, im März 2020 an der Schönen Aussicht beginnen; die Fertigstellung ist 2020 vorgesehen. Weiter geht es im März 2021 mit dem Abschnitt Bellevue. Wie Thorsten Schmidt dem Abendblatt sagte, wird die Fahrradstraße im Abschnitt Bellevue rund 750 Meter lang und bis zu 6,50 Meter breit. Die Trasse zwischen Fährhausstraße, Schöner Aussicht und Eduard-Rhein-Ufer erreicht eine Länge von 1,3 Kilometern und soll 5,50 Meter breit werden.

Mehr Stationen für StadtRäder

Um an der Außenalster das Angebot für Radausflügler zu steigern, werden 250 neue Abstellplätze für Räder an Fahrradbügeln geschaffen. Die bereits vorhandene StadtRad-Station gegenüber dem Literaturhaus wird um sechs Räder erweitert. An der Kreuzung Schöne Aussicht/Auguststraße ist eine neue StadtRad-Station vorgesehen. Die Zahl der Kfz-Stellplätze geht zwischen Bellevue, Schöner Aussicht und Schwanenwik von 445 auf 327 zurück. Für die meisten Autofahrer bedeutet das: Sie dürfen in die genannten Straßen nur einfahren, wenn sie – wie etwa Handwerker oder Paketboten – ein Anliegen haben, Mitglieder des Segelclubs sind oder Anwohner.

„Das reine Durchfahren der Straße mit dem Auto, ohne vor Ort ein Anliegen zu haben, wird künftig nicht mehr zulässig sein“, sagt Thorsten Schmidt. Stattdessen können Radfahrer mitten auf der Fahrbahn unterwegs sein. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs entspricht das Wohnen an einer Fahrradstraße dem Wohnen in einer Tempo-30-Zone. „Wenig Autoverkehr und langsame Geschwindigkeiten sorgen für Ruhe und ein angenehmes Wohnumfeld“, heißt es in einer Analyse zu den Auswirkungen von Fahrradstraßen. Die ersten Fahrradstraßen in Hamburg waren 1998 in Eimsbüttel entstanden (Bornstraße, Rutschbahn, Heinrich-Barth-Straße).

Krugkoppelbrücke wird freigegeben

Die erste Fahrradstraße an der Alster wurde 2014 eröffnet und führt heute vom Anglo-German Club am Harvestehuder Weg weiter über die Straße Alsterufer bis zur Fontenay. Wie die Verkehrsbehörde jetzt auf Abendblatt-Anfrage mitteilte, wird die Krugkoppelbrücke nach langen Bauarbeiten wie geplant im November für den Autoverkehr freigegeben. Damit sei auch dieser Teil der Alster-Fahrradachse fertig.