Energiekonzern entschuldigt sich

Vattenfall-Mitarbeiter legte Dossier über Krümmel-Gegner an

Unter dem Titel „Vorsicht bei Bettina Boll" finden sich Hinweise, wie bei Veranstaltungen mit der Politikerin umzugehen sei.

Hamburg/Geesthacht. Eine Mitarbeiterin des Energiekonzern Vattenfall hat ein Dossier über Gegner des Pannenreaktors Krümmel angelegt. Die Mitarbeiterin habe „eine Seite“ über eine Harburger SPD-Kreistagsabgeordnete und die Grünen-Politikerin Bettina Boll angefertigt, sagte eine Unternehmenssprecherin. Sie habe dies ohne Auftrag und ohne Billigung von Vattenfall getan, sagte die Sprecherin. Soweit bislang bekannt, wurden die Daten vor Diskussionsveranstaltungen um den Pannenreaktor Krümmel gesammelt, zu denen Vattenfall eingeladen hatte. Darin wird unter anderem vor Boll gewarnt.

„Es gibt in der Tat dieses einzelne Blatt“, sagte die Sprecherin. Vattenfall distanziere sich ausdrücklich davon. „Wir legen solche Dossiers nicht an.“ Es gebe auch keine Akten. Dem NDR-Bericht zufolge sind auf dem Blatt Fotos der Politikerinnen, wie sie sich gerade gegen Atomkraft stark machen. Unter dem Titel „Vorsicht bei Bettina Boll“ folgt dann eine Einschätzung, wie mit der Grünen-Politikerin umzugehen sei. So heißt es über Boll: „Argumentiert rein emotional, ausschweifende Wortbeiträge, muss nach 1-2 Minuten ermahnt werden.“ Deshalb solle ihr gesagt werden: „Kein Kommentar, Frage bitte.“

Die Vattenfall-Sprecherin betonte, Boll sei bei den Diskussionsrunden weder unterbrochen noch irgendwie eingeschränkt worden. Die Mitarbeiterin, welche das Dossier verfasst hat, sei zudem seit Monaten nicht mehr im Nuklearbereich tätig. Der Pannenreaktor Krümmel ist seit Jahren vom Netz. Er war nach einem Trafo-Unfall 2007 und zwei Jahren Stillstand zwar im Juni wieder in Betrieb genommen worden. Kurz darauf musste er aber wieder abgeschaltet werden, da es innerhalb von nur zwei Wochen zu drei Störfällen gekommen war.