Bildung

Neuer Streit um Grundschulen in Hamburg

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Eltern fordern Senat auf, Einführung der Ganztagsbetreuung zu verschieben. Grundschulen sollen über Beginn bis Jahresende entscheiden.

Hamburg. In Hamburg bahnt sich ein neuer schulpolitischer Konflikt an. Dabei geht es um die ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS), die Schulsenator Ties Rabe (SPD) hamburgweit spätestens bis zum Schuljahr 2013/2014 sicherstellen will.

Mit dem Landeselternausschuss LEA (vertritt die Interessen der Kita-Eltern), der Elternkammer (dem Organ der Eltern mit Schulkindern), der Initiative "Wir wollen lernen" (kippte mit einem Volksentscheid die Einführung der Primarschule) und dem Alternativen Wohlfahrtsverband SOAL stemmen sich gleich vier wichtige Elterngremien gegen die Planungen der Schulbehörde. Ihre Kritik: Ganztagsbetreuung sei zwar wünschenswert, die Reform werde aber überstürzt eingeführt, es fehlten Räume und Rahmenkonzepte zur Umsetzung, die Abholzeiten seien zu starr, der Betreuungsschlüssel rechtswidrig. In Teilen ihrer Kritik werden die Eltern von den Oppositionsparteien CDU, GAL, FDP und Linke unterstützt.

+++ Aus Fehlern anderer lernen +++

+++ Reformen nicht aufs Spiel setzen +++

Bis Jahresende sollen sich Hamburger Grundschulen entscheiden, ob sie die Ganztagsbetreuung zum kommenden oder erst zum darauffolgenden Schuljahr anbieten. Die Betreuung können sie in Kooperation mit einem Hort (GBS) anbieten oder als Ganztagsschule selbst übernehmen. Generell gilt: Ist ein Kind für die Ganztagsbetreuung angemeldet, muss es mindestens dreimal je Woche bis 15 Uhr daran teilnehmen.

"Diese Regelung ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem heutigen Hortsystem und widerspricht den Bedürfnissen vieler Eltern", sagt Sabine Lewerenz-Kollemann, Vorsitzende der Elternkammer. Sie fordert, dass neben GBS und dem schulisch organisierten Ganztagsbetrieb auch verlässliche Halbtagsgrundschulen in zumutbarer Entfernung zum Wohnort angeboten werden. LEA-Vorstand Sabine Buhk fordert eine "Entschleunigung" sowie eine paritätische Steuerungsgruppe, die sich mit den Rahmenkonzepten bezüglich Mittagessen oder Raumfrage beschäftigt. Walter Scheuerl von "Wir wollen lernen" spricht sich gegen eine "zwanghaft durchgedrückte Ganztagsbetreuung" aus. "Ganztagsschulen sollten nur da eingeführt werden, wo Eltern voll dahinterstehen", sagt er. Ebenso wie der SOAL warnt Scheuerl vor einem Qualitätsverlust bei der Betreuung: Für Vorschulkinder gelte ein Betreuungsschlüssel von 1:13, in der GBS sei 1:23 vorgesehen.

Schulsenator Ties Rabe verteidigt die Einführung der Ganztagsbetreuung, mit der mehr als 10.000 Kinder zusätzlich erreicht würden. "Wir fürchten, dass ohne zügigen Ausbau die Zahl der Nachmittagsangebote für Schulkinder zurückgehen wird", sagte er dem Abendblatt. "Die Horte ziehen sich aus diesem Bereich immer mehr zurück und investieren in den Krippenausbau."

Für jedes Kind werde die Schulbehörde fünfmal je Woche eine kostenlose Betreuung von 13 bis 16 Uhr finanzieren. Um planbare pädagogische Angebote machen zu können, müsse es dreimal wöchentlich eine Mindestbeteiligung bis 15 Uhr geben. "Bei wichtigen Anlässen wie Mutters Geburtstag kann sicher eine Ausnahme gemacht werden", betont Rabe. Für Eltern, die sich eine Zusatzbetreuung wünschen, solle es Rand- und Ferienbetreuungszeiten geben.