Umschlag

Hamburger Hafen verliert Marktanteile an Konkurrenz

Der Umschlag ist im Hamburger Hafen wieder deutlich gestiegen. Der Zuwachs bei den Konkurrenzhäfen ist aber höher - ein Warnsignal.

Hamburg. Der Umschlag im Hafen steigt nach der Krise 2009 wieder kräftig an. Der Marktanteil Hamburgs gegenüber den Konkurrenzhäfen in Nordeuropa, Rotterdam und Antwerpen ist aber 2010 weiter zurückgegangen.

Die Zuwachsraten im wichtigen Containerumschlag liegen in den Niederlanden bei 14 Prozent und in Belgien bei 16 Prozent. An der Elbe beträgt das Plus 12,7 Prozent auf 7,9 Millionen Standardcontainer (TEU). Der Abstand zum führenden europäischen Hafen Rotterdam vergrößerte sich damit auf mehr als drei Millionen TEU, während 2006 der Abstand auf knapp eine Million TEU zusammengeschmolzen war.

Dennoch habe Hamburg "allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu sehen", sagte Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) gestern bei der Präsentation der Zahlen. Claudia Roller, Vorstand bei der Marketing Organisation des Hafens, erwartet, dass der Hafen 2012 an das Vorkrisenniveau anknüpfen kann.

Um das künftige Wachstum abzusichern, sei die Elbvertiefung nun eine "Existenzfrage", sagte Wirtschaftssenator Ian Karan (parteilos). Immerhin könnten derzeit nur Schiffe mit bis zu 5000 Containerstellplätzen Hamburg ohne Probleme anlaufen. Allein 2011 werden jedoch mehr als 900 Frachter erwartet, die länger als 330 Meter sind und 9000 und mehr Container laden könnten. Wegen ihres zu großen Tiefgangs müssen sie Hamburg nur teilweise beladen anlaufen und verlassen.

Ahlhaus und Karan erwarten nun aber rasche Fortschritte bei der Elbvertiefung. Der Bund engagiere sich jetzt stärker für das Projekt, das nicht nur im Hamburger, sondern im nationalen Interesse liege, sagte der Bürgermeister. Er forderte zudem, dass Berlin mehr Geld für die Finanzierung der Häfen bereitstellen müsse. "Die 38 Millionen Euro, die derzeit für alle Häfen fließen, sind zu wenig."

Optimistisch sieht Ahlhaus auch dem Votum aus Niedersachsen und der notwendigen Stellungnahme der EU zur Elbvertiefung entgegen. "Die Deichsicherheit können wir gewährleisten, und ich bin nicht bange, dass wir am Ende des Tages die Zustimmung aus dem Nachbarland bekommen", sagte er. Karan sieht das für die EU ähnlich. Er hatte sich im Dezember und Januar bei Johannes Laitenberger, dem Kabinettschef von EU-Kommissionspräsident Barroso, und Industriekommissar Antonio Tajani für das Projekt eingesetzt.

Ob sich künftig auch ausländische Reeder an Terminals im Hafen beteiligen sollen, blieb gestern dagegen offen. Dieses Thema spielt im aktuellen Streit um den Hafenentwicklungsplan eine wichtige Rolle. Ahlhaus bemühte sich, die Wogen zu glätten. Eine Entscheidung über die künftige Strategie könne erst nach dem Ablauf der Frist für Einwendungen am 18. Februar getroffen werden, so der Bürgermeister.

Der Unternehmensverband Hafen Hamburg lehnt derzeit den gesamten Entwurf ab und kritisiert auch die Beteiligung von internationalen Reedereien an Terminals. Mit diesem "Sinneswandel" habe er jedoch Probleme, sagte der Wirtschaftssenator. Immerhin habe noch im November der ehemalige Handelskammer-Präses und Reeder Nikolaus Schües für eine Beteiligung der chinesischen Großreederei Cosco plädiert. Der Vorteil solcher sogenannten dedicated terminals: Sie werden von den beteiligten Schifffahrtsunternehmen besonders gut ausgelastet.

Positiv auf den Containerumschlag hat sich 2010 ein von der Hamburg Port Authority (HPA) eingeführtes Rabattsystem für Reeder ausgewirkt, die zusätzliche Ladung nach Hamburg gebracht haben sowie mehr Transportboxen im Hafen vor allem für die Ostsee umladen ließen. "Den betroffenen Reedereien konnten 3,8 Millionen Euro an Hafengeld gutgeschrieben werden. Durch die größere umgeschlagene Menge stiegen die Einnahmen der HPA gleichzeitig von 42,8 auf 46,9 Millionen Euro", sagte HPA-Chef Jens Meier. In diesem Jahr soll nun das Hafengeld voraussichtlich nicht mehr nach der Größe der Schiffe, sondern nach der Ladung an Bord bemessen werden. Dazu sollen umweltfreundliche Schiffe Vorteile erhalten.

Die größten Zuwächse im Containerumschlag erzielte der Hafen 2010 im Geschäft mit China, Russland, Japan und Indien, wobei alle Zuwächse im zweiten Halbjahr zweistellig ausfielen. Beim Massengut gab es 2010 ein Plus von 9,5 Prozent auf 40,3 Millionen Tonnen. Damit ist das vor der Krise erzielte Ergebnis fast wieder erreicht. Der Gesamtumschlag stieg um 9,8 Prozent auf 121,2 Millionen Tonnen.

Für dieses Jahr geht Hafen-Marketing-Chefin Roller von einem Plus von zehn Prozent beim Container- und beim Gesamtumschlag aus: "Wir wollen bei den Boxen stärker zulegen als im weltweiten Durchschnitt aller Häfen." Dann würde der Marktanteil Hamburgs wieder steigen.